IntegrationFür die Menschlichkeit

Staatssekretärin Serap Güler (links) und Berivan Aymaz, Sprecherin der Grünen im Landtag, zu Besuch in der Porzer Kinder- und Jugendtagesstätte des Vereins „Pro Humanitate Köln“.
Copyright: Markus Gross
Mütter und ihre Babys, Kinder und Jugendliche aus der direkten Porzer Nachbarschaft und auch von sehr weit her, sie alle sehen die Tagesstätte am Porzer Christrosenweg als ihr Zuhause an. Als „Brücke zwischen Menschen und Kulturen“ versteht sie sich selbst. An diesem Donnerstagnachmittag wird hoher Besuch in den Räumen des Vereins „Pro Humanitate Köln“ erwartet – was übersetzt so viel heißt wie „für die Menschlichkeit“.
Die beiden Politikerinnen Serap Güler (NRW-Staatssekretärin für Integration) und Berivan Aymaz (Grünen-Sprecherin für Integrations- und Flüchtlingspolitik im Landtag), dürfen nicht fehlen bei der Übergabe der selbstgenähten, kunterbunten Sorgenpuppen an neun Flüchtlingskinder aus der Unterkunft Loorweg in Zündorf.

Nächstenliebe will früh geübt sein.
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Schöpferinnen der textilen Kunstwerke sind die jungen Teilnehmerinnen der „Pro Humanitate“-Mädchengruppe unter Leitung von Roza Cinar-Kilic.
Unsichtbare Unterschiede
„Wo sind denn die Flüchtlingsmädchen?“, fragt Serap Güler zur Begrüßung, wirft einen Blick in die Runde und freut sich, „dass die Jugend hier, symbolisch für Köln, so vielfältig ist, dass gar nicht auffällt, wer Flüchtling ist und wer nicht“ – und damit Unterschiede unsichtbar würden. Eines brannte der Politikerin vorab unter den Nägeln: „Warum die Kummerpuppen so traurig heißen?“
„Weil man sich ihnen gegenüber alles von der Seele reden kann“, verriet Suddy (8), die vor wenigen Jahren aus Afrika nach Porz kam, und neben der Mädchengruppe auch die von „Pro Humanitate“ angebotene Hausaufgabenbetreuung besucht.

Sorgenpuppen für geflüchtete Mädchen
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Dass die Nöte der Flüchtlingskinder häufig immens, die Erlebnisse fürchterlich sind, weiß auch Berivan Aymaz, und lobte Mehmet Sahin und seinen Verein „für das jahrelange Engagement, das dazu beiträgt, dass die Sorgen der betroffenen Kinder und ihrer Familien weniger lange schmerzen“.
Der 1998 vom Kölner Franziskanerbruder Jürgen Neitzert gegründete Verein „Pro Humanitate“ hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe von Sozial- und Jugendarbeit an den Standorten Vingst, Porz, Höhenberg – und neuerdings auch in Zündorf – das tägliche Leben sozialschwacher deutscher Familien, aber auch von Migranten und Flüchtlingen zu erleichtern, ihren Kindern bei der Eingliederung in das Schul- und Berufsleben zu helfen – und ein friedliches Zusammenleben zu gestalten. In der Türkei leistet der Verein humanitäre Nothilfe für aus ihren Dörfern und Siedlungen vertriebene kurdische Familien.
Lebende Sorgenpuppen
„Pro Humanitate“ bietet Sport, Musik, Tanz, Hausaufgabenhilfe, Beratung, Studienreisen – und Bastelkurse wie „Kreatives Nähen“, bei dem es, wie Sahin betont, „auch um Wertschätzung, Respekt und die Wahrnehmung der Mitmenschen geht.“ So haben die Mädchen neben den Sorgenpuppen auch Taschen für Obdachlose genäht, die sie ihnen, gefüllt mit Socken, Mützen, Handschuhen und selbstgebackenen Keksen kurz vor Weihnachten persönlich überreichten. Sahin: „Die Mädchen haben ihre Lebensgeschichten erfahren und wurden für Menschen in sozialen Notlagen sensibilisiert“. So bezeichnet Güler die engagierten Mädchen auch treffend als „lebende Sorgenpuppen“ – und bestes Beispiel gelebter Integration.
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