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„Grover“Wer Geräte nur kurz braucht oder testen will, kann auch mieten

Lesezeit 5 Minuten
Grover Spiegelreflexkamera Test

Wer eine Kamera nur für einen Urlaub möchte, kann diese über Grover auch mieten.

Berlin – Nur für kurze Zeit wollte Michael Cassau vor zwei Jahren in Berlin bleiben. Wozu also Hausrat und Möbel anschaffen? Doch der Unternehmer stellte schnell fest, dass es keine Alternative zum Kauf gab.

Das brachte ihn auf eine Geschäftsidee, mit der Cassau, 32, mittlerweile erfolgreich ist: Er gründete Grover, ein Berliner Start-up, das unter anderem Computer, Handys, Tablets und Fitness-Tracker vermietet. „Wieso soll man sich zwischen einem iPhone und einem Urlaub entscheiden, wenn man beides haben kann?“, sagt Cassau.

Mietgeräte sind eine neue Variante des Einzelhandels. Sie ermöglichen es Verbrauchern, teure Geräte über längere Zeit auszuprobieren, bevor sie sich für oder gegen einen Kauf entscheiden. Eine andere Zielgruppe sind die Hochmobilen, die nur für wenige Monate an einem Ort bleiben und mit leichtem Gepäck reisen wollen.

Große Unternehmen sind eingestiegen

Den Trend haben mittlerweile die großen Ketten entdeckt: Zu ihnen zählen die Elektronik-Händler Media Markt und Euronics sowie der Apple-Händler Gravis. Sie wickeln Mietkäufe online über Grover ab. Der Versandriese Otto lockt auf dem Portal Otto Now Kunden mit Mietgeräten.

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„Ein wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit“, begründet Otto-Sprecher Nick Marten das Interesse der Unternehmen an dem Service. Neben Neugeräten, die extra für die Vermietung bereitgehalten werden, können auch Geräte, die von Kunden in der Gewährleistungszeit zurückgeschickt werden, mit Hilfe von Otto Now wieder in den Warenkreislauf zurückgebracht werden. Ein Schlagwort in diesem Zusammenhang ist „sharing economy“: der gemeinschaftliche Konsum von Waren schont die Umwelt.

Gründe fürs Mieten

Die größte Zielgruppe sind die Neugierigen: Kunden, die zum Beispiel das neueste Modell ihres Handys oder ganz neue Entwicklungen wie Drohnen ausprobieren wollen. Jeannette Birkholz, 28-jährige Werbegrafikerin aus Charlottenburg, wollte zum Beispiel das iPad Pro kennenlernen. Mindestens 900 Euro kostet das 12,9-Zoll-Tablet, der große Bruder des klassischen iPads. Doch braucht man es wirklich? „Ich habe das Gerät für zwei Monate gemietet, um auszuprobieren, ob es gut zu handhaben ist und die Anschaffung wirklich lohnt“, sagt sie. Danach gab sie das Gerät zurück. Ihr Laptop schien ihr dem Apple-Tablet ebenbürtig.

Andere benötigen ein Gerät nur für eine begrenzte Zeit: etwa eine aufwendige Fotoausrüstung. Der Safari-Trip in Afrika endet schließlich irgendwann und dann liegt die teure Spiegelreflexkamera in der Schublade.

Laut Grover-Chef Cassau ist die Gruppe der Mieter zurzeit recht jung, um die 30 Jahre, wie er sagt. Berliner seien die eifrigsten Mieter, auch wenn der Service in ganz Deutschland angeboten wird. Otto sagt zwar nichts über das Alter der Otto-Now-Kunden, doch werde der Service, den der Versandhändler seit Ende 2016 anbietet, sehr gut angenommen.

Das Spektrum der ausgeliehenen Geräte sei breit. „Als wir den Service im Winter starteten, haben wir viele Cross-Trainer für drei Monate vermietet“, sagt Marten mit einem Augenzwinkern. Die guten Vorsätze hielten offenbar nicht sehr lange. Kaffeevollautomaten, Fernseher und weiterhin Sportgeräte zählen zu den Highlights bei den Otto-Now-Mietgeräten.

Rechtliche Voraussetzungen

Als Sicherheit verlangen die Vermietungsfirmen die Angaben, die beim Online-Handel üblich sind: Name, Adresse und Zahlungsdaten. „Mithilfe von Online-Services können wir überprüfen, ob es sich um eine reale Adresse handelt oder um eine fingierte“, sagt Cassau. Um sicherzustellen, dass es sich um zahlungsfähige Kunden handelt, behält Otto Now sich vor, eine Schufa-Auskunft einzuholen, sagt Firmensprecher Marten.

Die Mietservices liefern das Gerät direkt an den Kunden. Bei ausgewählten Märkten von Media Markt und Gravis in Berlin kann man es auch persönlich abholen. Bei Otto Now werden Lautsprecher, Virtual-Reality-Brille oder Gaming PC kostenlos nach Hause geliefert.

Große Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Waschmaschinen bringt Otto Now ebenfalls zum Wunschort und übernimmt auch den Anschluss für den Kunden. Nach Mietende wird das Produkt abgeholt oder der Kunde kann es kostenlos zurückschicken. Grover hat ebenfalls einen Liefer- und Abholservice.

Reparaturservice

Mietgeräte sind im Schadensfall versichert. „Das ist im Mietpreis inbegriffen“, sagt Marten. Dies sei einer der Vorteile des Mietens. Außerdem seien die Geräte neu oder neuwertig, so dass selten Reparaturen anfallen. Tritt dennoch ein Schaden auf, kann der Kunde das Gerät an den Versandhändler zurücksenden. Dort wird es repariert und ersetzt. Großgeräte werden abgeholt. Der Schadensfall ist jedoch bisher die Ausnahme. „Wir hatten es noch nicht, dass ein Gerät total kaputt zurückgekommen ist“, sagt Marten.

Grover-Chef Cassau sagt: „Wir lassen die Geräte reparieren. Wenn es sich um einen Herstellerschaden handelt, ist der Kunde finanziell nicht betroffen. Wenn ihm fahrlässiges Verhalten nachzuweisen ist, muss er 50 Prozent der Reparaturkosten übernehmen. Oder er übernimmt das defekte Gerät für 50 Prozent des Kaufpreises.“

Kauf des Mietgeräts

Wer sich vom gemieteten Segway oder Beamer nicht mehr trennen will, hat bei Grover die Möglichkeit, das Gerät während der Mietzeit zu kaufen. „Wir haben eine Mietkaufoption“, sagt Cassau. Verbleibt ein Gerät lange beim Mieter, geht es in seinen Besitz über und zwar drei Monate, nachdem der Kaufpreis erreicht wurde. Im Schnitt zahle ein Mieter so rund 20 Prozent mehr als den Ladenpreis, habe aber während der gesamten Mietdauer vollen Versicherungsschutz und das Rückgaberecht, sagt Cassau.

Bei Otto Now gibt es im Moment noch keine Kaufoption. Wer mit der ausgeliehenen Waschmaschine hochzufrieden ist, muss das Mietgerät abholen lassen und kann sich bei Otto dann ein ebensolches Neugerät bestellen. Marten sagt, dass Kaufoptionen bei Otto Now aber zurzeit geprüft würden.

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