Weltpremiere bei Rewe: Die Supermarktkette testet Kochautomaten. In drei Filialen im Rheinland serviert jetzt der Robo-Koch Pasta und Curry.
Supermarkt-InnovationJetzt lässt Rewe die Roboter kochen

In ausgewählten Rewe-Filialen bereitet seit kurzem ein Roboter frische Gerichte zu. In vier bis sechs Minuten kommt die warme Pasta aus dem Automaten.
Copyright: Rewe
Es dampft, es duftet. Töpfe rotieren wie von Geisterhand bewegt. Doch dieser Koch hat keine Hände. Stattdessen hantieren Greifarme hinter Glas, füllen Pasta und Curry im Minutentakt ab, lassen Parmesan auf die Gerichte rieseln und reichen das benutzte Kochgeschirr in die Spülecke. Rewe testet derzeit in drei Filialen im Rheinland einen neuen Service: frisch zubereitete Gerichte aus dem Kochautomaten. Der ist viel mehr als ein Robo-Koch. Auf rund sieben Quadratmetern hat das Münchner Start-up Circus eine ganze Küche komprimiert. Der Quader fasst Vorratslager und Kühlschrank, Herdplatten, Spülmaschine und Essensausgabe.
Warme Pasta in vier bis sechs Minuten
Kunden ordern per Touchscreen. Im Moment haben sie die Auswahl zwischen mehreren Nudelgerichten und Linsen-Currys. Porridge für die Frühstücker ist dabei. Kaiserschmarrn soll es demnächst geben. Die Preise sind selbst für einen Mittagstisch moderat und reichen von 3,49 Euro bis 6,99 Euro. In vier bis sechs Minuten stehen die Penne mit Hähnchen und Gemüse unter der Warmhaltelampe und warten darauf, abgeholt zu werden. Das klappt allerdings nur, wenn eine der vier Kochplatten frei ist und der Automat direkt mit der Zubereitung loslegen kann. Um die Mittagszeit, wenn auch kleinere Gruppen ordern, müssen Hungrige längere Wartezeiten einplanen. „Im Idealfall gehen sie in der Zwischenzeit bei uns einkaufen“, sagt Lars Klein, Vorsitzender der Geschäftsleitung in der Rewe Region West. Perspektivisch sei es auch möglich, Essen per App vorzubestellen und dann zur festgelegten Zeit frisch zubereitet abzuholen.
250.000 Euro kostet der Kochbot
250.000 Euro kostet einer dieser Küchenvollautomaten derzeit. Kaum möglich, damit wirtschaftlich zu arbeiten, oder? „Doch, wir glauben daran“, meint Klein. Die drei Exemplare, die nun an zwei Standorten in Düsseldorf (Heerdt und Rath) und seit dem vergangenen Wochenende auch in Bonn-Beuel im Einsatz sind, hat Rewe nicht gekauft. Sie stehen für einige Monate dort, um sich zu bewähren. „Wir sammeln Erfahrungen“, so Klein. Welche Gerichte werden von den Kunden angenommen? Wie wirkt sich das neue Angebot auf den Absatz der anderen Gastronomen im Rewe-Eingangsbereich aus? Büßen Bäcker und heiße Theke Umsatz ein? Profitieren Blumenladen und Ballonverkauf vielleicht sogar davon?

Einer von drei Rewe-Kochautomaten steht derzeit in Bonn-Beuel.
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Das Rewe-Experiment ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit einzigartig. „Der ganze Lebensmittelhandel schaut sehr genau darauf, was hier passt“, sagt Klein. Die Möglichkeiten liegen auf der Hand: CA-1, so heißt der Automat, arbeitet auch 16-Stunden-Schichten ohne Pause und reinigt sich danach selbst. Personalkosten beschränken sich auf das Befüllen der Lebensmittel-Silos. Dem Eindruck, damit sollten Arbeitsplätze abgebaut werden, widerspricht Klein: „Wir haben derzeit Tausende offene Stellen im Verkauf, durch den Roboter verliert niemand seinen Arbeitsplatz.“
Büroangestellte und Schüler sollen auf den Geschmack kommen
Noch ist die Menüauswahl überschaubar. Das Frischeversprechen ist auch nur ein halbgares. „Hier wird kein Gemüse geschnitten und keine Pasta gekocht“, räumt der Hersteller, das Start-up Circus aus München, ein. Die Zutaten fallen aus bis zu 36 Silos in einen Topf und werden anschließend auf dem Induktionsherd erwärmt. Bedeutet: Die Nudeln sind vorgekocht, Fleischbeilagen vorgebraten, Soßen und Gemüse stammen aus der Großküche. Schmeckt trotzdem. Die Portionen sind großzügig.
Die zwei Düsseldorfer Versuchs-Automaten stehen ganz bewusst in Filialen, die von Bürogebäuden umgeben sind. Pausengänger mit wenig Zeit und schmalem Geldbeutel sind die Zielgruppe. In Bonn-Beuel spekuliert das Rewe-Team auf Jugendliche aus den benachbarten Schulen. An der Rezeptauswahl für diese Zielgruppe muss vielleicht noch gefeilt werden. Trüffel-Penne und scharfe Arrabiata-Soße sind keine typischen Kindergerichte. Einmal im Monat wolle man den Speiseplan künftig überarbeiten, heißt es von Circus. Im Sommer könnten Salate statt Eintöpfen zubereitet werden.
Einsatzmöglichkeiten in Kantine, Tankstelle oder Krankenhaus
„Das geht dann auch etwas schneller“, sagt der kaufmännische Leiter von Circus, Frank Holtey. 200 von seinen kochenden Kästen will er in diesem Jahr verkaufen. In Köln wird auf absehbare Zeit keiner davon stehen. Rewe will die Testphase erst auswerten. Entscheidend werden die Ergebnisse von Kundenbefragungen sein, heißt es von dort. Kochende Roboter sind aber auch schon in ganz anderem Umfeld im Einsatz, in einer Mercedes-Kantine zum Beispiel. Denkbar seien auch Standorte in Tankstellen oder Krankenhäusern, sagt Holtey. „Überall da, wo nicht nur zu Stoßzeiten, sondern über den ganzen Tag hinweg Gerichte abgerufen werden.“ Eine mobile Variante könnte auch auf Messen oder Festivals zum Einsatz kommen. Es gibt sogar Interessenten aus der Verteidigungsindustrie, dort könnte der Roboter die Truppe im Feld versorgen.
In Bonn erfüllt der Automat vor allem eine Funktion: Er macht neugierig. Die um 45 Grad in Richtung Glasscheibe geneigten Töpfe locken allerlei Schaulustige an. Der spannendste Moment kommt zum Schluss, wenn der Roboterarm das Gericht in die Pappschale kippt. Fällt auch die letzte Nudel noch aus dem Topf? Die Maschine schüttelt nach. Ja, sie fällt. Den Käse streut der Automat genauso gekonnt über das Gericht wie das Kantinenpersonal. Was fehlt: Ein Lächeln, wenn der Teller über die Theke gereicht wird und der freundliche Wunsch: „Guten Appetit!“

