Bisher war Platznot kein Problem, wenn es um Kapseln geht, die Menschen ins All transportieren. Denn die Reise dauerte nicht lang. Bei einer Mars-Mission könnte das ganz anders aussehen.
Platznot in der KapselReise zum Mars – halten wir das durch?

11 Personen haben sich auf der Internationalen Raumstation ISS für ein Foto zusammengefunden. Immer können sich Astronautinnen und Astronauten nicht so gut aus dem weg schweben wie auf der Raumstation.
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Der Reiz, unbekannte Welten zu entdecken, ist immens. So gibt es genug Menschen, die selbst ohne garantierten Rückflug sofort Richtung Mars aufbrechen würden. Doch die Technik ist nur eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Mission.
In der kleinen Blechbüchse sitzt man tagein, tagaus mit den gleichen Menschen zusammen. Im Idealfall ist die Gruppe groß genug für einen gemeinsamen Nenner, und klein genug, dass man sich trotzdem – wenn nötig – aus dem Weg schweben kann. Auf der Raumstation ist das kein Problem, hier berichten ehemalige Bewohnende, dass sie sich teilweise zum Abendessen verabreden mussten, weil sie sich sonst gar nicht begegnet wären – so eng getaktet ist die Arbeit dort.
Bisher war die Platznot noch kein Problem
Anders sieht das in den Kapseln aus, die bisher Menschen ins All transportieren: Im Gemini-Programm der Nasa teilten sich erstmals zwei Personen eine Kapsel über mehrere Tage – Privatsphäre Fehlanzeige. Der heutige Transport zur Raumstation mit der Sojus oder sogenannten Freeflyermissionen wie Inspiration 4 finden ebenfalls ohne nennenswerte Rückzugsmöglichkeiten statt – teilweise gibt es nicht mal ein stilles Örtchen. Auch das Space Shuttle bot mehr Campingbusfeeling, gearbeitet wurde in zwei Schichten: Die Schlafkabinen nutzte die Crew im Wechsel.
Bisher war die Platznot aber kein Problem. Denn schon im Auswahlverfahren wird bei angehenden Astronautinnen und Astronauten auf gewisse zwischenmenschliche Fähigkeiten geachtet, etwa in puncto Umgang mit Konflikten.
Mit dem Start des Mondprogramms Artemis und mit Blick auf Langzeitmissionen zum Mars verdient das Thema aber ganz neue Aufmerksamkeit. Ein Flug zum Mars dauert Monate. Möchte man auch wieder zurück, spricht alles für eine Missionszeit von circa zwei Jahren. Zwei Jahre WG im All? Das kann trotz bestmöglicher Auswahlverfahren zu Problemen führen. Erschwerend kommt hinzu: Die Kommunikation braucht von Mars zu Erde ihre Zeit. Sich mal Luft zu machen, ist kein Problem: Nur ist das Signal erst bis zu 20 Minuten später auf der Erde, bis zur Antwort vergeht noch mehr Zeit.
Seit Jahren findet deshalb sogenannte Analogforschung statt: Beim Projekt Mars500 teilten sich für 520 Tage sechs Männer eine „Raumstation“, bei HI-SEAS verbringen sechs Menschen bis zu einem Jahr auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Loa. Dabei zeigt sich, dass gemischte Teams besser kommunizieren. Es bleibt festzuhalten: Es menschelt – egal, ob mit Schwerkraft oder ohne. (RND)



