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„Richtig dumme Menschen“Indischer Student steckt hinter Trump-Influencerin „Emily Hart“

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Emily Hart im USA-Bikini und beim Eisbaden.

Emily Hart im USA-Bikini und beim Eisbaden.

Nicht nur die freizügigen Fotos, auch die extrem nationalistischen Ansichten von „Emily Hart“ sorgten für den großen Erfolg.

Mal ein Selfie im knappen USA-Bikini, mal mit einem Bier beim Eisbaden, mal lässig im Jeans-Outfit auf der Holzveranda. Meist ist die USA-Flagge nicht weit entfernt. Oder es fällt ein markiger Spruch mit klarer politischer Botschaft. Provokant, radikal konservativ – und dabei so sexy. So kannten Millionen Follower „Emily Hart“ – oder glaubten es zumindest. Denn hinter dem Profil der attraktiven Trump-Anhängerin steckt offenbar ein indischer Medizinstudent, der mit dem Fake-Account tausende Dollar im Monat verdient haben will.

Der Account der angeblich 22 Jahre alten „Emily Hart“ wurde inzwischen gelöscht. Ihre ganze Identität war wohl gefälscht, alle Bilder, sogar Videos mit KI generiert. Ihre Posts begeisterten in den sozialen Netzwerken Millionen Menschen. Vor allem Trump-Anhänger. Denn die MAGA-Anspielungen (Also: Make America Great Again) war ein zentraler Bestandteil ihres Erfolgs.

„Emily Hart“: Google-Chatbot riet zu extrem nationalistischen Ansichten

Die Idee für „Emily Hart“ entstand aus Geldnot, so zumindest schildert es jetzt „Sam“, der Betreiber des Accounts, in einem Gespräch mit dem renommierten Magazin „Wired“. Während seines Studiums suchte der mittellose Student aus Indien nach Wegen, schnell Geld zu verdienen.

Zunächst soll er freizügige KI-Fotos gepostet haben. Ohne großen Erfolg. Er habe auch versucht, das christliche Publikum anzusprechen. Doch auch dieser Versuch scheiterte. Dann habe er den Google Gemini um Rat gefragt. Der Chatbot habe ihm empfohlen, die Trump-nahe Nische zu nutzen und ausgeprägte nationalistische Ansichten zu verbreiten.

„Jeden Tag schrieb ich etwas, das pro-christlich, pro-Waffenbesitz, gegen Abtreibung, gegen Wokeness und gegen Einwanderung war“, sagte er. „Ich habe vielleicht 30 bis 50 Minuten am Tag investiert“, erklärte der Student. „Und das Geld floss nur so.“ Nach eigenen Angaben verdiente er innerhalb weniger Tage mehrere Tausend US-Dollar.

Die MAGA-Anhängerschaft besteht aus dummen Menschen – richtig dummen Menschen. Und sie fallen darauf herein.
Sam

Die Beiträge generierten aufgrund des sogenannten „Rage Bait“, das sowohl Zustimmung als auch Widerspruch provoziert, Millionen Aufrufe. Neben Merchandise verkaufte der indische Student auch exklusive Inhalte über Fanvue. Dort zahlten Nutzerinnen und Nutzer für freizügige Bilder und direkten Kontakt mit „Emily Hart“.

„Die MAGA-Anhängerschaft besteht aus dummen Menschen – richtig dummen Menschen. Und sie fallen darauf herein“, sagte „Sam“ dem Magazin.

KI-generierte Inhalte wie diese tauchen immer häufiger in den sozialen Netzwerken auf. Erst kürzlich machten Fake-Videos von angeblichen Schnäppchen-Immobilien in der Eifel. Doch das verlassene „Märchenschloss in Monschau“ existiert genauso wenig wie die „Luxusvilla“ in Aachen.