Deutsche TechnikstraßeAuf den Spuren des Fortschritts
Lennestadt: Sauerland-Pyramiden
Der Galileo-Park entpuppt sich als Leckerbissen für technisch versierte Besucher jeden Alters. Er besteht aus insgesamt vier Pyramiden mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten – alle tragen Namen wie „Zeitmaschine“, „Labyrinth des Unerklärlichen“, „Science Pyramide“ oder „Show Pyramide“. Die größte der vier Pyramiden beheimatet gleich zwei Attraktionen: Zum einen können Besucher im unteren Teil die „Zeitmaschine“ betreten und Ausstellungen zu naturhistorischen Meilensteinen erleben. Oben ist das „Labyrinth des Unerklärlichen“ – ein Dialog zwischen Wissenschaft und alternativen Theorien, der Besucher motivieren soll, kritisch zu prüfen und eigene Schlüsse zu ziehen.Sauerland Pyramiden 4-7, 57368 Lennestadt/Meggen
Düsseldorf: Max-Planck-Institut & Stahlinstitut
Das Stahlinstitut VDEh hat es sich zur Aufgabe gemacht, Stahltechnologien und den Werkstoff Stahl weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck unterhält es seit 1905 eine Bibliothek, die das weltweite Wissen über Herstellung, Weiterverarbeitung und Verwendung von Stahl bündelt – in 50000 monografischen Werken und 70000 Zeitschriftenbänden.Sohnstraße 65, 40237 Düsseldorf
Das Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE) ist ein weiterer Baustein bei der Entwicklung von Stahl. Mit den Erkenntnissen aus der Forschung können die Wissenschaftler neue Hochleistungswerkstoffe kreieren. Einmal jährlich veranstaltet das MPIE einen Tag der offenen Tür. Studierende und Schüler können jederzeit eine Gruppenführung vereinbaren. Max-Planck-Straße 1, 40237 Düsseldorf
Bonn: Experimentierküche im Deutschen Museum
Mit der traditionsreichen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität und zahlreichen anderen Hochschulen fördert Bonn seinen Ruf als Heimstätte für Forschung und Bildung. Abgerundet wird das Bildungsangebot von vielen Museen, darunter das Deutsche Museum Bonn. Seine Ausstellungen konzentrieren sich auf die nachkriegsdeutsche Technik und Forschung. Gezeigt werden rund hundert Exponate, von denen einige sogar nobelpreisgekrönt sind. Auch jüngere Besucher profitieren vom Angebot des Deutschen Museums: Die Experimentierküche, ein gemeinsames Schülerlabor der Deutschen Telekom Stiftung und des Deutschen Museums Bonn, vermittelt wissenschaftliche Inhalten anhand alltäglicher Beispiele. Leitgedanke ist es, das Schulfach Chemie von abstrakten Formeln wegzuführen und in die Lebensrealität zu integrieren. Deutsches Museum Bonn, Ahrstraße 45, 53175 Bonn
Wuppertal: Schwebebahn
Als die Wuppertaler Schwebebahn im Jahre 1901 feierlich eröffnet wurde, sorgte sie für offene Münder und große Augen. Doch ihr Bau war eine Notwendigkeit: Die Wupperstädte hatten zum einen zu Zeiten der Vorindustrialisierung keine breiten Straßenzüge, zum anderen wurde hier schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Marke von 400000 Einwohnern gesprengt. Dank des Fortschrittsglaubens der Stadtväter wohnt ihr bis heute ein futuristischer Esprit inne – sie durchfliegt die Stadt in acht bis zehn Metern Höhe auf 13,2 Kilometern.
Recklinghausen: Umspannwerk
Wie so viele Bauten des Ruhrgebiets präsentiert sich auch das Umspannwerk Recklinghausen-Süd nüchtern und geradlinig. Über zwei Millionen Ziegel schichteten die Bauarbeiter aufeinander, um das Gebäude des „Baubureaus der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen“ fertigzustellen. Im Jahre 1928 ging das 110000-Volt-Schalthaus in Betrieb und versorgte die Haushalte über 55 Jahre mit Energie. Im Dezember 2000 fand schließlich das Museum Strom und Leben hier seine Heimat. Auf 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche befasst sich das Museum lokal bezogen mit der Geschichte der Elektrifizierung – seit ihrem Beginn in den 1880ern befeuerte flächendeckende Elektrifizierung deutscher Städte die Ausformung einer neuen Lebensart. Umspannwerk Recklinghausen, Uferstraße 2-4, 45663 Recklinghausen
Bochum: Eisenbahnmuseum
Mit historischen Triebwagen kann man an Sonn- und Feiertagen vom Bahnhof Dahlhausen zu einer außergewöhnlichen Museumsbesichtigung aufbrechen. Die Einstimmung ins Thema Eisenbahngeschichte und die Vorbereitung auf eines der größten Museen seiner Art in Deutschland könnte kaum besser sein. In dem ehemaligen Bahnbetriebswerk Bochum-Dahlhausen warten mehr als 120 Schienenfahrzeuge aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart auf die Besucher. Einige der alten Lokomotiven wären sogar noch fahrtüchtig. Bei ihrem Anblick wird dem Betrachter deutlich, dass Schienenverkehr zu seinen Anfängen nicht nur romantisch, sondern in erster Linie brachial war. Eisenbahnmuseum Bochum, Dr.-C.-Otto-Straße 191, 44879 Bochum
Waltrop: Schleusenpark
Das Schiffshebewerk Henrichenburg sollte nicht nur ein funktionaler Lift für Frachtschiffe und ein Meisterwerk der Technik werden, sondern darüber hinaus eine repräsentative Anlage: Schließlich kam Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich zur Einweihung am 11. August 1899. Hier ging es ums Prestige. Dieses Schiffshebewerk war das erste in Deutschland, das als Schwimmer-Hebewerk nach dem Auftriebsprinzip funktionierte und bis 1962 seinen Dienst tat. Heute ist es ein Freilichtmuseum. LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg, Am Hebewerk 2, 45731 Waltrop
Dortmund: Zeche Zollern
Wie schön kann eine Industrieanlage sein, dass man ihr den Titel „Schloss der Arbeit“ verleiht? Eine Allee mit hohen Bäumen führt auf ein Backsteintor zu, von dem aus der Blick zunächst in eine üppige Grünanlage fällt. Zwischen 1898 und 1904 ließ die Gelsenkirchener Bergwerks-AG diese Anlage als Musterzeche errichten. Sie war die größte im Revier und sollte mit ihrer aufwändigen Gestaltung im historischen Stil repräsentativ erscheinen. Im westlichen Teil der Halle ist heute der originale Maschinenbestand zu bestaunen; selbst der alte Stuhl eines Maschinisten steht noch – als würde der Betrieb jeden Moment weitergehen.Industriemuseum Zeche Zollern, Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Bielefeld: Historisches Museum
Der großen Bedeutung der Industrialisierung trägt das Historische Museum Rechnung. Mit einer umfassenden Ausstellung zur Stadtgeschichte in einigen Gebäuden der ehemaligen Ravensberger Spinnerei schlägt es eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die ständige Ausstellung umfasst einen Bereich zu Mittelalter und Früher Neuzeit und einen umfangreicheren Teil zur Geschichte des Industriezeitalters. Erzeugnisse der Industrie wie Nähmaschinen werden in Bezug zum Leben der Menschen von damals gesetzt.Historisches Museum Bielefeld, Ravensberger Park 2, 33607 Bielefeld
Oberhausen: St. Antony-Hütte
Patrick Lindner: „Deutsche Technikstraße – Die Welt der Technik erkunden“,
Grebennikov Verlag, 228 S., 14,90 Euro
Vor dem Eingang in das historische Fachwerkhaus ist zu lesen, dass man hier an der Wiege der Ruhrindustrie steht – ein gravierender Kontrast zur Vorstellung von rauchenden Schloten, Fördertürmen, Werksgebäuden und Zechenkolonien. Hier in Osterfeld begann 1758 die Verhüttung von Raseneisenerz, das man mit dem Spaten zu Tage fördern konnte. Aus den umliegenden Wäldern kam die Holzkohle für das Einschmelzen des Erzes. Mit etwas Vorstellungskraft kann man hier heute noch auf den Spuren der Arbeiter wandeln und erahnen, wie es sich anfühlte, im Hüttenwesen tätig zu sein.St.-Antony-Hütte, Antoniestrape 32-34, 46119 Oberhausen
