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Tag des offenen DenkmalsDas eigene Erbe erforschen

6 min

Dom Orgel Altenberg

Köln – Am 14. September ist in ganz Deutschland wieder Tag des offenen Denkmals – außer in Köln, wo der Marathon eine Verschiebung auf den 21. September nötig macht. Wir haben uns deswegen mit unseren Ausflugstipps auf Bauwerke aus der Region konzentriert – die Kölner Sehenswürdigkeiten werden in der nächsten Woche auf den Kölner Seiten dieser Zeitung vorgestellt. Auch unsere Online-Ausgabe ist aktiv und bietet eine Übersicht auf die schönsten Reiseziele. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Farbe!“, was aber eher eine ungefähre Marschrichtung angibt – ganz im Gegensatz zu unseren Empfehlungen, natürlich. Sämtliche Denkmäler und Informationen zu Anreisen und Veranstaltungen finden Sie auf www.tag-des-offenen-denkmals.de

Jacobihaus Düsseldorf

Einen schöneren Namen als Malkasten kann man sich als Künstlervereinigung kaum geben – und auch die Vereinssatzung von 1848 ist mehr als glücklich gewählt. Keinem anderen Zweck, heißt es dort, wolle man dienen, als die Interessen der Kunst und Künstler zu besprechen und sich gesellig zu unterhalten. Gerade die gesellige Unterhaltung führte dann wohl dazu, dass die angestammten Räume bald zu klein wurden und die Künstler in den Wohnsitz des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi zogen – mitsamt anliegendem Garten. Heute geht es im Jacobihaus nicht mehr ganz so hoch her wie in den besten Malkasten-Zeiten. Aber eine eigene Weinkellerei hat der Verein immer noch. So viele Traditionspflege muss schon sein.

Jacobistraße 6a, 40211 Düsseldorf, 11-15 Uhr, Führung Jacobihaus 11 und 14 Uhr, Jacobigarten 15 Uhr

Abtei Brauweiler

Als Sitz des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland muss die mittelalterliche Klosteranlage natürlich stets aussehen wie aus dem Ei gepellt. Und deswegen wird hier das diesjährige Motto des Tags des offenen Denkmals: „Farbe!“ anders als an anderen Orten auch gebührend erst genommen. Das Amt für Denkmalpflege verspricht ein buntes Programm mit Führungen durch Abtei und Kirche, Besichtigungen mittelalterlicher Fresken und Einblicken in die Restaurierungswerkstätten. So kann man hinter die Kulissen der Denkmalpflege schauen und an der rund 1000 Jahre alten Abtei zugleich deren Ergebnisse bestaunen. Mit ihren Parkanlagen und stimmungsvollen Höfen gehört diese zu den schönsten Baudenkmälern der Region.

Ehrenfriedstraße 19, 50259 Pulheim-Brauweiler, 11-17 Uhr, stündlich Führungen

St. Hubertus Mechernich

Schlimmer als die Bilderstürmer haben Hausbock, gescheckter Nagekäfer und Splintholzkäfer der wunderschönen Kapelle im Ortsteil Hostel zugesetzt. Auch die drei hölzernen Barockaltäre waren bedroht: Solche barocken Gegenstände sind in rheinischen Kirchen nur noch selten zu finden, weil sie im 19. Jahrhundert, der damaligen Mode folgend, meist durch neugotische ersetzt wurde. Zur Ausstattung der Kapelle gehört zudem eine sogenannte Kusstafel: Sie zeigt Jesu als Schmerzensmann und wurde unter den Gläubigen herumgereicht, damit der Friedenskuss nicht unmittelbar ausgetauscht werden musste. Nicht dass im katholischen Gottesdienst noch der Gedanke an Promiskuität aufkommt.

Kreuzgasse 1, 53894 Mechernich, 8.30-17 Uhr, Führungen nach Bedarf

Bundespressekonferenz Bonn

Anders als in den meisten anderen Ländern sind die Journalisten in Deutschland bei den Pressekonferenzen der Regierung Herren im eigenen Haus – dadurch sollen auch unliebsame Frager stets Gehör finden. Bis zum Umzug nach Berlin standen die Regierungsvertreter den Mitgliedern der Bundespressekonferenz in einem Glaskasten im Bonner Tulpenfeld Rede und Antwort – das sechsgeschossige Gebäude daneben beherbergte die politischen Berichterstatter. Keine schlechte Immobilie, wenn man bedenkt, dass die Vereinigung nach dem Krieg vor allem gegründet worden war, um Journalisten Wohnraum zu vermitteln. Markenzeichen der Bonner Bundespressekonferenz war eine meterhohe, mit Quadraten versehene Mahagoniwand.

Im Tulpenfeld 7, 53113 Bonn, 11-14 Uhr, Führungen 11 und 13 Uhr

Dom Altenberg

Auch wenn der Altenberger Dom kein Kathedralbau ist, hat er sich seinen Ehrentitel doch redlich verdient. Nach französischen Vorbildern zwischen 1259 und 1379 erbaut, steht die gotische Kirche auf einem flachen Feld (beinahe) im Nirgendwo. Die Landschaft ringsherum lädt zum Wandern ein, ohne dass aus den Pfaden gleich ein Kreuzweg wird, und für die Kleinen lohnt ein Abstecher in den nahe gelegenen Märchenwald. Seit 1857 wird der Dom auf Anordnung des preußischen Königs auch durch evangelische Christen genutzt, was gewissermaßen eine Form gelebter architektonischer Ökumene ist.

Eugen-Heinen-Platz, 51519 Odenthal-Altenberg, 7-19 Uhr, Führung 13 Uhr

Zitadelle Jülich

Mit Zitadellen verhält es sich wie mit Burgen – zum kaputtschießen sind sie eigentlich viel zu schön und werden deswegen heute allenfalls noch von Touristen belagert. Die staunen über die Kunstfertigkeit, die der aus Italien eingewanderte Baumeister Alessandro Pasqualini (1493-1559) in die Jülicher Festungsanlage steckte. Des Rätsels Lösung: Pasqualini durfte sich an einem selten verwirklichten Bauideal, dem Palazzo in fortezza, versuchen und einen schmucken Fürstensitz als uneinnehmbare Festung bauen. Aus diesem Grund verbirgt die Zitadelle das historische Schloss hinter drohenden Mauern. Als eines der schönsten Zeugnisse der italienischen Hochrenaissance in Deutschland wird die Zitadelle heute als Museum genutzt.

Schlossstraße, 52428 Jülich, 11-18 Uhr, stündlich Führungen

Villa Römer Leverkusen

Der Fabrikant Max Römer gehörte offenbar zu den Menschen, die mit ihrem Reichtum ungern hintern Berg halten – was uns heute freut, denn seine wuchtige Villa ist ein sprechendes Beispiel für das bürgerliche Geltungsbedürfnis der Gründerzeit. Der Geist des Kaiserreichs scheint auch durch die Innenräume des üppigen Wohnhauses zu spuken und „Mein Heim ist eine Burg“ zu säuseln. 1921 wollte die Stadt Opladen das Anwesen erwerben und in ein Krankenhaus umwandeln – doch wurde man sich nicht über den Kaufpreis einig. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die britische Militärregierung in der Villa untergebracht, 1975 fiel sie der Stadt Leverkusen in den Schoß. Seit 1996 ist das Gebäude ein Haus der Stadtgeschichte.

Haus-Vorster-Straße 6, 51379 Leverkusen, 9-21 Uhr, Führungen 11 und 16 Uhr

Johanneskirche Wuppertal

Shigeru Ban, der aktuelle Träger des renommierten Pritzker-Preises für Architektur, ist nicht zuletzt mit seinen Notunterkünften bekanntgeworden – am meisten wird dabei eine aus Pappröhren errichtete Kirche bestaunt. Rund 60 Jahre zuvor hatte der deutsche Architekt Otto Bartning (1883-1959) mit ganz ähnlichen Ideen aus der Not eine Tugend gemacht: Im Rahmen des lutheranischen Notkirchenprogramms erbaute er 1948/49 die Johanneskirche in Wuppertal-Elberfeld und verwendete dafür einfache, sich wiederholende Konstruktionselemente und ortstypische Werkstoffe. Seit 2012 läuft eine Initiative, Bartnings in ganz Deutschland entstandene Notkirchen auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes zu setzen.

Altenberger Straße 25, 42119 Wuppertal-Elberfeld, 11.30-16 Uhr, Führungen 11.30 Uhr und 15 Uhr

Medienhafen Düsseldorf

1831 war ein schlechtes Jahr für Köln und ein gutes für Düsseldorf: Das Stapelrecht wurde abgeschafft, wodurch die Rheinschifffahrt deutlich unkomplizierter wurde – und der Düsseldorfer Hafen einen ordentlichen Aufschwung erlebte. In den 1970er Jahren war es mit der Blüte des Verkehrswegs Rhein dann aber auch schon wieder vorbei – und die Medienindustrie hielt Einzug in das alte Areal. Neben spektakulären Neubauten wie Frank Gehrys „Neuer Zollhof“ können sich die historischen Gebäude aus der Hochindustrialisierungsphase Ende des 19. Jahrhunderts nach wie vor sehen lassen. Architektonisch ist das Erbe der Binnenschifffahrt für die Städte ein wahrer Segen – das hat freilich nicht nur Düsseldorf, sondern auch Köln erkannt.

Kaistraße 3, 40221 Düsseldorf, Führung 11 Uhr