c/o-pop-Festival in KölnKonzert-Tipps aus der Redaktion

Trümmer aus Hamburg
Copyright: Robin Hinsch Lizenz
Trümmer
Freitag, 22.8., Gebäude 9, 20 Uhr
Zuerst sah man Trümmer, das junge Trio aus Hamburg, im Video zu „Scheinwerfer und Lautsprecher“ von den Goldenen Zitronen. Dort traten sie als runderneuerte Wiedergänger der hanseatischen Punklegenden auf. Als Paul Pötsch, Tammo Kasper und Maximilian Fenski aus den jeweiligen Provinznestern nach Hamburg zogen, fanden sie freilich eine völlig andere Stadt vor, als die, in der Bands wie die Zitronen und bald darauf die Kolossale Jugend, Blumfeld und Die Sterne Schule gemacht hatten. Alte Kämpfe waren ausgefochten. Die Stadt hatte ihre Widerständigkeit verloren, jetzt wurden einstige Freizonen luxussaniert. Für Pötsch & Co. waren das jedoch, genau, Trümmer – und mit ihren kratzbürstigen, aber euphorisierenden Gitarrenhymnen beschwören sie das große Nicht-Einverstandensein aus den Ruinen des Wohlstands.
Vom 20. bis 24. August dauert das 11. c/o-pop-Festival: 100 Bands und Künstler aus aller Welt auf mehr als 50 Konzerten und Partys in etwa 30 Locations. Neu dabei sind der Wartesaal am Dom und das E-Werk, weitere Spielstätten sind die WDR-Sendesäle am Wallrafplatz, Gebäude 9, Gloria, Live Music Hall und Roxy, Festivalzentrale ist wieder der Stadtgarten. Die Tickets und neuen Ticketpakete kann man bis zum 20. August online kaufen. Die Preise für die Karten bewegen sich zwischen 10 und 40 Euro.
Einzige Ausnahme: Für das Agnes-Obel-Konzert in der Philharmonie sind Tickets nur bei Kölnticket erhältlich.
Wer die Nacht zum Tag machen möchte, kann im Anschluss an den Konzertbesuch auf einer der zahlreichen Partys weitertanzen. Noch mehr Infos rund ums Festival und die Künstlern gibt die c/o-pop-App 2014. (jhi)www. c-o-pop.dewww.koelnticket.de
Spot on Denmark
Freitag, 22.8., Stadtgarten, 20 Uhr
Das wäre eine traurige c/o pop, an deren Ende man nichts Neues gehört hätte. Wie toll Kelis und Elbow sind, wissen wir ja schon seit Jahrzehnten. Eine schöne – und kostenlose! – Gelegenheit, Neues zu erleben, ist der „Spot on Denmark“-Abend im Stadtgarten. Wer kennt schon Julias Moon? Kein Mann, sondern ein Trio aus Kopenhagen, das unverschämt eingängigen Elektro-Pop produziert. Oder Asbjørn, einen jungen Elektronik-Musiker aus Aarhus, ebenfalls mit dem Talent zur schwärmerischen Melodie ausgestattet, aber von melancholischerer Grundeinstellung. Das Duo Kill J wagt sich glatt in triphoppige Gefilde, aber ohne den Wellness-Faktor des etwas vergessenen Genres. Blaue Blume schließlich sind mit ihrem hochtönenden Gitarrenpop völlig aus der Zeit gefallen, klingen, als hätte Kevin Shields die Smiths produziert. Also: toll.
Mount Kimbie
Donnerstag, 21.8., Alter Wartesaal, 20 Uhr
Zuerst, gestand Kai Campos einem Musikmagazin, haben er und Dominic Maker nur versucht, die Dubstep-Klänge zu imitieren, mit denen man als Londoner Partygänger nun mal aufwächst. Doch das sei ihnen schlicht nicht gelungen. Stattdessen hauchte das Duo unter dem Namen Mount Kimbie den dröhnenden Bässen des Genres frischen Wind ein.
Auf ihrem Debüt „Crooks & Lovers“ aus dem Jahr 2010 reduzierten sie die übliche Track- auf Songlänge, erlaubten sich Momente quasi-akustischen Abdriftens, statt stur auf die Tanzfläche zu schielen – und becircten Musikkritiker derart, dass die sich gezwungen sahen, eine neue Schublade für Mount Kimbie und ihren zur gleichen Zeit reüssierenden Freund James Blake aufzumachen: Postdubstep.
Längst sind Mount Kimbie auch diesem neuen Klischee entflohen. Live füllen sie ihre elektronischen Schmuckstücke mit allerhand klassischem Instrumentarium an, man bekommt also erheblich mehr zu sehen als nur zwei Typen im Widerschein ihrer Laptops.
