Kolumne „Raus hier!“Von alten und neuen Helden

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Vergangenen Sonntag habe ich mir einen Regen-Notfall-Plan aufgestellt: 14 Uhr, Pixar-Ausstellung in Bonn. Ich bin auf der Suche nach meinem Helden: Carl Fredricksen – der Opa aus dem Film „Oben“. Der, der tausende von Luftballons an seinem Haus befestigt und damit wegfliegt. Einfach so. Um seiner verstorbenen Frau Ellie ihren letzten Wunsch zu erfüllen: ein Haus an den Paradiesfällen.
Bei Pixar geht das natürlich. Voller Hoffnung mache ich mich also auf die Suche nach ihm. Ich latsche die vielen kleinteilig bestückten Wände ab und scanne die Geschichte des Animationsstudios – bis ich ihn finde. Da steht er. Aus einer Vitrine schaut er mich an. Er lächelt.
Doch ich kann ihn weder anfassen noch spricht er mit mir. Er steht einfach nur da. Eine Figur, gegossen aus Urethanharz, farblos, unanimiert. Ein bisschen enttäuscht, lächle ich zurück. Irgendwie hatte ich mehr erwartet – mehr Leben, mehr Animation. Naja, vielleicht kommt ja noch was, denke ich und gehe weiter.
Bis es passiert: Ich stehe da und staune. Plötzlich denke ich nicht mehr über meine Erwartungen nach, über Helden oder Hoffnungen. Fasziniert stehe ich vor einem „Zoetrop“, einem raumgreifenden Gerät, das eine optische Täuschung erzeugt. Das mir reale Bewegungen verschiedener Figuren suggeriert, die eigentlich still stehen.
Die Dreijährige neben mir spricht aus, was ich denke: „So etwas will ich auch zu Hause haben“, sagt sie. Plötzlich habe ich sie gefunden – meine Heldin. Eine, die mir ganz kurz ganz nah ist. Auf dem Weg nach draußen finde ich dann meinen Freund Chris wieder. Er lehnt an einer Säule und lächelt. Während sich der Schneemann Knick Knack gegenüber mit Hilfe einer Ladung TNT aus seiner Schneekugel zu befreien versucht. Mir scheint, als hätte auch Chris seinen Helden gefunden.
