"Männer machen Mode"Kölner Jungdesigner sind anders

Fließende Konturen bei Chang 13°.
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Köln – Ihre Leidenschaft gehört der Mode, sie sind jung, unangepasst, kreativ. Die drei Herren leben und arbeiten in Köln, ziehen Männer wie Frauen an und sie machen es verdammt gut: Der Südkoreaner und Designer Chang Zun Gabriel Pierre Chanel Chung, der unter dem Künstlernamen Chang 13° an der Maastrichter Straße firmiert; der Taiwanese Hon-Tai Shiau, der nicht selber designt, aber ausgefallenes Design kauft und verkauft, und dessen Geschäft am Brüsseler Platz "Bob 10.5.10" heißt. Und Mikael Toekgoezoglue, in Köln besser bekannt unter Mika und noch besser bekannt unter den Designer-Labeln "Senso unico" und "Wondrous". Alle drei zeigen am Freitag, 5. Oktober, um 19 Uhr im "studio dumont" unter dem Titel "Männer machen Mode" ihre Kreationen für Männer und auch für Frauen (siehe Kasten unten).
"Man hat 50% weniger Stress, wenn man sich gut anzieht"
Chang 13°, erfolgreicher Designer und seit 1998 in Köln, wäre gerne Popstar geworden. Dann durchkreuzte die Leidenschaft für Mode seine Pläne. Kein Wunder. Chang, in Daegu geboren, der Textilmetropole Südkoreas, hat in London und Paris gelernt. Er bewundert noch heute den Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier, der "Grenzen überschreitet und sich trotzdem treubleibt, weil er mit Kulturen und Techniken spielt". Genau das macht auch Chang 13° - die Zahl steht für die Uhrzeit, zu der er den Laden öffnet -, der Männer und Frauen gleichermaßen modisch liebt und gern anzieht. Der Körper der Frauen mit Busen, Taille, Hüfte ist für ihn ein Design-Fest, für das er Braut- und Couture-Mode entwirft. Männermode ist, so sagt er, "manchmal die größere Herausforderung, weil man die Gratwanderung zwischen nüchtern und kreativ beherrschen muss". Chang 13° ist überzeugt: "Man hat 50 Prozent weniger Stress, wenn man sich gut anzieht." Umso mehr bedauert er, wenn er gelegentlich beobachtet, dass sich sowohl Männer als auch Frauen von einem schönen und wohlüberlegten Outfit-Auftritt im Alltag aus manchmal unerfindlichen Gründen verabschieden. "Familie", sagt Chang 13°, "ist doch noch lange kein Grund, sich nicht mehr modisch anzuziehen. Auch nicht das Alter." Figurprobleme schon gar nicht. Bei ihm bestimmen Schnitt und fließender Stoff die Silhouette der Frauen, bei Männern zaubert er mit speziellen Taschenformen auf den Hosen einen knackigen Po, egal wie dieser in natura auch aussehen mag.
Shiau kennt die Designer, deren Mode er vertreibt, persönlich
Der gebürtige Taiwanese Hon-Tai Shiau sieht es ähnlich. Er ist Design-Finder und verkauft Schönes und Extravagantes an seine coole und selbstbewusste männliche und weibliche Kundschaft. Der Name seines Geschäftes erinnert an die Fütterungszeiten seines Hundes: 10 Uhr morgens, 5 Uhr nachmittags, 10 Uhr abends. Der Namensgeber hat das Zeitliche gesegnet, aber Nachfolger Kenny muss ja auch fressen, und wer bei Shiau kauft, der bekommt eine Visitenkarte vom Hund extra.
Shiau kennt die Designer, deren Mode er vertreibt, alle persönlich; wenn er Rückmeldungen seiner Kunden an diese gibt, versuchen sie, das umzusetzen. Sein Geschäft ist bestückt mit den Dingen, "die ich selber kaufen würde". Seit 2008 arbeitet Shiau, diplomierter Betriebswirt und Grafik-Designer, in Köln. Wenn er es ermöglichen kann, zieht er sich viermal am Tag um. "Die Mode und die Zeit, in der wir leben, lässt das zu", sagt er. Und er sagt auch, dass er nicht scharf trennt, wenn es um Männer- und Frauenmode geht. Die, die zu ihm kommen, entscheiden nach dem Lustprinzip: Es gefällt mir, es steht mir, ich nehme es mit. Egal, ob es ein Männerpullover ist, den sich die coole Kundin auswählt, oder ein Kimono für Frauen, der dem extravaganten Mann ins Auge sticht. "Mode", so Shiau, "hat etwas mit Respekt zu tun - vor sich selbst und vor den anderen, denen man gegenübertritt."
"Unsere Vorbilder sind wir selbst"
Das kann das Label Mika unterstreichen. Mehr noch, die Designer und Filmemacher um Mikael Toekgoezoglue mit ihrer Kernmarke "Senso unico" und den Labeln "Wondrous" und "Heimatlos" sind Puristen durch und durch; sie haben der Oberflächlichkeit und der Wegwerfgesellschaft den Kampf angesagt. Es graut sie, wenn sie die Menschen im Einheitslook durch die Straßen gehen sehen; aber ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren Stoffen sprechen.
Es sind Baumwollen, Mohair, Kaschmir, Seide und Gewebtes aus den 1920er, 70er und 80er Jahren. Label Mika trägt es aus allen Regionen der Welt zusammen. Diese wertvollen Materialien sind die Grundlage des Designs - handgenäht wohlgemerkt, zumindest die Edelteile. Label Mika kämpft gegen den Massengeschmack. Mika Toekgoezoglue und Partner haben das Design- und Mode-Handwerk von der Pike auf gelernt und waren in Turin und Paris. Kreiert und genäht wird alles in Köln - auch das, was in Istanbul vertrieben wird. Mit seiner Mode, so sagt Mika, "müssen sich der Körper und die Seele anfreunden - oder man lässt es".
Es kommt noch etwas hinzu: Man muss es sich auch leisten können. Die Preise schwanken von 79 Euro für ein T-Shirt bis hin zu unbegrenzt für die handgenähte Männerhose oder den Mantel. Unikate natürlich. Die Entwürfe und Kleidungsstücke für Männer und Frauen "sind speziell, denn so sind wir und so sind auch unsere Kunden". Man kann es auch Underground nennen. Die Designer folgen keinem Trend, nur sich selbst: "Wir haben keine Mode-Vorbilder. Unser Vorbild, das sind wir selbst."
