Pop-Art-SammlungWerke voller Motivgewalt und Farbkraft

Thomas Baumgärtels Bananen-Bundesadler
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Popkultur – man kann diesen Begriff beinahe nicht mehr hören. Denn inzwischen ist nahezu alles Pop, was irgendwie bunt und bildlich prägnant daherkommt und visuell oder akustisch den Hauch spaßiger oder ironischer Leichtigkeit vermittelt. Von einer Ausstellung, die sich „Bubble Up“ nennt und bei der die Ästhetik der Pop-Art im bildlichen Zentrum steht, wird man also vor allem Bekanntes erwarten. Doch wie bei allen guten Ausstellungen wird man überrascht, denn die über ein Dutzend beteiligten Künstler entfachen in der Galerie 30works ein äußerst vielfältiges Farb- und Motivfeuerwerk.
Mit Andy Warhols legendärer Suppendose über Marilyn Monroe, Brigitte Bardot und Steve McQueen werden vom Künstler Jörg Döring zunächst viele Motive aus der Zeit zitiert, als Pop noch für kulturellen Aufbruch und ein neues Lebensgefühl stand und die (westliche) Welt ordentlich in Bewegung brachte. Ähnlich poppig nostalgisch wirken der Kopf eines Hippiemädchens, das Schemenbild einer Japanerin mit Tattoos und die roten Silhouetten von Mao und Lenin. Von diesen historischen Bezügen ausgehend landet man über andere Werke unweigerlich bei grundlegenden existenziellen Themen und in der aktuellen kulturellen und politischen Gegenwart.
Auf der Suche nach dem verlorenen Gefühl
Ein kleiner Junge erscheint auf Bildern des Künstlers L.E.T als Straßenkämpfer mit Kapuzenpulli und Heiligenschein im Ausdruck verträumter Verletzlichkeit. Der Bundesadler zeigt sich als lächerliches gelbes Monstrum mit Bananenflügeln; ein Werk von Bananensprayer Thomas Baumgärtel. Angelika Spornberger lässt auf der Suche nach dem verlorenen Gefühl für Ideale und Utopien märchenhafte Frösche mit Flügeln durch den Raum hüpfen. Und eine aus maschinellen und menschlichen Einzelteilen zusammengesetzte fliegende Revolutionärin des Künstlerduos Various&Gould fragt mit offen liegendem Herzen, wo die kreative Sprengkraft von Dadaismus, Surrealismus und Pop-Art geblieben ist.
Wie sehr eine zuspitzende Motivgewalt und Farbkraft grundsätzlich unsere Wahrnehmung herausfordert, bringen besonders die Künstler zum Ausdruck, die den äußersten Rand der Pop-Art markieren. So Anja Middelberg mit ihren grell leuchtenden Landschaften im Stile eines poppigen Impressionismus. Und Walter Wolf mit seiner am Expressionismus orientierten Figürlichkeit, in der die unbeholfene Lust und die Verwundbarkeit des Menschen mit energischer Farbwucht vor Augen treten. Auffallend viele Künstler der Ausstellung sind Kölner. Das mag am Einfluss der großartigen Pop-Art-Sammlung im Museum Ludwig liegen. Oder ganz einfach am in Kunst verwandelten kölnischen Lebensgefühls.
Galerie 30works, Antwerpener Straße 42, Di.–Fr. 15–19 Uhr, Sa. 11–17 Uhr, bis 25. 8.
