Restaurant-TippEssen in der alten Reichspost

Die Gäste empfängt ein festliches Ambiente.
Copyright: Privat/KStA.de Lizenz
Sürth – Ein schwarz-güldenes Posthorn und der Schriftzug „Alte Reichspost“ prangen auf der knallgelben, stuckverzierten Fassade. Passanten könnten vermuten, dass hier eine schlichte Dorfgaststätte ihr Quartier hat. Doch ein Blick ins Innere erstaunt: Kristalllüster, weiße Holzstühle mit hellblauer Polsterung im Ludwig XIV.- Stil, Ölgemälde in goldenen Rahmen, festlich eingedeckte Tische mit silbernen Kerzenleuchtern bilden ein festliches Ambiente. Sogar die Theke ist eingehüllt in weiße Seide. Ein festliches Ambiente, etwas was man an der Ecke Kölnstraße/Sürther Hauptstraße nicht unbedingt erwartet.
Andreas Lengeling und Stefan Bialy sind die Restaurantinhaber und zugleich Koch und Kellner. Vor sechs Jahren haben die beiden das alte Brauhaus übernommen und es komplett umgestaltet. „Hier war alles rustikal, braune Holztheke, dunkle Steine, schwere Gardinen. Mir war sofort klar, daraus kann man etwas machen. Hell, freundlich und gemütlich sollte es werden, wie im Wohnzimmer“, sagt Stefan Bialy, der gelernter Architekt ist. Ihm schwebte ein Wohnzimmerkonzept vor, in dem die Gäste nicht nur reinkommen, bestellen, essen und sofort die Rechnung begleichen, sondern sich wohlfühlen, relaxen können und sich einfach Zeit zum Genießen nehmen.
Individuelle Bedienung
„Wir versuchen, unsere Kunden individuell zu bedienen“, sagt Küchenmeister Andreas Lengeling.“ „Bei uns gibt es keinen Stau an der Tür.“ Die Tageskarte ist überschaubar und wechselt fast täglich. Ein Drei-Gänge-Menü kostet 32 Euro „Mein Essen wird ohne viel Drumherum serviert; den Gänsebraten gibt es nicht mit Himbeer- oder Lebkuchengeschmack, sondern traditionell mit Zwiebeln, Rotkohl, Apfel und Beifuß“, sagt Lengeling. Für ihn ist es unverständlich und unpassend, wenn die klassische Roulade auf eckigen Tellern serviert wird. Das sei modischer Schnickschnack, den ein Gourmet nicht wirklich brauche.
So wird bei ihm auf runden Tellern der Eifler Rehrücken mit frischen Pfifferlingen für 28 Euro serviert oder geschmorte Iberico Schweinebäckchen für 19,80 Euro. Als Dessert gibt es den Klassiker Crème brûlée für 6,90 Euro oder ein Heidelbeersorbet mit Sekt aufgefüllt für denselben Preis.
Was man in der „Alten Reichspost“ auf der Speisekarte vergeblich sucht, sind Pommes, Schnitzel, Coca Cola und Kölsch vom Fass. Dafür aber gibt es stets selbstgebackenes Brot, 30 verschiedene Weinsorten und für Biertrinker natürlich Kölsch, allerdings aus der Flasche. Andreas Lengeling ist gelernter Koch und hat unter anderem im Sheraton in Frankfurt und bei Käfer in Düsseldorf gearbeitet.
Er allein kreiert die Tageskarte und kauft täglich frisch ein. „Die Gerichte sind stets saisonal, den Spargel gibt es eben nur eben zur Spargelzeit, Wild und Gans in der Winterzeit“, sagt der Küchenchef und zupft an seiner hellgrünen Kochjacke, die farblich genauestens mit dem Anstrich der Restaurantwände übereinstimmt. Für diese Stimmigkeit ist alleine Stefan Bialy verantwortlich, er ist der Schöngeist in der „Alten Reichspost“. Ähnlich wie die saisonalen Gerichte wechselt auch die Dekoration.
Viele Stammgäste
„Ich liebe es, den Raum stets zu verwandeln. Im Frühling schmücke ich alles mit frischen grünen Zweigen, Ostern stehen hier bis zu 20 echte Straußeneier, im Sommer greife ich in meine Muschelsammlung und im Herbst hängt hier alles voller Vogelkäfige.“ Jetzt ist das „Wohnzimmer“ weihnachtlich dekoriert, Lichtergirlanden und unzählige weiße Glitzersterne sorgen für ein besonderes Ambiente. „Wir rüsten noch auf“, sagt der Architekt und Restaurantinhaber Bialy. „Es kommen mindestens 20 kleine Weihnachtsbäume und Miniaturhirsche mit echten Fell dazu.“ Auch die Hintergrundmusik ist bewusst ausgewählt.
Die beiden Geschäftsführer sind diskret, über ihre vielen Stammgäste hüllen sie sich in Schweigen. „Wer zu uns kommt, der braucht keinen Laufsteg. Die meisten haben in ihrem Leben schon alles erreicht, den Porsche oder das Bentley Cabrio vor der Tür, mehrere Weltreisen und berufliche Erfolge. Sehen und gesehen werden ist hier nicht angesagt. Die, die kommen, kommen ganz privat in unser kleines Wohnzimmer.“ Wer kein Stammgast ist und sich trotzdem nach Sürth verirrt, für den gebe es aber natürlich ebenso einen Platz im Lokal.
