FreizeitTretroller für Sportler

Für Hundebesitzer gibt's das Kickbike mit Leinenhaltung.
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Wenn Hannu Vierikko auf seinem Kickbike durch Helsinki fährt, sieht das ein wenig aus wie Ballett: Er hebt ein Bein, stößt sich ab, dann streckt er das Bein lang nach hinten, während er den Oberkörper nach vorne beugt. Das tut er immer wieder in fließenden Bewegungen – und erreicht so mit dem Tretroller bis zu 40 Kilometer pro Stunde auf gerader Strecke.
Der 49-jährige Finne hat das Kickbike 1992 erfunden. Zunächst nur für sich selbst, weil ihm das Tretroller-Fahren zwar gefiel, er aber schneller unterwegs sein wollte. Er baute deshalb seinen eigenen Roller mit größeren Rädern, das Vorderrad so groß wie bei einem normalen Fahrrad. „Wenn ich damit gefahren bin, haben mich oft Leute angehalten und gefragt, wo sie so ein Rad kaufen können“, erzählt Vierikko. Er ist klein, muskulös, braun gebrannt und scheint immer zu lachen. 1994 gründete er die Firma Kickbike und fing an, das Produkt zu verkaufen. Rund 50000 Räder weltweit hat er bereits verkauft. Dabei legt er Wert darauf, dass möglichst viele Teile des Rades aus Finnland stammen und auch dort verarbeitet werden. „Das Rad ist so finnisch wie ein Produkt es nur sein kann“, sagt er. Auch in Deutschland wird das Rad mittlerweile unter dem Namen „Finnscout“ vertrieben. Hier hat es auch schon Nachahmer gefunden.
Das Kickbike ist einem Fahrrad optisch ähnlicher als einem Tretroller. Einen Sattel aber gibt es genauso wenig wie Pedalen oder eine Fahrradkette. Vorderbremsen allerdings hat das Kickbike – angesichts der Geschwindigkeit, die es erreichen kann, sind diese unerlässlich. Wer Kickbike fährt, läuft eigentlich – mit dem Gefühl, Fahrrad zu fahren. Kickbikes sind eine Weiterentwicklung der Kickboards, die vor einigen Jahren in Deutschland Erfolge feierten. Weil sie leicht und handlich waren und sich schnell durch den dichten Stadtverkehr lenken ließen, wurden sie für viele Menschen zur Alternative zu Auto und Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Weil das Kickbike vor allem wegen des großen Vorderrads mit bis zu 28 Zoll sehr schnell werden kann – vorausgesetzt natürlich die Beine als Motor sind kräftig genug – ist es vor allem bei Sportlern beliebt. Es gibt bereits Rennen und Wettbewerbe, bei denen sogar Hindernisse übersprungen werden müssen
Gelernt ist das Kickbikefahren schnell – lange ausholende Schritte auf geraden Strecken, kurze, schnelle Schritte bergauf. In Kurven muss man sich, ähnlich wie beim Skateboardfahren, ein wenig in die Kurve legen, beim Bremsen das Gewicht nach hinten verlagern, um nicht vornüber zu kippen. „Kickbike fahren ist ungefährlicher als Fahrradfahren“, versichert Hannu Vierikko. Ohne Schutzhelm sollte man dennoch nicht unterwegs sein.
Natürlicher Bewegungsablauf
„Kickbiken ist eine neue Trendsportart“, sagt Wolfgang Seibel, Inhaber des Tretrollershops „Südpfalz Adventures“ und mehrfacher deutscher Kickbike-Meister, der die finnischen Kickbikes in Deutschland verkauft, rund 1000 pro Jahr. Mittlerweile stellt er auch selbst Treträder her. „Es ist das Einfache und Unbeschwerte der Bewegung, das mir gefällt“, erzählt er. „Es ist näher am Laufen als am Radfahren und damit viel ursprünglicher an unserer natürlichen Bewegung. Außerdem ist das Kickbike handlich und benötigt keine komplizierte Technik.“ Besonders Hundebesitzer seien von den Rädern begeistert. „Die haben das Kickbike als optimales Begleitgerät für Hunde und als Hundeschlittenersatz entdeckt.“ Deshalb gibt es das Kickbike mittlerweile auch in einer speziellen Ausführung für Hundebesitzer. Es hat zum Beispiel eine Vorrichtung, an der die Leine befestigt werden kann.
Einen Hund, der sie zieht, werden die Sportler um Hannu Vierikko nicht haben, wenn sie mit ihren Rollern einen Tag vor Beginn der Tour de France am 29. Juni auf die Strecke der Rennradfahrer gehen. Sie werden versuchen, so viele wie möglich der 3479 Kilometer über Hügel und Berge zu bewältigen. Die Tretroller unserer Kindheit sind erwachsen geworden.
