Der Hype um Reformer-Pilates ist groß. Doch ist das Training am Gerät wirklich besser als auf der Matte? Eine Fachfrau klärt auf.
Die wahre KönigsdisziplinExpertin: Darum ist das Training auf der Matte effektiver

Pilates erlebt derzeit ein echtes Comeback – besonders das Training auf dem Reformer begeistert viele Fitnessfans.
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Der aktuelle Fitness-Trend heißt Reformer-Pilates. Aber ist das Üben am Gerät tatsächlich vorteilhafter als auf der Matte? Eine Fachkundige gibt Auskunft.
Ein Training für den gesamten Körper, charakterisiert durch kontrollierte und fließende Bewegungsabläufe – das ist Pilates, eine Methode, die Joseph Pilates vor etwa 100 Jahren konzipierte. Gegenwärtig erfährt diese Trainingsform eine große Popularität, vor allem in der Ausführung am Reformer. Hierbei erfolgen die Übungseinheiten auf einem Apparat, dessen Erscheinungsbild mit einer mobilen Liege, Federmechanismen und Seilzügen einem Schlitten ähnelt. Viele Influencer zeigen ihre Workouts online und verstärken damit die aktuelle Entwicklung. Natalia Cichos-Terrero, eine Fachfrau für Pilates, erläutert die Hintergründe dieser Popularität und weshalb die Übungen auf der Matte für sie weiterhin als höchste Stufe gelten.
Laut Cichos-Terrero gibt es für die gegenwärtige Entwicklung diverse Ursachen. „Wenn man den Reformer als Gerät sieht, wirkt er schon spektakulär und luxuriös. Daran zu trainieren, das kommt vielen hochwertig vor“, äußert sich die Fachfrau. Darüber hinaus hat sich im Fitnessbereich die Tendenz etabliert, dass zahlreiche Frauen eine Körperformung anstreben, sich jedoch nicht in einem traditionellen Studio mit massiven Geräten und Hanteln wiederfinden. In diesem Kontext erweckt der Reformer den Anschein, eine schonendere Option darzustellen.
Einfluss von Prominenz und Social Media als Trendbeschleuniger
Die Wirkung von bekannten Persönlichkeiten und sozialen Netzwerken stellt einen weiteren maßgeblichen Aspekt dar. Ihren Anfang nahm die Bewegung in Großstädten wie Los Angeles sowie New York und erfuhr durch das Internet eine erhebliche Beschleunigung. „Je mehr Prominente und Influencerinnen sich auf dem Reformer präsentiert haben, desto mehr hatte man das Bild: Das ist das Training der schönen, fitten, erfolgreichen Frauen“, führt Cichos-Terrero aus. Für sie hat diese Entwicklung zwei Aspekte: Zum einen sei es positiv, dass zahlreiche Personen durch den Reformer den Weg zu Pilates finden. Zum anderen führe dies oft zu einer Reduzierung der Trainingsform auf einen trainierten Bauch und ein ansprechendes Ambiente, obgleich die Methode weitaus umfassender ist und der Reformer lediglich ein Gerät unter vielen repräsentiert.
Warum das Mattentraining die höchste Disziplin darstellt
Die Fachfrau gibt eine eindeutige Antwort auf die Frage nach der höheren Effektivität des Reformer-Trainings im Vergleich zur Matte: „Nein. Das Training auf der Matte ist und bleibt die Königsdisziplin.“ Die Begründung liegt darin, dass man dabei gänzlich ohne die Hilfe und Anleitung eines Apparates nur mit dem eigenen Körpergewicht agiert. „Der Körper muss also seine Kontrolle, Stabilität und Ausrichtung selbst finden - das ist durchaus anspruchsvoll.“ Obwohl die Übungen auf der Matte einfacher und unspektakulärer wirken, sind sie keineswegs weniger wirksam. Trotzdem stellen Pilates-Apparate eine sinnvolle Ergänzung dar, weil sie den Trainierenden dabei unterstützen, Bewegungsabläufe besser nachzuvollziehen und bestimmte Muskelpartien gezielt zu aktivieren. Optimalerweise komplettieren sich die beiden Trainingsvarianten gegenseitig.
Kriterien für die Auswahl des passenden Studios
Personen, die Reformer-Pilates testen wollen, wird empfohlen, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Nicht jede Trainingseinheit, die an diesem Apparat abgehalten wird, entspricht tatsächlich der Pilates-Lehre. Häufig sind es reine Fitness-Einheiten, deren Fokus auf der Kalorienverbrennung liegt und nicht auf der exakten Umsetzung der Pilates-Prinzipien. Es empfiehlt sich, im Vorfeld Informationen zur Qualifikation des Lehrpersonals einzuholen. Eine kurze Schulung ist unzureichend, um auf die individuellen Bedürfnisse der Kursteilnehmer eingehen zu können, speziell bei Vorerkrankungen wie einer Skoliose oder nach einem Bandscheibenvorfall.
Ein qualitativ hochwertiges Studio zeichnet sich außerdem durch überschaubare Gruppengrößen aus sowie durch Trainer, die sich zwischen den Teilnehmenden bewegen, deren Bewegungsabläufe kontrollieren und bei Bedarf korrigierend eingreifen, anstatt lediglich alle Übungen vorzumachen. Ein kompetenter Trainer erkundigt sich darüber hinaus stets nach aktuellen Beschwerden oder früheren Verletzungen. Der generelle Ratschlag von Cichos-Terrero ist, sich nicht von der äußeren Erscheinung täuschen zu lassen: „Eine gute Stunde erkennt man nicht daran, dass sie spektakulär aussieht, sondern daran, dass man sich sicher angeleitet fühlt.“ Angestrebt wird ein Körper, der im täglichen Leben mehr Bewegungsfreiheit, Stabilität und Kraft besitzt, und nicht die ideale Haltung für eine Fotografie. (dpa/red)
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