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„Ab nach Erdmanns“Klassiker mit Aha-Effekt

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Innenstadt – Blutwurst, Kartoffelpüree, dazu Apfelkompott – Himmel un Ääd ist deftige Hausmannskost und geschmacklich nicht unbedingt jedermanns Sache. Ein Ort, an dem man der kölschen Spezialität mit dem zweifelhaften Ruf aber unbedingt eine Chance – gern auch eine zweite – geben sollte, ist das Restaurant „Ab nach Erdmanns“. Das Ecklokal im Herzen des Severinsviertels hat es sich auf die Fahnen und in die Menükarten geschrieben, ein wenig Pepp in die vertraute regionale Küche zu bringen.

Aus dem eingangs genannten Klassiker wird so ein raffinierter Gruß aus der Küche, bei dem man die Flönz zwischen gebratenem Apfelring und geschmorten Zwiebeln gut und gerne mit einem Filetstück verwechseln könnte.

Inhaberin Julia Bößmann (35), die eigentlich gelernte Fremdsprachenkorrespondentin ist und das Lokal seit dem vergangenen Sommer betreibt, hat klare Standpunkte: „Wir nutzen ausschließlich deutsche Produkte. Wir haben einen Bauern aus Erftstadt, der uns zum Beispiel mit Äpfeln, Eiern und Kartoffeln beliefert. Ananas gibt’s bei uns nicht und Erdbeeren nur in der Saison.“

Das Restaurant, An der Eiche 5, hat täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet. Der Tag beginnt im „Ab nach Erdmanns“ mit dem Frühstück in vielen Varianten. Von 11.30 bis 15 Uhr gibt es den wöchentlich wechselnden Mittagstisch. Aus dem Fass fließt Früh Kölsch (0,2 Liter: 1,40 Euro), zahlreiche Weine gibt es im Glas und in der Flasche.

Reservierungen sind unter der Rufnummer 16877605 oder auch per E-Mail möglich. (mbo)

mahlzeit@erdmanns-koeln.de

www.erdmanns-koeln.de

Gleiches gibt für die Getränke. Die ausgesuchten Weine, die bei viel Kerzenschein auf den urigen Tischen aus dunklem Holz landen, stammen zu einem großen Teil direkt aus den umliegenden Anbaugebieten. „Wir wollen zeigen, dass deutsche Küche mehr als Brauhaus und deftig sei kann“, sagt Bößmann. Ihre wichtigste Stütze hierbei ist ihr Küchenchef Oliver Strobel, der sein Handwerk bei Sternekoch Luis Dias gelernt hat. Dessen gute Schule beschränkt sich dabei nicht nur auf die Zubereitung, auch die raffinierte Art wie die Speisen die Wartenden erreichen, möchte Akzente setzen.

So verbirgt sich etwa hinter dem auf den ersten Blick unscheinbar klingenden Gericht „Lachsfilet auf Blattspinat“ ein kleines Gewitter für die Geschmacksknospen. Urheber des Aha-Effekts: der zum Gang gereichte Weißweinschaum. Ist am Ende noch etwas Platz im Magen, empfiehlt sich das Spekulatius-Lebkuchen-Parfait im selbst gezogenen Baumkuchenmantel, ein angefrorenes Dessert zwischen Kuchen und Eis.

Namenspatrone überall

Die kleinen südafrikanischen Namenspatronen des Erdmanns finden sich in fast jeder Ecke des Lokals. Ein Empfangskomitee grüßt auf dem Tresen, an der Wand ein sepiafarbenes Bild des fiktiven Gründers Wilhelm Erdmann, witzige Fotomontagen und Plüschfiguren. „Wir wollten ein Tier im Namen haben, und der Zusatz »ab nach« hat etwas Familiäres“, erklärt Bößmann den Kult um die kleinen Nager. Ein weiterer Blickfang ist ein Bäumchen, das je nach Saison die Dekoration wechselt.

Auch auf der Karte ist die Inhaberin um Variationen bemüht. „Im Januar ist der Kohl König“ steht gut lesbar auf der schwarzen Schiefertafel des Erdmanns. Jeder Monat hat sein eigenes Motto. Es gibt ein wechselndes Mittagstischangebot ab 6,50 Euro und immer sonntags „Oma Erdmanns Frühstückstafel“ beziehungsweise zu etwas späterer Stunde den „Sonntagsbraten“ mit traditionell zubereiteten Fleischgerichten wie Tafelspitz, Rouladen oder Kassler.