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Ausgehen in KölnAls letzten Gang gern ein Tänzchen

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Das Restaurant Causas in Ehrenfeld

Ehrenfeld – Lateinamerikanische Rhythmen laden zu einem Tanz auf dem Holzboden ein. Doch was in dem schmucken Eckrestaurant Causas Peru am Alpener Platz auf den Tischen steht, bringt die Besucher dazu, artig sitzen zu bleiben. Es gibt zum Beispiel „Frejoles con Seco de Res“, ein zartes würziges Rinderragout mit cremigen weißen Bohnen und Reis und einer Prise frischem Koriander und „Ají de Gallina“, feinste Hähnchenstreifen mit cremiger Chilisauce, Nüssen und Parmesan.

Im Causas könnten probierfreudige Leckermäuler mit der peruanischen Küche Bekanntschaft machen – was besonders kundige Menschen schon wissen, wenn sie das Lokal betreten. Denn Causas – der Name des Restaurants, der auch über der Eingangstür prangt – ist der Plural des peruanischen Nationalgerichts. Eine Causa ist eine Art Lasagne, auf der Basis von Kartoffelpüree, die kalt gegessen wird. Ebenso wie das Gericht Ceviche – rohe Fischstückchen, die mit Limettensaft mariniert und mit roten Zwiebeln und einem scharfem Paprikagemüse vermischt wurden. Beides steht auf der Karte und mag für manchen gewöhnungsbedürftig klingen – ist es aber nicht. Was im Restaurant Causas auf die Teller kommt, schmeckt gar nicht fremd, sondern fein, aromatisch, pikant, würzig.

Fotos von einsamen Andendörfern

Bunte Ganzkopfstrickmasken an den Wänden grinsen die Speisenden an. Was aussieht wie ein Luxusmodestück des Label Missoni für Bankräuber, tragen Tänzer in Peru bei traditionellen Festen. Darunter hängen schöne Schwarz-Weiß-Fotos von einsamen Andendörfern. Die Gerichte, die in dem dezent folkloristisch dekorierten Restaurant in den Töpfen brodeln, kommen allerdings aus einer Metropole, dem acht Millionen Einwohner großen Meltingpot Lima – so wie der Restaurantinhaber Alberto Lora Lanata.

„Die peruanische Küche ist so vielfältig, weil sich in ihr ungeheuer viele Einflüsse aus anderen Kulturen wiederfinden“, erzählt der 31-Jährige. Sie basiert auf der Küche der Inkas, doch auch die spanischen Kolonialherren hinterließen ihre Rezepte. Die afrikanischen Sklaven, die sie im Schlepptau hatten, und die chinesischen Arbeiter, die Schienen im Land verlegten, vererbten den Peruanern ebenfalls Stückchen ihrer Kochkultur. Im 19. Jahrhundert steuerten japanische, französische und englische Einwanderer ihre Kochkünste bei. Zudem ist Peru in gewisser Hinsicht ein reiches Land: „Wir haben 3000 verschiedene Kartoffelsorten, 2000 verschiedene Sorten Mais und 1000 verschiedenen Sorten Chili. Es ist manchmal schwierig für mich hier in Deutschland, eine passende Kartoffelsorte zu finden, wenn ich eine ganz bestimmte brauche“, sagt Alberto Lora Lanata. Wenn er über die peruanische Küche, ihre Geschichte und ihre Vorzüge berichtet, kommt er in Fahrt. Lora ist als Missionar unterwegs. „Ich bin nach Deutschland zurückgekommen, weil ich schon immer gerne einmal hier peruanisch kochen wollte“, sagt er. Als Lora 20 Jahre alt war, zog es ihn von Peru ins Ausland, eigentlich zum Studium, eigentlich nach Italien. „Eine Bekannte sagte mir, dass Deutschland besser sei von den Bedingungen und der wirtschaftlichen Lage her.“

Lora folgte dem Rat, flog nach Deutschland und fand Jobs in der Gastronomie. Statt zu studieren, absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Aldi. Er kehrte für zwei Jahre nach Lima zurück, arbeitete in verschiedenen Küchen und träumte von einem Restaurant in Deutschland. „Ich habe schon als Kind immer meiner Großmutter geholfen, die für die ganze Familie gekocht hat.“

Die traditionellen Rezepte kennt er ganz genau, aber auch den Geschmack der Deutschen: „Bei uns isst man sehr, sehr scharf, aber hier habe ich die Gerichte abgemildert. Auch die Peruaner, die schon länger in Deutschland leben, mögen das nicht mehr so sehr.“ In seinem Ehrenfelder Restaurant sitzen viele seiner Landsleute, aber auch Kolumbianer und Mexikaner, während Alberto Lora Lanata die Küche schmeißt.

Keine Vorräte in der Tiefkühltruhe

„Tut mir leid, Ají de Gallina ist aus“, erklärt sein Mitarbeiter einigen Gästen. Der Vollblut-Gastronom hat keine Vorräte in der Tiefkühltruhe, wenn ein paar frische Zutaten aus sind, streicht er Gerichte von der Karte. Seine frische peruanische Küche kommt an. Der Andrang im Restaurant ist auch an einem gewöhnlichen Wochentag groß: An den Zweiertischen zwischen zwei peruanischen Gruppen nehmen zwei Paare mit leicht ergrauten Schläfen Platz, wie man sie auf Studienfahrten trifft. Mit Kennerblick studieren sie die Speisekarte, bestellen Causa, Ceviche und zum Abschluss das Nationalgetränk Pisco, einen peruanischen Schnaps – und nach ein paar weiteren Gläschen ist dann auch das Tänzchen zu den flotten Latin-Rhythmen fällig.

Causas Peru, Venloer Str. 531, Telefon 0221/44902886, Mi bis bis Mo, 17 bis 24 Uhr, Di ist Ruhetag.