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AusgehtippsZebra-Gulasch ohne Ethno-Kitsch

3 min

Im Shaka Zulu leuchten die Tiere.

Innenstadt – Kunsthandwerk, die Köpfe wilder Tiere an den Wänden, indirektes Licht – Shahram Golestani und Paul Stern haben die Einrichtung des Shaka Zulu aus jenen Elementen zusammengesetzt, die man von einem afrikanischen Restaurant erwarten würde. Weil sie dabei aber auf Ethno-Kitsch jeder Art verzichten, kommt in dem kleinen südafrikanischen Restaurant im Belgischen Viertel nicht im entferntesten Folklore-Stimmung auf.

„Authentisch ist bei uns die Herangehensweise“, sagt der Südafrikaner Stern. Streetfood nennen die beiden Betreiber ihr Konzept. Die Gerichte kommen als Tapasportionen, die Zusammenstellung entspricht dem, was man etwa in Kapstadt auf der Straße kaufen kann. Und die Einrichtung ist ebenso urban.

Die Esskultur der Regenbogennation

„Solch einen Laden gibt es in Kapstadt natürlich nicht. Aber wir haben uns dort die Inspiration geholt“, erläutert Stern. Er erzählt von der Long Street, der Ausgehmeile in der Innenstadt der südafrikanischen Metropole. Viele Restaurants und Bars haben dort in den viktorianischen Häusern der Straße Einzug gehalten, poppig hergerichtet, die Einrichtung bunt zusammengewürfelt. Das trifft auch auf die afrikanische Küche und damit auf die Gerichte auf der Karte des Shaka Zulu zu: Dhaal (indisches Linsenmus) mit Minzdip, Samosas, gegrilltes Fleisch mit Maisbrei, Risotto aus Maisgrütze und verschiedene Currys. „Es gibt keinen einfachen Nenner für die afrikanische Küche. Das ist ein Mischmasch aus holländischer, indischer, englischer und schwarzer Küche“, sagt Stern, zuständig für das Essen. Die Kolonialgeschichte prägte auch die Esskultur der Regenbogennation. Aus Mosambik und Angola gelangten gar portugiesisch-mediterrane Einflüsse ans Kap. „In keinem Land kommt so viel zusammen wie in Südafrika“, meint er. Süß und salzig, scharf und mild – die Küche lebt von Gegensätzen.

Exotische Beilagen

Auf der Wochenkarte steht zur Zeit sogar Zebra-Gulasch mit Rotkohl, mittags gibt es Spätzle dazu. „Eigentlich essen die Südafrikaner kein Wild“, sagt Stern. Im Nachbarstaat Namibia hingegen, zweite Amtssprache ist dort Deutsch, essen die Menschen viel Wild – Springbock, Antilope, Strauß und eben Zebra. „Das liegt an den deutschen Farmern, die haben das dort eingeführt“, sagt Stern und erklärt damit auch die exotischen Beilagen.

Golestani, in Teheran geboren und seit 22 Jahren in Deutschland, hat mit Stern bereits erfolgreich ein anderes afrikanisches Restaurant geführt. Stoffservietten und überwiegend Wildgerichte – Karte und Einrichtung im Boboti waren eher am klassischen europäischen Geschmack orientiert. Lediglich zwei Wandleuchten haben die Partner mit in das neue Restaurant genommen. Die elfenbeinweißen Glaskugeln auf langen, dunklen Holzstielen zieren eine Backsteinwand und sorgen mit den übrigen Lampen aus wiederverwerteten, mit bunten Plastikperlen verzierten Konserven für die Beleuchtung.

Golestani ist unter anderem zuständig für die Bar. Amarula-Likör wird aus jener Baumfrucht gewonnen, die vergoren auch schon mal ganze Elefantenherden berauscht. Er findet sich in den Drinks ebenso wie Pfirsichlikör, Gin, geriebener Ingwer, Rum, Chili und grüne Banane. Typisch südafrikanisch dürfte hingegen Springbok sein, eine Mischung aus milchigem Amarula- und leuchtend grünem Minzlikör im Schnapsglas.