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Der Goldfisch in NeuehrenfeldKleine Fouls beim Griechen

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Griechische Küche in deutschem Gaststättenambiente: „Der Goldfisch“ in Neuehrenfeld.

Neuehrenfeld – Es gehört zweifellos einiger Mut dazu, ausgerechnet diese unwirtlichste aller Straßenkreuzungen im verkehrspolitisch ohnehin schwer gebeutelten Stadtteil Neu-Ehrenfeld zu bespielen. Und dann auch noch griechisch in einem sehr deutschen Kneipenambiente aus dem vergangenen Jahrhundert mit bleiverglasten Fensterscheiben, großer Theke im Vorderraum und dunkel holzvertäfelten Wänden.

Die denkmalgeschützte Stuckdecke im hinteren Raum ist allerdings beeindruckend, soweit man sie tatsächlich noch erkennen kann. Denn die beiden Griechen, die das Lokal seit dem vergangenen Jahr neu betreiben, bevorzugen offensichtlich sehr gedämpftes Licht von Kerzen und elektrischen Kornleuchtern aus Goldmessing, die im Laufe des Abends soweit heruntergedimmt werden, dass man kaum noch die Bifteki auf dem Teller erkennen kann.

Dabei schmecken sie, offensiv gewürzt und gefüllt mit Halloumi-Käse in einer Weißweinsauce mit vielen Zwiebeln zu Kartoffeln, gar nicht schlecht (14,80 Euro). Weit besser jedenfalls als der große, zu trocken geratene Oktopus-Arm mit Fava, dem klassischen Püree aus gelben Linsen, mit Knoblauch und Olivenöl abgeschmeckt (16,90 Euro).

Nun muss man allerdings dazu sagen, dass an diesem Abend sowohl das Personal in der Küche als auch das im Service nicht den Eindruck machte, als ob es wirklich großen Spaß an seinem Job hätte. Denn alles schmeckte irgendwie fad und wirkte merkwürdig freudlos.

Nicht immer ist es schlecht

Ganz im Gegensatz zu den beiden vorherigen Besuchen. Da waren Fava (6,80 Euro), sehr cremiger Zaziki (4,90 Euro) und erstaunlich luftig frittierte Joghurtbällchen (6,50 Euro) als einzelne Vorspeisen in jeder Hinsicht auf den Punkt zubereitet und gewürzt. Dazu zwei sogar außergewöhnlich beeindruckende Spezialitäten wie das mit Ouzo abgeschmeckte Filet von geräucherter Makrele (5,90 Euro) und die in Weinblättern eingewickelten Sardinenfilets (13,80 Euro) vom Grill. Die Reisnudeln in Tomatensauce, zusammen mit Salat eine der beiden gängigen Beilagen zu den Hauptgerichten, sind die bessere Wahl als die Kartoffeln.

Außer bei dem griechischen Kartoffelsalat mit Dill und Oliven, dazu Schwertfisch-Souvlaki (16,50 Euro) am obligatorischen Spieß, saftig und zart wie die richtigen, gegrillten Souvlaki in großen Stücken von würzig mariniertem Schweinefilet (15,50 Euro), zwischen die Paprika und Zwiebel gesteckt war. Bemerkenswert auch das schön rustikale Kalbsgulasch unter dünnen Auberginenscheiben (16,90 Euro). Desserts gab es an zwei Abenden entgegen der Angaben auf der Speisekarte nicht, am dritten verzichteten wir auf den Versuch.

2:1 für den Goldfisch

Der eigentlich gute Retsina im Halb-Liter-Fläschchen (7,90 Euro) war immer zu warm, der griechische offene Weißwein (0,2l für 3,50 Euro) so gut gekühlt wie der angenehme Savatiano (die letzte Flasche für 21 Euro), der neu bestellt und vielleicht tatsächlich auch angekommen ist, bis Sie vielleicht hierhin gehen.

In Anlehnung an die gerade wieder begonnene Fußballsaison stand es nach drei Besuchen immerhin 2:1 für den Goldfisch, also nehmen wir es sportlich: Weit besser als die bisherige Bilanz des FC. Wenn Sie griechische Küche mögen, probieren Sie das Lokal doch einfach mal aus.

Das Restaurant:

Der GoldfischSubbelrather Straße 221 (Ecke Ehrenfeldgürtel)0221/16997854Öffnungszeiten: Mo–Fr 12–14.30 und ab 17.30 Uhr,Sa und So ab 17.30 Uhr