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Die WeinkolumneBesonderer Tropfen aus dem Osten

3 min

Von den Weinbergen des Schloss Proschwitz hat man einen herrlichen Blick auf die Albrechtsburg zu Meißen.

Eine Reise in das nordöstlichste Weinbaugebiet Deutschlands ist nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten etwas ganz Besonderes. Außer Dresden, Meißen, Schloss Pillnitz und dem Sandsteingebirge sind es die Winzer, die die Reise unvergesslich machen: Ihr Lebenslauf erzählt zugleich deutsche Zeitgeschichte.

Als Klaus Zimmerling aus Pillnitz nach der Wende in Westdeutschland in Erscheinung trat, wurde er verwundert gefragt: „Weinbau in Vordersibirien – geht das?“ Er lacht, wenn er das erzählt, denn für ihn war immer klar, dass der Weinbau in Sachsen Potenzial hat. Der ehemalige Maschinenbauingenieur hatte schon zu DDR-Zeiten Wein gekeltert. „Wein wurde immer als göttliches Getränk bezeichnet, aber was es hier zu kaufen gab, hat nicht so geschmeckt.“ Sein erster Wein bestand aus Tafeltrauben, die er im Obstladen besorgte. Im Jahre 1987 konnte er dann seine ersten aus Tschechien importierten Rieslingreben pflanzen.

Aromen von Teerosen, Lychee, weißer Pfirsich, Koriander, dezente Fruchtigkeit, milde Säure und feine Pfefferwürze im Abgang. Ein perfekter Begleiter zu Käse. 2011 Traminer, Weingut Zimmerling, Sachsen, 12 Euro (0,5 ltr.)

www.weingut-zimmerling.de

Eine typisch trockene Scheurebe mit Aromen von Blutorange, Minze und Cassis. Der knackig frische Wein ist ein Begleiter für einen warmen Altweibersommer. 2012 Meißner Kapitelberg, Scheurebe QbA trocken, Sachsen, 8,90 Euro

www.vincenz-richter.de

Ein Traum von einem kräftigen Wein mit Aromen von Williamsbirne, Sahne, Rauch und fein eingebundenen Holznoten. Passt gut zu geschmortem Geflügel und zu herbstlichen Pilzgerichten.

2011 Grauburgunder „Barrique“ trocken, Schloss Proschwitz, Sachsen, 19 Euro

www.schloss-proschwitz.de

„Zu DDR-Zeiten war Wein aus Meißen Bückware“, erzählt Alexandra Prinzessin zur Lippe vom Schloss Proschwitz und meint damit, dass es die begehrten Flaschen nur „unter dem Ladentisch“ gab. Dass die Weinqualität damals trotzdem nicht besonders war, erzählt Thomas Herrlich vom Weingut Vincenz Richter aus Meißen: „Die Genossenschaft hat nur einen Wein pro Rebsorte gekeltert, ganz egal ob die Trauben aus der Steil- oder Flachlage kamen. Außerdem wurde alles sehr mit Chemikalien behandelt.“ Sein Weingut hat er sofort nach dem Umbruch gegründet. Herrlich denkt gern an seine Winzeranfänge zurück: „Es gab keine Verwaltung, die einem eine amtliche Prüfnummer hätte geben können, keine Weinkontrolle, keine Weinbaukartei. Es war wie im Wilden Westen.“

Die drei Winzer kauften der Treuhand Weinberge ab, mit der Verpflichtung, eine Zahl von Arbeitskräften einzustellen. „Wir wurden nicht gerade mit offenen Armen empfangen“, erzählt Alexandra Prinzessin zur Lippe. „Die Adeligen aus dem Westen, die hier frühere Besitztümer zurückkaufen – das wurde sehr kritisch gesehen.“ Mit ihrem Mann Georg Prinz zur Lippe baute sie das Familiengut Schloss Proschwitz wieder auf. Doch nicht nur in die Gebäude mussten sie investieren. „Hier war vor allem der wenig frostresistente Müller-Thurgau gepflanzt“, erzählt Klaus Zimmerling. Weil das Klima so weit im Osten deutlich kontinentaler ist als in den westlichen Weinregionen, erfroren regelmäßig die Knospen. Stattdessen musste kälteresistenterer Riesling angepflanzt werden.

Gerade einmal 447 Hektar umfasst das Weinbaugebiet Sachsen. Aufgrund der hohen regionalen Nachfrage sind die Preise nicht ganz günstig. Dennoch lohnt es sich, die Weine zu probieren.