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Ernährungs-BlogKochen auf Sparflamme

3 min

Sie ist 25 Jahre alt, alleinerziehende Mutter und Hobbyköchin. Letzteres nicht aus Leidenschaft, sondern gezwungenermaßen. Die Engländerin Jack Monroe aus Southend-on-Sea lebt an der Armutsgrenze. Sie versucht, ihren drei Jahre alten Sohn und sich so gesund wie möglich mit so wenig Geld wie nötig zu ernähren. Genau darüber schreibt sie in ihrem Blog „A Girl called Jack“.

Hier veröffentlicht sie regelmäßig Rezepte, die pro Portion meist nicht mehr als 30 Pence (umgerechnet etwa 35 Cent) kosten. Ihr Internet-Tagebuch hat inzwischen viele begeisterte Fans, Jack Monroe wird in Talkshows eingeladen und im kommenden Jahr erscheint ihr erstes Buch im britischen Penguin-Verlag.

Zutaten für zwei Portionen

Kosten pro Portion etwa 25 Cent

100 g Nudeln

50 g grüne Bohnen

200 g vorgegarte Kartoffeln

Eine Handvoll Basilikum

Eine Handvoll Minze (beides gratis vom eigenen Fensterbrett)

10 g Parmesankäse

1 kleine Knoblauchzehe

4 TL Sonnenblumenöl

Zubereitung

Die Nudeln in eine Pfanne geben, mit Wasser bedecken, zum Kochen bringen und 10 Minuten köcheln lassen. Währenddessen die Bohnen in 1-cm-Stücke und die Kartoffeln in 2-cm-Stücke schneiden. Knoblauch abziehen und pressen. Die Kräuter zerkleinern und mit Knoblauch, Parmesan und Öl mischen. Kartoffeln und Bohnen in die Pfanne geben. Einen Schuss Kochwasser aus der Pfanne zum Kräuterpesto geben, so dass eine sämige Sauce entsteht. Nach fünf Minuten Köcheln den Pfanneninhalt in ein Sieb und zurück in die Pfanne schütten. Das Pesto unterrühren, gut durchmischen und servieren.

Das alles hätte sie sich vor ein paar Monaten wohl noch nicht träumen lassen. Im vergangenen Jahr kündigte sie ihren Job im Schichtdienst, um sich besser um ihren kleinen Sohn Johnnie kümmern zu können. Als neue Bewerbungen nicht fruchten und plötzlich auch noch die staatliche Mietzuzahlung viel geringer ausfällt als geplant, schreibt sie sich in ihrem Blog den Frust von der Seele. Unter dem Stichwort „Hunger tut weh“, beschreibt sie, wie sie ihrem Sohn die letzten Tomatennudeln aus dem Kühlschrank zu essen gibt und selbst hungrig ins Bett geht, mit einer Tasse Ingwertee gegen die Bauchschmerzen. Am nächsten Morgen gibt sie Johnnie Weetabix, eine Art Vollkorntoast, aufgeweicht in Wasser zu essen, weil nichts anderes da ist.

„Wo ist dein Frühstück, Mama?“

„Wo ist dein Frühstück, Mama?“, fragt der Kleine mit großen Augen. Jack weicht aus und sagt, sie habe keinen Hunger, doch das Rumoren in ihrem Bauch entlarvt sie als Lügnerin.

Sie beschließt, dass es so nicht weiter gehen kann, kratzt ihre letzten Pence zusammen und geht in den Supermarkt. Sie kauft preiswerte Lebensmittel, unter anderem eine gemischte Gemüsetüte für ein Pfund und verschiedene Dosen – und fängt an zu kochen. Vor allem Pasta, Suppen und Chili. Für 10 Pfund pro Woche (umgerechnet knapp 12 Euro) bekommt sie sich und ihren Sohn satt. Sie fotografiert die Gerichte und stellt sie ins Internet. Und wird so zum Star. Leute, die ihren Blog kommentieren, loben ihre Ehrlichkeit, ihren Mut, und schreiben, dass sie viele andere inspiriere. Die Zeitung „The Guardian“ nennt sie „das Gesicht der modernen Armut“. Im Juni dieses Jahres sprach Jack Monroe im britischen Parlament und auch zum diesjährigen Gipfeltreffen der G8 in Nordirland wurde sie eingeladen.

Einfache Zutaten

Im Gegensatz zu vielen anderen Foodblogs im Netz braucht man für Jacks Rezepte weder außergewöhnliche Zutaten, noch viel Zeit für die Arbeit in der Küche. Die Kochanleitungen sind nur auf Englisch nachzulesen, doch sie sind gut verständlich geschrieben. Ihr persönlicher Liebling unter ihren Eigenkreationen ist Pasta alla Genovese (siehe Kasten). Eine für deutsche Gaumen ungewöhnliche Kombination aus Nudeln und Kartoffeln, aber ziemlich aromatisch dank der vielen Kräuter. Das Gericht kostet pro Person 19 Pence, also etwa 25 Cent, ist in einer knappen Viertelstunde fertig und macht nicht nur Kleinkinder und Mütter ausreichend satt.