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Gastronomischer JahresrückblickWas sich 2014 in Kölns Restaurant-Szene bewegt hat

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Weltküche des Jahres im "Zen"

Der größte Schock kam zum Ende des Jahres: Nils Henkels Spitzenrestaurant im Schloss Lerbach in Bergisch-Gladbach schließt, da sich die Althoff-Hotel-Gruppe aus dem Objekt zurückzieht. Damit verliert die Region eines ihrer absoluten kulinarischen Aushängeschilder. Nach den Schließungen von „La Vision“ im Hotel im Wasserturm und der „Traube“ (Grevenbroich) in den letzten Jahren sowie „Elia“ und „Weinseelig“ in Köln 2014 ist dies schon ein bemerkenswerter Aderlass. Auch das Ein-Sterne-Restaurant „Le Patron“ schloss zum 1. Juni, im Restaurant „Zur Tant“ kann die neue Küchencrew noch nicht an alte Leistungen anknüpfen und zum Jahresende wechselt auch der hochbegabte Marc Flogaus im Agnesviertel sein Konzept: Weg von komplex durchkomponierten Speisen hin zu einfacheren Gerichten wie Steaks. Und fast noch schlimmer: Die Trüffel-Öl-Pest greift weiter um sich.

Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer: Unser 2013er Restaurant des Jahres, das „Ox & Klee“, wird immer noch besser. Jetzt macht man dort Cola selbst und es gibt ein gelungenes Video des neuen Menüs online. Auch Maximilian Lorenz arbeitet sich stetig weiter nach vorn, ebenso das „Wein&Dine“, und dann gibt es da ja noch das „Himmel un Ääd“ im Hotel im Wasserturm. Erst im August dieses Jahres eröffnet, erhielt es gleich einen Michelin-Stern – womit sich der Restaurantführer fast der Lächerlichkeit preisgab.

Früher mussten Köche mehrere Jahre beweisen, dass sie auf hohem Niveau kochen können, Mathias Maucher noch nicht einmal ein Vierteljahr. Seriös erscheint diese Auszeichnung nicht. Auch der andere neue Stern für Köln führte zu gehobenen Augenbrauen: Das „MaiBeck“ (unsere „Neueröffnung 2013“) ist fraglos ein grandioses, modernes Bistronomic-Restaurant. Aber dort tat man bewusst alles, um eben kein Sternerestaurant zu sein, vom Interieur bis zu den Speisen. Wer nun dorthin geht, weil er ein klassisches Sternelokal erwartet, der wird enttäuscht werden. Und wer Angst hat, es könnte sterneteuer sein, der – Gott sei Dank – auch.

Aber zurück zum Positiven: Mit dem „Taku“ und dem „Rotonda Restaurant“ bieten zwei Häuser vegane Menüs auf Spitzenniveau, Kölns beste Burger-Braterei „Die Fette Kuh“ will Dependancen eröffnen, und mit „Pure White Food“, „485 Grad“, „Zen“ und dem „Scherz“ gab es bemerkenswerte Neueröffnungen. Es findet ein Wandel statt: Fort von der klassischen Spitzenküche mit gestärkten Decken und Silberbesteck, hin zu einem in Service, Interieur und Atmosphäre modern-lässigen Stil und einer exakten, produktorientierten, saisonal und regional inspirierten Küche, die preislich nicht abhebt. Gut so!