Gote im „Flogaus“Hohe Qualität und klare Strukturen

Mit dem Flogaus hat sich im Agnesviertel ein Restaurant etabliert, dass die kulinarische Szene in Köln bereichert.
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Neustadt-Nord – Mehrere interessante Versuche, dieses Ecklokal schräg gegenüber der Alten Feuerwache im Laufe der Jahre mit vielen Besitzerwechseln zu beleben, hat es ja durchaus gegeben. Aber jetzt sieht es so aus, als ob es beim neuen Versuch endlich geklappt hätte, innerhalb eines knappen Jahres an dieser scheinbar schwierigen Stelle ein Restaurant zu etablieren, das die kulinarische Szene Kölns nicht nur bereichert, sondern im stadtweiten Vergleich sogar hell glänzt.
Marc Flogaus in der Küche und seine Frau Nadine als Restaurantchefin gehen hier so motiviert, professionell und herzlich auf die Gäste zu, dass man sich entspannt zurücklehnen kann, um das in all seinen Facetten zu genießen. Endlich mal wieder ein junger Küchenchef, der sich nicht damit vertändelt, Fleisch oder Gemüse in verschiedenen Zubereitungen zu deklinieren, sondern mit klaren Strukturen bei den einzelnen Gängen, klassischem Handwerk bei der Zubereitung und sicherem Gespür für aromatische Balance vorgeht. Was dabei herauskommt: in sich absolut stimmige Gerichte, die nie langweilig sind.
Überraschungsmenüs zum Schnäppchenpreis
Die cremige Mousse von der Gänseleber zu dezent geräucherter, lauwarmer Entenbrust, kombiniert mit einem Kompott von Stachelbeeren und Brioche (15,50 Euro). Eine sensationelle tinten-schwarze Suppe mit äußerst zarten Oktopusstücken, die den leicht strengen Geschmack der Tinte und des Suds gerade mal andeutet und dadurch treffend bedient. Dazu ein kleiner Salat von Sepia- und Kalmarringen mit Tomaten und gerösteten Pinienkernen (9,50 Euro).
Als Hauptgang ein perfekt gegartes Stück vom Rinderbug in kräftiger Barbecuesauce zu Püree von weißen Bohnen und kleinen Cannellini-Böhnchen (23,50 Euro). Das alles ist schon à la carte in jeder Hinsicht seinen Preis wert, die Überraschungsmenüs sind dann fast schon ein Schnäppchen (drei Gänge 30 Euro, vier Gänge 38,50 Euro). So eins können Sie auch vegetarisch bekommen – und zur Zeit wüsste ich nicht, wo man in dieser Stadt auch nur annähernd so köstlich fleischlos essen könnte wie hier.
Bei dem Kuchen von blauen Kartoffeln mit eingelegten Mirabellen und kleinem Salat zur Vorspeise (10,50 Euro) gibt es sicherlich noch etwas Verbesserungspotenzial, die folgenden Gänge sind beispielhaft: saftiger Räuchertofu in schwarzem und weißem Sesam paniert mit kurz gedünstetem Blattspinat und pochiertem Eigelb zwischen hauchdünnen knusprigen Teigblättchen (12,50 Euro).
Und dazu: eine gute Beratung
Dann Tramezzini aus gerösteten Weißbrotscheiben mit einer panierten Kichererbsenschnitte dazwischen, mit geschicktem Kreuzkümmeleinsatz gewürzt, der sich auch beim Quarkdipp mit zusätzlicher Minze fortsetzt – alles erfrischend abgerundet von Avocadocreme, Rucola und Tomate (15.50 Euro). Das grandiose Soufflé mit frischen Himbeeren ist so groß, dass man es nur deswegen trotzdem schafft, weil es so schön altmodisch und mit seiner himmlischen Balance von Süße und Frucht gleichzeitig eben zeitlos attraktiv ist (9,50 Euro). Die Auswahl der guten offenen Weine (0,1 l ab 3,80 Euro) passt sich dem Essen problemlos an, die Beratung dazu ist verständlich und kompetent. Flaschenweine liegen um die 30 Euro.
So sieht alles danach aus, als ob sich mit dem Flogaus in Köln seit langem mal wieder ein Restaurant von dauerhaft hoher Qualität entwickelt hat. Außerdem fällt es in noch einer Hinsicht besonders auf, weil das bei neuen Lokalen so selten geworden ist: Es fühlt sich an wie anspruchsvolle Gastronomie mit Leib und Seele.
Das Restaurant
Flogaus RestaurantKasparstr. 1950670 Köln-Agnesviertel0221/99879353geöffnet Donnerstags bis Montags 18-24 Uhr, Di+Mi Ruhetagwww.flogaus-restaurant.de
