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Günstig und gut?Bioweine im Test

4 min

Bio ist Trend, nicht nur bei Lebensmitteln. Auch in der Weinbranche gibt es eine Hinwendung zu biologischem Anbau. Die ökologisch bewirtschaftete Rebfläche in Europa nimmt zwar immer noch nur einen geringen Teil des Anbaus ein, hat sich in den vergangenen zehn Jahren aber verdreifacht und liegt derzeit nach Angaben des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau mit 230000 Hektar bei 5,6 Prozent der Gesamtrebfläche. Die großen Anbauflächen liegen im Süden, in Spanien, Frankreich oder Italien, wo das trockene Klima die biologische Erzeugung begünstigt. Doch auch in Deutschland hat sich die Fläche innerhalb eines Jahrzehnts vervierfacht.

Vor allem Spitzenbetriebe setzen heute erfolgreich auf Bioanbau. So stammen sieben der vom Weinführer „Gault Millau Deutschland“ ausgezeichneten zehn besten trockenen Rieslinge von Biobetrieben.

Ökologische Erzeugung ist anspruchsvoll

Die großen Herausforderungen im Weinbau sind die Nährstoffversorgung der Reben und der Pflanzenschutz. So hat man es in einem feuchten Sommerklima wie in Deutschland vor allem mit aggressiven Pilzkrankheiten zu tun, die die gesamte Ernte vernichten können, greift der Winzer nicht ein. Während im konventionellen Anbau synthetische Spritzmittel verwendet werden, die in die Pflanze eindringen und von innen heraus eine Langzeitwirkung entwickeln, sind im Bioanbau nur ökologische Kontaktmittel zugelassen. Diese waschen sich allerdings bei Regen ab und müssen wesentlich öfter aufgetragen werden. Winzer im trockenen Süden Europas haben deshalb einen enormen Kostenvorteil gegenüber den deutschen Kollegen. Ebenfalls verboten ist der Gebrauch von Mineraldüngern. In der Bioerzeugung muss aufwendige organische Düngung die Nährstoffversorgung im Rebland sichern. Damit diese Wirtschaftsweise funktioniert, braucht es neben dem beträchtlichen Arbeitsaufwand gute fachliche Praxis. Wobei das Mehr an Aufwand nicht zu mehr Ertrag führt – der liegt bei deutschen Bio-Winzern im Schnitt rund 20 Prozent unter dem konventionell arbeitender Kollegen.

Im Weinkeller stellen sich weitere Herausforderungen: Zertifizierte Biobetriebe dürfen nur sehr eingeschränkt die zahlreich zur Verfügung stehenden synthetischen Hilfsmittel einsetzen.

Wer wird Biowinzer?

Während vor 25 Jahren noch vor allem ideologische Gründe den Bioanbau forcierten, hat sich das Blatt heute deutlich gewendet. Auch Spitzenbetriebe stellen um, einerseits weil ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden hat, aber auch aus pragmatischen Gründen. Forschungen haben ergeben, dass biologisch bewirtschaftete Böden viel mehr Humus enthalten, der den Wasserhaushalt ausgleicht, als konventionell bewirtschaftete Böden. In Zeiten des Klimawandels mit Trockenperioden und Starkregen kann dies entscheidend für die Erzeugung von Topqualität sein. Die Erfahrung zeigt zudem, dass synthetische Spritzmittel die Reben stressen, was die Reife, aber nicht die Zuckereinlagerung verzögert. So berichtet nicht nur der österreichische Topwinzer Bernhard Ott, dass er mit Hilfe ökologischer Methoden den Alkoholgehalt seiner Weine um mehr als ein Prozent senken konnte – und das bei voller Reife sowie besseren Säurewerten.

Aber auch Erzeuger, die ihre Weine fassweise an Abfüller verkaufen, wurden durch die höheren Erlöse und Subventionen zur Umstellung bewegt.

Die Zertifizierung

Betriebe können sich nach den Basisrichtlinien der EG-Öko-Verordnung aus dem Jahr 2012 zertifizieren lassen. Sie sind dann keinem nationalen Anbauverband angeschlossen. Neben Richtlinien für den Weinbau sind auch die Zusätze im Weinkeller teilweise reglementiert. Diese Form des Ökoweinbaus kommt den Winzern sehr entgegen, da keine Mitgliedsbeiträge anfallen und auch die verbandseigenen Restriktionen in einigen Bereichen entfallen. Vielen passionierten Biowinzern gehen die EU-Richtlinien aber nicht weit genug. Sie schließen sich Verbänden wie Ecovin, Bioland, Naturland, Demeter oder dem Biokreis an. Diese stellen eigene, wesentlich strengere Richtlinien auf. Sie bieten den Winzern Beratung bei Anbau und Vermarktung an und leisten Lobbyarbeit auf politischer Ebene. Winzer, die einem Verband angehören, entrichten Mitgliedsbeiträge und Abgaben für die Warenzeichenlizenz.

Der Bioweintest

Für unsere Leser wollten wir diesem Trend nachspüren und haben Bioweine in einem alltagstauglichen Preissegment bis maximal zwölf Euro getestet. Die Jurymitglieder gingen in Supermärkten, Bioläden, Discountern und bei Fachhändlern einkaufen. Bei den bekannten Discountern gab es jeweils nur zwei zertifizierte Bioweine. Überrascht hat uns die teilweise schlechte Beratung bei den Fachhändlern. Einige Händler haben unserem Jurymitglied konventionell erzeugte Weine mit der Bemerkung „das ist fast wie bio“ angeboten. Selbstverständlich arbeiten viele konventionelle Betriebe naturnah und es mag Betriebe geben, die ökologisch arbeiten und sich nicht zertifizieren lassen. Ein Kunde, der bewusst Biowein kaufen möchte, kann sich allerdings nur auf die bekannten Biosiegel verlassen – das sollte jeder Händler respektieren.

Mustergültig war die Beratung im etablierten „Weinhaus Lindenthal“ an der Geibelstraße. Hier gibt es ein umfassendes Angebot an vorwiegend hochwertigen Bioweinen und fundierte Auskunft.

In der Jury saßen vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Magazin-Mitarbeiter Christina Rinkl, Martin Gätke und Lioba Lepping. Als Weinprofis waren neben mir noch Weinakademikerin Mari Lax-Hoffmann und Frank Bättenhausen, IHK-geprüfter Weinfachberater, dabei.

Das Fazit der Jury

Wer in diesem Preissegment einkauft und sich nur am Geschmack orientiert, bekommt bei konventionell erzeugten Weinen mehr fürs Geld. Die aufwendigere Anbaumethode und die geringeren Erträge machen es fast unmöglich, solide Bioweine unter fünf Euro zu erzeugen. Wer guten Geschmack sowie Bioqualität schätzt, dem empfehlen wir, etwas mehr Geld auszugeben und sich bei einem guten Fachhändler beraten zu lassen.