Henns Gastro-TippGeniale Kompositionen im „Maibeck“

Oktopus, Buttermilch, Paprika-Chutney, Safran
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Als Jan C. Maier beim Servieren augenzwinkernd fallen ließ, dass sie einen „Verein gegen Saucentupfer“ gegründet hätten, schloss ich diese vielleicht großartigste Neugründung des Jahres in Köln endgültig ins Herz. Denn Saucentupfer bin ich sowas von leid. Hier gibt es die Sauce in ausreichender Menge in einer separaten Sauciere. Danke dafür!
Jan C. Maier ist einer der Inhaber und Namensgeber, der andere ist Tobias Becker – zusammen „Maibeck“. Die beiden stehen seit Oktober nicht nur zusammen am Herd ihres Restaurants am Rheinufer der Kölner Altstadt, sie servieren auch mit. Locker soll es zugehen, aber nur die Stimmung betreffend, nicht was die Qualität der Küche angeht, da ist alles technisch perfekt. Beide haben in herausragenden Häusern gearbeitet, kennen die Spitzenküche und sich bewusst für einen anderen Weg entschieden: schlicht-geniale Kompositionen aus besten Zutaten, deren Herkunft sie genau kennen. Produkt-Fanatiker sind sie. Dabei setzen sie nicht auf klassische Edel-Viktualien wie Gänsestopfleber, Austern oder Hummer, sondern stattdessen auf Bachsaibling aus dem Havelland, Oldenburger Ente, Stommelner Wirsing oder die Knollen von Kartoffel-Guru Henssler aus Pulheim-Stommeln.
Wintergemüse-Eintopf / Wirsing / Kürbis / Kartoffeln // 6 Euro
Herbstgemüse aus dem Ofen Marone / Radicchio / gesalzener Ricotta // 11 Euro
Oktopus / Buttermilch / Safran / Paprika-Chutney // 12 Euro
Kürbis-Cappellacci / Salbei / Amarettini // 10 Euro
Oldenburger Entenbrust / Spitzkraut /Gnocchi // 25 Euro
„Die schöne Helene“ / Birne / Mascarpone / Belgische Schokolade // 7 Euro
Linzerschnitte mit Aprikose / Preiselbeer-Eis // 7 Euro
Bistronomic oder Bistronomia nennt sich dieses neue Bistro-Konzept, eine Kombination von Bistro (regional, frisch, unkompliziert) und Gastronomia (womit die Haute Cuisine gemeint ist): qualitativ hochwertige, zeitgemäße Gerichte zu bezahlbaren Preisen. Das alles in einem urbanen Ambiente: weiße Wände, unverkleidete Lüftungsrohre, ein kluges Beleuchtungskonzept, keine Tischdecken. „Stay hungry“ steht groß an der Wand – sehr gern. Nicht weil die Portionen so klein wären, sondern weil sich die Freude des Teams bei jedem Bissen überträgt.
Zum Niederknien die hauchdünnen und trotzdem al dente gekochten Kürbis-Cappellacci. Wie Salzigkeit und Süße hier miteinander spielen, wie die heiße Füllung auf den Gaumen fließt, das allein lohnt den Besuch. Begeisternd, wie vielschichtig und leicht der Wintergemüse-Eintopf mit Wirsing, Kürbis und Kartoffeln gerät. Eine Augenweide ist der „Herbstspaziergang“, der trotz eigentlich schwerer Gemüse eine große Leichtigkeit und Frische entwickelt. Die Weinkarte bietet 75 klug ausgewählte Tropfen, die meisten aus Deutschland, elf offene Weine gibt es, alles fair kalkuliert. Sascha Bauer, der eigentlich schon zur Inneneinrichtung des „La Société“ gehörte, leitet das ungemein sympathische Serviceteam.
Charlotte Roche saß übrigens am Nebentisch. Sie sah genauso zufrieden aus wie ich.
„Maibeck, Am Frankenturm 5, 50667 Köln, geöffnet von dienstags bis samstags (12–15 Uhr und ab 17.30 Uhr), sonntags (ab 12 Uhr), Tel. 0221/96267300

