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InterviewSekt ist kommunikativ

3 min

Frau Burkard, es heißt, die Deutschen sind Weltmeister im Schaumwein trinken. . .

Gerhild Burkard Das kann man wohl sagen (lacht). Die Deutschen kommen allein beim Sekt auf einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 4,1 Litern. Das sind mehr als fünf Flaschen für jeden von uns. Insgesamt wurden 2011 in Deutschland 333 Millionen Liter Sekt getrunken, das ist fast ein Viertel der gesamten weltweiten Schaumwein-Produktion.

Warum lieben wir Deutschen Schaumweine denn so?

Burkard Ich glaube, ein Grund dafür liegt in der anregenden Wirkung von Schaumweinen. Vor allem bei Frauen. Dadurch ist Schaumwein auch irgendwie kommunikativer als Wein. Ein weiterer Grund ist, dass man Schaumweine genießen kann, ohne unbedingt etwas dazu essen zu müssen. Schade ist eigentlich nur, dass die Deutschen sich oft für Perlweine (z. B. Frizzante) mit zugesetzter Kohlensäure oder einfache Sekte entscheiden, bei denen die Trauben für die Grundweine aus der ganzen Welt kommen dürfen. Diese sind wesentlich preiswerter. Dabei gibt es doch so viel mehr Qualität und Vielfalt zu entdecken.

Der Schaumweinabsatz in Deutschland ist mit 445 Millionen Flaschen Sekt, Prosecco und Champagner jedes Jahr konstant hoch. Wie viel wir genau trinken, weiß das statistische Bundesamt deshalb so genau, weil seit 1902 pro Flasche eine Schaumweinsteuer fällig ist. Die Abgabe sollte einst die kaiserliche Kriegsflotte finanzieren. Heute dient die

Sektsteuer wohl als Beispiel

dafür, dass einmal eingeführte Abgaben so schnell nicht

abgeschafft werden. (roe)

Zum Beispiel beim Champagner?

Burkard Ja, natürlich auch Champagner. Der ist sicherlich der bekannteste Qualitätsschaumwein. Aber eben nicht nur. Neben Champagner gibt es noch andere hervorragende Qualitätsschaumweine.

Welche sind das denn?

Burkard In den vergangenen Jahren hat sicherlich der spanische Cava den deutlichsten Sprung nach vorne getan. Nicht nur in Spanien lieben die Leute diesen Qualitätsschaumwein. Daneben aber wären auch der Franciacorta aus Italien, französische und deutsche Crémants oder auch deutsche Winzersekte zu nennen.

Abgesehen davon, dass diese Schaumweine nicht Champagner heißen dürfen – was unterscheidet sie vom Champagner?

Burkard Eben die Anbauregion, die verwendeten Rebsorten, die Erntemengen, die Lagerzeiten und auch die begrenzte Menge.

Schmeckt man das heraus?

Burkard Ja klar. Für mich ist Champagner vielschichtiger im Geschmack. Er ist meist eleganter, mineralischer, vielleicht sogar ein bisschen cremiger und länger im Nachhall. Auch die duftenden Briochenoten zeichnen ihn besonders aus. Obwohl nur Trauben einer einzigen Region verwendet werden, ist die geschmackliche Vielfalt so groß wie in keinem anderen Anbaugebiet. Das macht den Champagner zu etwas Besonderem. Deshalb ist er für mich auch das einzige Getränk, das ich bei einem Menü von der Vorspeise bis zum Nachtisch anbieten würde. Der italienische Franciacorta etwa ist auf einer ähnlichen Qualitätsstufe, allerdings schmeckt man heraus, dass die Trauben aus einer südlicheren Anbauregion kommen und die Säure geringer ist. Deshalb fehlt dem Franciacorta für mich die Frische des Champagners. Und da beim Cava das Lesegut aus ganz Spanien kommen kann, ist der Geschmack nicht so spezifisch oder authentisch wie beim Champag-ner. Das Basissegment ist preiswerter und bietet somit für mich unkomplizierten, erschwinglichen Trinkgenuss.

Welcher Schaumwein ist denn ihr persönlicher Favorit?

Burkard Auch wenn ich Champagner-Botschafterin bin, denke ich, dass jeder seinen Geschmack finden muss. Ich persönlich finde, dass Champagner der spannendste unter den Schaumweinen ist – aber auch für mich ist er ein Luxusgetränk für besondere Momente.