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IrrtumIst das wirklich vegetarisch?

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In der Tomatensuppe steckt auch Speck.

Salami, Steak und Seezunge landen nicht im vegetarischen Einkaufswagen. Auch Gummibärchen und Lakritz bleiben häufig im Regal stehen. Schließlich sind diese Süßigkeiten mit Gelatine gemacht – und die wird aus Haut und Knochen etwa von Schweinen gewonnen. Chips, Frischkäse und Fruchtsaft hingegen passen gut in den vegetarischen Lebensmittelkorb. Denkt man. Doch auch bei scheinbar fleischloser Nahrung können tierische Produkte zum Einsatz gekommen sein.

So wird trüber Fruchtsaft häufig mit Gelatine geklärt. Auch Vitamine oder Aromen werden häufig über Tierbestandteile in die Produkte geschleust. „Es kann keiner garantieren, dass bei diesen Prozessen nicht kleine Mengen an tierischen Stoffen im Endprodukt enthalten sind“, sagt Isabelle Mühleisen, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale. Der Kunde bekommt davon nichts mit. Denn die Verfahren müssen nicht auf dem Produkt gekennzeichnet werden. Foodwatch hat einige Produkte überprüft und tierische Inhaltsstoffe gefunden (siehe Bildergalerie). „Die deutsche Lebensmittelkennzeichnung basiert auf dem EU-Recht“, sagt Mühleisen. „Auf der Verpackung müssen nur Zutaten aufgeführt werden, nicht jedoch Trägerstoffe, Lösungsmittel oder technische Hilfsstoffe.“

Deswegen fordern Foodwatch und der Vegetarierbund Deutschland Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner jetzt dazu auf, alle Produkte mit tierischen Bestandteilen deutlich zu kennzeichnen. „Die Gruppe der Vegetarier wird in der Bevölkerung immer größer – und der Verbraucher darf nicht getäuscht werden“, fordert Sebastian Zösch, Vorsitzender des Vegetarierbunds. Deswegen müsse auf einem scheinbar fleischfreien Produkt über die Zutatenliste hinaus gekennzeichnet sein, ob es nicht vegetarisch hergestellt wurde.

Außerdem fordern die beiden Verbände die Bundesregierung auf, eine einheitliche Definition der Begriffe vegetarisch und vegan vorzunehmen. „Wenn ein Produkt als vegetarisch markiert ist, muss klar sein, dass es eine gemeinsame Definition für vegetarisch gibt.“ Schon vor Jahren haben Zösch und seine europäischen Kollegen das sogenannte „V-Label“ entwickelt. Die Dachorganisation des deutschen Vegetarierbunds, die European Vegetarian Union, kontrolliert die Vergabe dieses Gütesiegels, das vegetarische und vegane Lebensmittel als solche kennzeichnen soll. Trotzdem kursieren verschiedene Siegel in Deutschland. „Wir liegen hier ziemlich weit zurück“, weiß Zösch. „In England ist die Kennzeichnung viel deutlicher.“

Dort habe man sich auf ein einziges Siegel geeinigt. Ernährungsexpertin Mühleisen kann die Unsicherheit unter Vegetariern verstehen. „Es müssen einheitliche Kriterien geschaffen werden, damit Verbraucher eine eindeutige Orientierung bekommen.“