Gewürze im WinterFeuer im Mund bringt Glücksgefühl

Dreimal Chili: geschrotet, gemahlen und als getrocknete Schote.
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Ja, leider. Es gibt wieder diese Tage, an denen allein der Anblick des trostlos grauen Winterhimmels reicht, damit es einen fröstelt. Dann sind eine wärmende Decke oder ein heißer Tee gefragt. Doch manchmal könnte auch ein Blick in das Gewürzregal helfen. Denn manche der Scharfmacher in unserer Küche eignen sich bestens zum Wärmen, andere heben nicht nur in der tristen Jahreszeit unsere Laune – und manche können sogar beides.
Eine Erklärung, warum scharfe Gewürze uns gerade im Winter so guttun, hat Hobbykoch und Buchautor Peter Wagner: „Anders als andere Geschmacksempfindungen wie süß oder salzig, die wir nur im Mund empfinden, ist Schärfe auch an anderen Körperteilen wie den Schleimhäuten oder den Fingerspitzen spürbar.“ Das liege daran, dass bei der Wahrnehmung von Schärfe die schmerzempfindlichen Endungen des Trigeminusnervs beteiligt sind. Und die seien über den ganzen Körper verteilt, säßen aber besonders gebündelt im Mundbereich.
Schutz gegen Bakterien
Während wir das wohlig warme Gefühl schätzen, das gut geschärftes Essen bei uns hervorruft, hat es kurioserweise in heißen Regionen der Erde eine wichtige andere Funktion. Das von der Schärfe im Essen verursachte Schwitzen sorge dort für eine willkommene Kühlung, weiß Wagner. Außerdem werde die konservierende, antibakterielle und pilzhemmende Wirkung von Scharfmachern wie Chilis oder Ingwer als Vorsichtsmaßnahme gegen das durch die Hitze beschleunigte Bakterienwachstum geschätzt. Diese antibakteriell und entzündungshemmende Wirkung gerade vieler scharfer Gewürze macht sich nicht nur die Naturmedizin zu nutze.
Dennoch: Hierzulande genießen wir Schärfe vor allem als kulinarisches Phänomen. Da nämlich der Körper auf die Reizung der Schmerzrezeptoren mit einer erhöhten Durchblutung der gesamten Schleimhaut im Mund reagiert, wird die Sensorleistung der Geschmackspapillen derart intensiviert, dass die verschiedenen Grundgeschmacksrichtungen viel genauer und schärfer wahrgenommen werden können – bis zu dem Punkt, an dem, so Wagner, der Schärfereiz alle anderen Eindrücke überstrahlt – und zu einer vermehrtem Ausschüttung des Glückshormons Endorphin führt.
Doch welches sind also die Gewürze, die uns in der kalten Jahreszeit nachweislich wärmen, gesund und zudem noch glücklich machen? Wir haben bei Claudia Quack, der Inhaberin des Gewürz-Spezialgeschäfts „Safran“ in Köln-Sürth, nachgefragt. Schon beim Betreten ihres Ladens verfliegt der Winterblues. Ein Hauch von Zimt, eine Note Kurkuma und Kardamom, dazu der Duft von Ingwer und Curry mischen sich in der Luft. Rein geruchstechnisch ist man nicht mehr im trüben Köln, sondern wähnt sich auf einem orientalischen Basar. Und das ist so gewollt. „Ich habe mir mit dem Laden einen Traum erfüllt“, sagt Claudia Quack – nämlich ihre Leidenschaft für Marokko und den Orient mit ihrer Vorliebe für Gewürze zu verbinden.
Trotzdem: Die 100 verschiedenen Gewürze und Mischungen sind das Einzige im „Safran“, das Quack nicht von ihren regelmäßigen Reisen nach Marrakesch mitbringt. „Auf den Märkten dort liegen die Gewürze lange offen in der Sonne, da verfliegen schnell die typischen Aromen“, erklärt sie. Außerdem sei nicht immer nachvollziehbar, woher die einzelnen Gewürze kommen. Für ihre Kunden aber wolle sie eine hohe Produktqualität und eine Herkunft, die nachverfolgbar ist. Deshalb lässt sie sich von einer kleinen Gewürzmühle in Hamburg liefern, wo die Gewürze strengen Kontrolle unterliegen und ihre Reinheit zertifiziert wird – wie etwa das Habaneros-Chilipulver, den mit Abstand schärfsten Warmmacher, den Claudia Quack in ihrem Geschäft hat. „Da brauchen wir beim Abfüllen einen Mundschutz“, sagt sie.
