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Lieblingsorte in KölnNachbarschaftshilfe im "Lieblings"

2 min

Köln – Ich bin Städter. Aus Überzeugung. Schon als Jugendliche konnte ich gewisse Eigenheiten des Landlebens nicht ausstehen: Die meisten Festivitäten wurden, unter inflationärem Gebrauch von Roxette-Coverbands und Xuxu-Fanta, von der katholischen Landjugend organisiert und vor einem simplen Kinobesuch mussten mühselig Fahrgemeinschaften gebildet werden, dafür dass im letzten Moment doch wieder die Hälfte absagte. Das Schlimmste waren allerdings die Helikopter-Nachbarn meiner Eltern. Da schlich man nachts erfolgreich am Bewegungsmelder vorbei, überwand die knarzende Treppe, trat nicht auf die Katze, die genau dort nächtigte und wofür? Am nächsten Morgen hatte die neugierige Nachbarin längst rapportiert, wann und vor allem von wem das Töchterchen abgeliefert worden war. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als Anonymität.

Pfannkuchen Toscana mit Tomate, Parmesan, Parmaschinken, Kräutern und Salat // 8,10 EuroFrühstück Tante Erna, Eiertoast mit Ahornsirup, Speck und Früchten // 5,10 EuroLeberkäse mit Spiegelei, Bratkartoffeln und Salat // 8,90 EuroKäsespätzle mit Champignons, Frühlingslauch und Feldsalat // 8,60 EuroFlammkuchen „Elsässer Art“ mit Speck, Zwiebeln, Lauch und Kräutern // 8,90 EuroWaffeln mit Zimt // 3,80 Euro

Veedels-Kultur

Es ist beinahe absurd, dass ich genau diese urbane Eigenschaft heutzutage nicht mehr mag. Nachbarschaft ist nicht nur Kontrolle, sondern (wenn alles richtig läuft) Zusammenhalt – man achtet aufeinander, man hilft sich. In Köln ist diese Solidarität Teil der Veedels-Kultur, wie etwa im Lieblings in Sülz. Manuela Kappes hat in ihrem Café ein Wohnzimmer für alle geschaffen mit Häkeldeckchen und Goldrand-Porzellan. Die Gerichte auf der Karte stammen aus ihrer Kindheit. Die leckeren Frühstücksvarianten sind nach ihren Lieben benannt, jeden Donnerstag gibt es frische Reibekuchen und sonntags den Braten von der Oma. Der Kuchen wird ebenfalls selber gebacken und bekommt im Winter Konkurrenz von den frischen Waffeln. Seit über drei Jahren ist das Lieblings fester Bestandteil des Viertels. Vormittags frühstücken Seniorenstammtische neben Studentengrüppchen, mittags kommen die Berufstätigen und gegen Abend genießen die Anwohner hier ihren Wein. Jedes Jahr sammelt Manuela Kappes gemeinsam mit ihrer Kundschaft Geld für einen guten Zweck: Der Charity-Adventskalender. Dieses Jahr geht der Erlös an die autonomen Frauenhäuser Kölns. Die Aktion läuft noch bis zum 23. Dezember. In den vergangen Jahren kamen auf diesem Weg jeweils 800 Euro für soziale Einrichtungen in Köln zusammen – Zusammenhalt ohne Helikopter.

Ich schleiche übrigens immer noch die Treppe hoch. Manche Angewohnheiten legt man einfach nicht mehr ab.

Lieblings, Zülpicher Straße 275, 50937 Köln, ☎ 0221 94388801, Öffnungszeiten: Mo bis Sa: 10 bis 22 Uhr, So: 10 bis 19 Uhr