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Restaurant „Pradels“ in Köln
Die Rückkehr der Senfsuppe

Köln – Ja, es gibt sie, alle alten „Steinmetz“-Fans können beruhigt sein: Die Senfsuppe, die zum Klassiker im „Steinmetz“ wurde, als die Pradels dort noch Regie führten. Das Restaurant ist nun in anderen Händen, das Ehepaar Belinda und Martin Pradel segelt seit August nebenan unter eigener Flagge – als Weinbistro und Feinkost-Handel. Spezialität sind Flammkuchen, die es mit Ingwerschmand/Thunfisch/Nordseekrabben oder Tomatenschmand/ Ziegenkäse/Paprika/Zwiebeln gibt. Letzterer bietet Ziegenkäse, der diesen Namen wirklich verdient, der Flammkuchen ist großzügig aber nicht zu übermäßig belegt, der Teig kommt geschmacklich zum Tragen. Einziges Manko: die Größe. Auf die kommt es beim Flammkuchen durchaus an.

Martin und Belinda Pradel bieten in ihrem Bistro in Klettenberg viele schöne Weine und kleine Gerichte.

Martin und Belinda Pradel bieten in ihrem Bistro in Klettenberg viele schöne Weine und kleine Gerichte.

Man sitzt sehr gut im „Pradels“, an Holztischen oder im Fensterrahmen auf allerlei Kissen – erste Wahl meiner Kinder. Genau wie die Fruchtsäfte von Van Nahmen. Überhaupt die Getränke: Eine schöne Karte mit offenen Weinen, eine große mit Flaschenweinen, 20 Gin- und 5 Tonic-Sorten, und als Schokoholic unbedingt probieren: die heiße Schokolade mit edler Valrhona-Schokolade. Speisen gibt es durchgängig, und sie sind so klug konzipiert, dass sie Spaß machen, obwohl sie den ganzen Tag angeboten werden. „Pradels Käse-Schinken-Toast“ mit Remoulade oder Basilikumpesto wird von einem kleinen Salat begleitet – wie heute üblich eher süß als herzhaft sauer angemacht. Das teuerste Gericht auf der kleinen Karte ist das Rindergulasch – leider nicht die erste Wahl. Zwar ist es mit feiner Würze versehen und schlotzig-weich gekocht. Doch die Portion ist auch hier viel zu klein, zudem im Verhältnis mit zu viel Gemüse statt Fleisch zubereitet, und den mit grünem Pesto verfeinerten Reisnudeln fehlt es an Biss und einer Aromatik, die es mit dem Gulasch aufnehmen kann. Beim Nachtisch sollte man der durchschnittlichen Crème brûlée das pfiffige und fein abgestimmten Lakritzmousse mit Orangensauce vorziehen.

Sympathisches Konzept

Das größte Problem hier ist die Informationspolitik. Zwar teilen die Pradels auf der Karte mit, dass ihre Käse von der Fromagerie Tourrette stammen, doch bei einem höherpreisigen Edelbistro möchte man schon wissen, um was für Schinken und Käse es sich auf dem Toast handelt, oder um welches Rindfleisch im Gulasch. Dann würde man sich sogar noch wohler fühlen, wobei der freundliche Service und die Chansonmusik bereits einiges dazu beitragen. Man kann sich Weine, frische Salate und Käse auch mit nach Hause nehmen. Ein sympathisches Konzept. „Als Schulnote wäre es eine Zwei“, sagt mein Sohn. Wer bin ich, ihm zu widersprechen? Und zur Senfsuppe: Sie schmeckt immer noch so angenehm cremig und ausgewogen-säuerlich wie zu „Steinmetz“-Zeiten.

Pradels Gottesweg 157, 50939 Köln-Klettenberg, 0221/46009080, Mo-Sa 11-23 Uhr, www.pradels.de

** im Februar 2015**

Dijonsenfsuppe (vegetarisch) // 6,50 €

Pradels Käse-Schinken-Toast / Salat, mit Remoulade oder Basilikum-Pesto // 6 €

Flammkuchen mit Tomatenschmand / Ziegenkäse / Paprika / Zwiebeln (vegetarisch) // 9,50 €

Rindergulasch / Reisnudeln // 12,50 €

Crème brûlée, klein/ groß 2,90 € // 7,50 €

Lakritzmousse / Orangensauce, klein/ groß // 3,50 € / 6,90 €

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