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Sauerkraut und Grand CruWas macht Elsass-Weine besonders?

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Die Elsässische Weinstraße führt auch am Kaysersberg vorbei.

Die Elsässische Weinstraße schlängelt sich über 170 Kilometer von Strasbourg bis Mulhouse, vorbei an berühmten Weinlagen und pittoresken Dörfern, deren Namen wie Eguisheim, Kaysersberg oder Andlau schon verraten, warum das Elsass einzigartig ist: Der Charme dieser Gegend liegt in seiner Mischung aus französisch-deutscher Kultur. Die hübschen Fachwerkhäuser mit den prächtigen Geranien auf der Fensterbank könnten auch in Franken stehen, doch die Lebensart mit ihrem „Laissez-faire“ ist ganz klar französisch geprägt.

Wie überall in Frankreich gibt es einen für die Gegend berühmten Käse – hier der rotschmierige Munster – allerdings steht auch Sauerkraut auf der Speisekarte. Freilich mit dem eleganteren Namen „choucrute“ und mit einem kräftigen Schuss Weißwein verfeinert. Auch die berühmten Weine sind eine Mischung der Kulturen diesseits und jenseits des Rheins. Hier wachsen auch für Deutschland wichtige Rebsorten wie Riesling oder Silvaner. Doch Weinbereitung und Geschmack verraten das französische Herz in der Winzerbrust. Während in Deutschland Weine entstehen, die für sich alleine stehen können, überlegt sich der Elsässer Winzer schon beim Pflanzen der Reben, was er zu dem Wein, der später einmal entsteht, essen kann. Selten sind die Weine einer Region und ihre typischen Speisen so verbunden wie hier.

Rebsorten: Je nach Zulassung im Anbau, in Deutschland Baden,

in Frankreich zum Beispiel Elsass, Burgund, Loire, Mindestlagerzeit auf der Flasche neun Monate.

Vielfalt der Böden und Kleinklimata

Klimatisch ist dieser Landstrich besonders begünstigt. Dabei sollte einen die Lage im Norden Frankreichs nicht täuschen. Die Region liegt im Regenschatten der Vogesen auf der warmen oberrheinischen Tiefebene und konkurriert mit Südfrankreich in Sachen Sonnenstunden. Durch die bewegte geologische Entwicklung entstand eine Vielfalt der Böden und Kleinklimata, was unter anderem das große Spektrum der angepflanzten Rebsorten erklärt. Denn während Riesling die besten Ergebnisse hervorbringt, wenn er auf kargen Granit- oder Schieferböden wächst, kann ein Gewürztraminer sein Füllhorn an Aromen nur auf tiefgründigen Kalk-Mergel Böden entwickeln. Ebenso optimale Wachstumsbedingungen finden hier der Muscat, Silvaner, Weiß-, Grau- und Spätburgunder.

Biowinzer neben traditionellen Produzenten

Neben Boden, Klima und Rebsorten sind es aber vor allem die Winzer, die für eine enorme Stilvielfalt sorgen und es schwierig machen, Elsässer Wein in eine vorgefertigte Geschmacksschublade einzuordnen. Kaum eine andere Region wird von so starken Persönlichkeiten voller Extreme geprägt wie das Elsass. Hier gibt es berühmte Biowinzer, die ihre Weine nicht mehr schwefeln wollen, neben ebenso bekannten, traditionellen Produzenten. Sympathische Sturköpfe, die die Grand-Cru-Klassifizierung ablehnen und andere, die davon überzeugt sind. Winzer die gerne liebliche Weine trinken und andere, die auf knochentrockene Gewächse schwören. Es sind diese Persönlichkeiten, die eine wahre Dynamik in die Region bringen.

Das dies so ist, mag auch an den besonders strengen Regeln des Weinbauverbandes und seinen Strukturen liegen, der versucht, auch obskure Traditionen zu bewahren. So gibt es beispielsweise ein Komitee, das Form und Farbe der Flaschen bestimmt. Dass das Weingut Paul Blanck Flaschen mit Schraubverschluss verwenden konnte, lag unter anderem daran, dass im Regelwerk des „Flaschenkomitees“ diese nicht aufgeführt waren. Keiner hatte vorher überhaupt an die Möglichkeit gedacht, etwas anderes als Kork zu verwenden. Frédéric Blanck schmunzelt, wenn er daran denkt. Seiner Meinung nach schafft eine derart strenge Bürokratie wie die des Komitees auch immer den Ehrgeiz und die Kreativität diese zu untergraben. Und das ist diesseits wie jenseits des Rheins nicht anders.