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Sommer-WeinprobeWir haben Rosé-Weine probiert

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Beerenaromen und Rosa in allen Schattierungen - Rosé ist vielfältig.

Köln – Rosé hatte einst einen schlechten Ruf, doch seit einigen Jahren ist er der Hit der Weinbranche. Die weltweite Produktion ist in den letzten acht Jahren um 13 Prozent gestiegen. Rosé ist zum Trend geworden. Rosé verbindet man mit Sommer, Sonne, Urlaub. Am Image und der Qualität der mehr oder weniger pinkfarbenen Weine wurde enorm gefeilt. Das war aber auch bitter nötig. Noch vor 20 Jahren war der Roséwein selbst für die Winzer nur ein Überbleibsel der Rotweinproduktion. Denn es ist üblich, der Rotweinmaische nach kurzer Standzeit Saft abzuziehen, um den verbleibenden Rotwein mehr Gewicht und Konzentration zu verleihen. „Saignee“ wird dieser Prozess in Frankreich genannt – „Aderlass“.

Damit dieses Beiprodukt verwertet wird, hat man eben Rosé daraus gemacht. Mit hohen Erträgen und wenig Aufwand konnte billig produziert werden. Und so schmeckten die Roséweine auch. Das Ergebnis wurde billig angeboten – was das Image lange ebenfalls beeinträchtigte.

Eine Qualitätsoffensive in Regionen wie Südfrankreich sorgte für den Wandel. Dort, wo wegen des warmen Klimas rote Trauben besser gedeihen, man aber in den heißen Sommermonaten einen gekühlten Wein trinken will, hat Rosé eine lange Tradition. Gerade in der Provence sorgten neue, hochpreisige Roséweine von Starwinzern für Aufsehen. Sie erkannten, dass der Wein vor allem vom jungen Publikum geschätzt wird und überarbeiteten ihre Produktionsweise. Neben der Qualität steht die Farbe besonders im Focus. Denn für keinen anderen Wein gilt die Devise „Das Auge trinkt mit“ so wie für Rosé.

Farbe aus den Beerenschalen

Welche Farbe der Wein bekommt, hängt davon ab, wie lange der Saft der roten Trauben mit den Beerenschalen in Kontakt bleibt. Denn alle Farbstoffe befinden sich in der Traubenhaut und lösen sich nur langsam heraus. Bei einer längeren Maischestandzeit, die bis zu 48 Stunden dauern kann, können tiefdunkle Roséweine entstehen. Wird der Most sofort abgepresst, haben die Weine eine sehr helle Farbe, wie der „Blush“ in Kalifornien oder der „Vin Gris“ in Frankreich. Heute findet man in jedem Weinbauland der Welt exzellente Roséweine in unterschiedlicher Stilistik aus verschiedensten roten Rebsorten: Es gibt alles vom gefälligen Sommerdrink bis hin zum komplexen Speisenbegleiter.Wir haben typische Beispiele aus acht Ländern zusammengetragen und probiert. Mit dabei waren – vom Weineinsteiger bis zum Weinliebhaber bunt gemischt – „Stadt-Anzeiger“-Fotograf Stefan Worring und die „Stadt-Anzeiger“-Mitarbeiter Hannah Schneider, Christiane Vielhaber, Alexander Greven und Britta Höing sowie die beiden Expertinnen Mari Lax-Hoffmann (sie hat ein Diplom vom Kuratorium der Weinakademie Österreich) und Romana Echensperger (Sommelière und Weinkolumnistin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“).