WeinkolumneAlter Bekannter in neuem Stil

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Alles, nur kein Chardonnay!“ Das war irgendwann das Diktat der Weinfreunde in Bezug auf den oft üppigen und mit Holzaromen überladenen Weißwein, der aus allen Teilen der Welt den Markt überschwemmte.
Dabei gehört Chardonnay als Ableger der weit verzweigten Pinot-Familie an die Seite der ganz großen Rebsorten der Welt. Schließlich wird unter anderem der berühmte Weiße Burgunder daraus gekeltert, was verrät, dass diese Sorte besonders in kühlem Klima die besten Ergebnisse erzielt. Diese Eigenschaft erklärt, warum der Wein unter anderem in Neuseeland zur Hochform aufläuft und sich der Genießer die Frage gefallen lassen muss, ob die Zeit für ein Revival gekommen ist.
Chardonnay ist wieder hoffähig geworden. Das liegt vor allem daran, dass sich die Kellermeister in Zurückhaltung üben. So wird der Einsatz von neuen Barriquefässern beschränkt und damit gewährleistet, dass die Röstaromen der getoasteten Eichenfassdauben zwar zur Komplexität beitragen, den Wein aber nicht heillos überschminken. Zur Stilistik des Chardonnay gehört auch eine gewisse Buttrigkeit, die durch den sogenannten biologischen Säureabbau entsteht. Dabei wird durch Zusetzen von Milchsäurebakterien die von Natur aus im Traubensaft enthaltene spitze Apfelsäure in cremige Milchsäure umgewandelt. Damit Textur und Buttrigkeit nicht zu üppig geraten, wird heute oft nur ein Teil des Weines dem biologischen Säureabbau unterzogen. So behält der Chardonnay die für den Trinkfluss nötige Frische.
2011 Kidnappers
Chardonnay
Craggy Range
Hawkes Bay,
Neuseeland
16,95 Euro
Ein Paradebeispiel für diese neue Stilistik ist der Chardonnay vom neuseeländischen Weingut Craggy Range. Die Reben für diesen Wein wachsen unweit des Cape Kidnappers am Pazifik, dessen kühle Brise die Trauben ständig kühlt. Wie für neuseeländische Gewächse üblich, hat auch dieser Wein eine ganz präzise formulierte Aromatik, wenngleich von zurückhaltenderer Natur als die Pendants aus Sauvignon Blanc.
In einem großen Glas geschwenkt, nimmt die Nase feine Aromen von Limone, Mandel, Sahne, Feuerstein, Kalkstaub und einen Hauch von Vanille wahr. Am Gaumen zeigt sich bald eine perfekte Balance zwischen Frische und Cremigkeit. Der Wein verfügt über viel Extrakt und ein langes Finish, an dessen Ende man ganz delikat die Röstaromen des dezenten Barriqueausbaus wahrnehmen kann. Er passt gut zu Herbstgerichten.

