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WeinkolumneDer Elegante aus dem Rhône-Tal

2 min

Die dunklen Trauben erhalten ihre Reife durch Wärme, die von am Boden liegenden Steinen tagsüber gespeichert und nachts abgegeben wird (Symbol)

Wenn gerade kein Stau ist, dann lässt sich entlang der „Autoroute du Soleil“ eine der schönsten Fahrten durch Frankreich machen. Die Autobahn 7 verbindet entlang des wunderschönen Rhône-Tals die Städte Lyon, Orange, Avignon und Marseille. Landschaft, Klima und Atmosphäre werden auf dem Weg in den Süden immer mediterraner, und man fährt an Orten vorbei wie Gigondas oder Châteauneuf-du-Pape – Namen, die der Genießer von Weinetiketten kennt.

Wenige Kilometer nordwestlich von Châteauneuf-du-Pape lohnt es sich haltzumachen. Dort befindet sich das Weingut Clos du Caillou, das über Weinbergsböden verfügt, die denen des berühmten Nachbarn sehr ähnlich sind. Auch hier sind die kargen Sandböden mit großen Steinen übersät, die sich tagsüber aufheizen und nachts die Wärme an die Grenache-Rebstöcke abgeben und damit für die notwendige Reife der roten Trauben sorgen. Das Klima ist warm und der Mistral – ein Wind, der stets aus nordwestlicher Richtung das Rhône-Tal gen Süden hinunterfegt – trocknet die Reben, so dass schädliche Pilzkrankheiten erst gar nicht entstehen können. Hier können die Winzer bequem dem biologischen Landbau nachgehen.

Alte Rebstöcke garantieren Natürlichkeit

Neben den renommierten und mit Preisen überhäuften Châteauneuf-du-Pape-Weinen aus dem Hause Clos du Caillou sind vor allem die Côtes-du-Rhône-Weine bei Kennern beliebt. Sie bieten bei ähnlichem Geschmacksprofil ein sagenhaftes Preis-Genuss-Verhältnis. Dafür sorgen nicht nur die ähnliche Bodenbeschaffenheit, sondern auch die gut 60-jährigen Rebstöcke, die wegen ihres Alters weniger wuchskräftig sind und weniger Trauben ansetzen. So entstehen Weine, die über eine natürliche Konzentration verfügen.

Kellermeister Bruno Gaspard vergärt zudem die Trauben in altmodischen Zementtanks. Es ist erstaunlich, dass sowohl Material als auch die Größe des Gärbehälters die Gärtemperatur und damit Tanninextraktion und Fruchtaromatik stark beeinflussen. Zementtanks erleben derzeit eine Renaissance. Denn im Gegensatz zum Stahltank nehmen sie die Gärwärme gleichmäßig auf und sorgen so für eine gewünschte homogene Temperaturverteilung in der Maische. Viele komplexe, fruchtbetonte Weine mit seidigem Tannin entstehen in Zementtanks – auch wenn diese nicht gerade in das Bild eines romantischen Weinkellers passen.

Wer Côtes-du-Rhône nur als bäuerlich-derben Vesperwein kennt, wird sich über die Eleganz des Le Caillou wundern. Ein feiner Südfranzose, der mit Aromen von kleinen dunklen Beeren, getrockneten Aprikosen und Zartbitterschokolade der Nase schmeichelt. Im Hintergrund erkennt man Wildkräuter, Lavendel, Thymian und weißen Pfeffer. Die Struktur ist geprägt von seidigem Tannin, Würzigkeit und einem angenehm warmen Finish am Gaumen. Es empfiehlt sich, den Wein leicht gekühlt zu mediterran gewürztem Lammfleisch mit Ratatouille und Rosmarinkartoffeln zu genießen.

2012 Le Caillou

Le Clos du Caillou

Côtes-du-Rhône

10,50€

www.viniculture.de