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Weinkolumne ChardonnayEin Wein aus dem Bauch Frankreichs

2 min

Die Wein-Kolumne von Ramona Echensperger

Burgund – jedem Genießer schlägt das Herz höher, wenn er nur den Namen dieser Region hört. Der Landstrich zwischen den Städten Dijon und Lyon ist auch bekannt als „Bauch Frankreichs“. Hier zeigt sich die stolze französische Landwirtschaft von ihrer besten Seite: Charolais Rind, Epoisses Käse und das berühmte Bressegeflügel, das mit der Trikolore auf der gerupften Brust jede Metzgerauslage ziert. Hier ist auch die Heimat von außergewöhnlichem Wein. Wie etwa dem Chardonnay aus berühmten Appellationen wie Meursault oder Montrachet.

Wer nicht unbedingt auf große Namen, aber dafür auf annehmbare Preise Wert legt, der wird im südlichen Teil Burgunds, dem Mâconnais, fündig. Die Landschaft ist weniger spektakulär und die Winzer angenehm bodenständig.

Hier ist Nicolas Cheveau mit seinem kleinen Familienweingut zu Hause, mit dem er in den vergangenen Jahren zum bezahlbaren Geheimtipp avancierte. Cheveau konzentriert sich auf nur eine Rebsorte, den Chardonnay, den er auf 60 verschiedenen Kleinstparzellen kultiviert und die feinen Terroirunterschiede herausarbeitet. Im Mâconnais sind die Böden zwar etwas fruchtbarer als in den prestigeträchtigen Appellationen weiter nördlich, aber ebenso vom Kalk geprägt, was den weißen Burgundern das kraftvolle und mineralische Rückgrad mitgibt.

Es ist unter anderem diesem Fokus auf den Chardonnay zu verdanken, dass Cheveaus Weine so raffiniert und ausdrucksstark sind. Während viele seiner Winzerkollegen überreife Burgunder mit überschwänglichen Holzaromen erzeugten, blieb Cheveau immer bei seinem geradlinigen und zurückhaltenden Stil. Es ist seinen Weinen anzumerken, dass er noch zu der traditionellen französischen Winzergarde zählt, die schon beim Pflanzen der Reben überlegen, was sie später einmal zu diesem Wein essen können.

Delikate Aromen von Melone

So geht Nicolas Cheveau äußerst zurückhaltend mit dem Einsatz von neuen Barriquefässern um, damit sich die Feinheiten des Chardonnay entfalten können. Der Mâcon zum Beispiel wurde gänzlich im Edelstahltank ausgebaut und hat nur durch ein langes Hefelager viel Schmelz und zudem angenehm nussige Noten mit auf den Weg bekommen. Mit seinen delikaten Aromen von Melone sowie einem Hauch von Grapefruit und Mandarine verrät der Wein, dass das Mâconnais wärmer ist als die Gegend rund um das Anbaugebiet Chablis weiter nördlich. Am Gaumen zeigt sich ein deutlich mineralischer, fast salziger Eindruck, gepaart mit feinem Schmelz, angenehmer frischer Säure und mittelkräftigem Körper.

Ein sehniger Wein, der schlank, aber kein Leichtgewicht ist und der als Begleiter zu weißem Geflügel mit Pilzen und Sahne eine gute Figur machen wird.

2012 Mâcon Davayé / Domaine Cheveau / Burgund / 11,50 Euro

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