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LieblingsortKölns erste Wermut-Bar: Warum im „A Ver“ in Sülz eine wunderbare Kultur gepflegt wird

4 min
Der Gastraum der Bar mit kleinen Marmor-Tischen und Blumengesteck auf einem Weinfass.

Die Wermut-Bar A Ver in Sülz hat wohl eine Genuss-Lücke gefüllt: Von Beginn an war sie ein Erfolg.

Die Geschwister Ruckes bringen den spanischen Aperitivo nach Sülz - das ist in vielerlei Hinsicht eine gute Nachricht.

Wer jemals Spanien bereist hat und neugierig gegenüber Ess- und Getränkekultur ist, dem sind sie längst aufgefallen: die Wermut-Bars. Häufig sind das ganz kleine Läden, teilweise auch nur ein Fenster. Es gibt exakt ein Getränk, das auf Eis mit Orange serviert wird, Wermut. Dazu ein Schälchen Oliven, vielleicht noch einen Teller Schinken und das war’s. Das Angebot kann variieren. Es gibt Wermut in weiß, rot und sogar rosé. Manche Bars bieten verschiedene Winzer und Jahrgänge an. Es gibt sogar eine Wermut-Stunde, ursprünglich sonntags nach dem Kirchgang. Die spanische Version des Frühschoppens ist die „Hora del Vermut”.

Julia Floß

Julia Floß

Julia Floß ist ausgebildete Köchin und Patissière und hat viele Jahre in verschiedenen von Gault-Millau und Guide Michelin ausgezeichneten Küchen gearbeitet, bevor sie Journalismus und Medienkommunika...

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Der aromatisierte Wein erlebt zurzeit eine kleine Renaissance, was möglicherweise auch an der spanischen Künstlerin Rosalía liegt. Ihr „How to Vermut”-Video wurde millionenfach geklickt. Sie macht vor, welche Snacks man zum traditionell katalanischen Aperitif reicht. In Köln übernimmt ein Geschwisterpaar diese, aus kulinarischer Sicht, pädagogisch sehr wertvolle Aufgabe: Linda und Tom Ruckes.

Die beiden sind im Lokal zu sehen und lächeln in die Kamera.

Linda und Tom Ruckes rücken das angekratzte Image von Wermut in Deutschland wieder zurecht.

Im März eröffneten sie ihre hübsche Wermut-Bar in Sülz und wurden spontan überrannt. Der Andrang war riesig. Die beiden haben zielsicher eine Gastro-Lücke getroffen. Auf der Karte steht, wer hätte es gedacht, Wermut. Fünf Rote, fünf Weiße und ein Rosé. Wer möchte, kann auch gegeneinander testen und sich drei Sorten zum Probieren aussuchen.

Wermut kommt mit Tonic Water oder Espresso gemischt, als Spitz oder Cocktail-Klassiker Negroni

In Deutschland hat Wermut immer noch einen, nun ja, zweifelhaften Ruf. Man findet ihn zwar in Küchenschränken, aber grundsätzlich gilt er als Kopfschmerz-Garant. Süß, aufgespritet, gepanscht - das sind die Attribute, die viele mit Wermut verbinden.

Im „A Ver” kann man sich von der Vielfältigkeit dieses Getränks überzeugen lassen. Es gibt ihn in trocken und in lieblich, in herb-kräutrig und eher fruchtig. Auf der Karte wird er weiterhin mit Tonic Water oder Espresso gemischt, zum Spitz umgewandelt oder zum beliebten Cocktail-Klassiker Negroni gerührt. Linda und Tom bieten auch spannende alkoholfreie Alternativen.

Ein Snack-Teller mit Spießchen und ein Cocktail mit Olive sind zu sehen.

Bei einfachen Snacks zählt die Qualität der Zutaten doppelt - die stimmt im A Ver.

Kommen wir zum zweitwichtigsten Bestandteil der Hora del Vermut, den Snacks. Auch hier haben die Geschwister Ruckes sehr gut aufgepasst und vor allem in Spanien sehr gut eingekauft: Eingelegte Gordal-Oliven oder die kleineren Sevillana, Pan con Tomate, ausgewählte Fisch-Konserven und mein persönliches Highlight, Gildas. Die ursprünglich baskischen Spieße, also Pinxtos, bestehen aus exakt drei Komponenten: eine grüne Olive, eine grüne in Essig eingelegte Piparra-Schote und eine in Salz oder Öl eingelegte Sardelle. Drei ausgewählte Zutaten. Salz, Umami, Säure und eine ganz leichte Schärfe - dieser Snack ist der ideale Türöffner für das nächste Getränk oder das Abendessen.

Rita Hayworth als angebliche Namensgeberin

Angeblich ist der fabelhafte Spieß nach dem Film mit Rita Hayworth aus dem Jahr 1946 benannt. Im „A Ver“ wird eine vegetarische und sogar eine vegane Version serviert. Getrocknete Tomaten, Käse und marinierte Artischocken werden mit Oliven und den eingelegten, grünen Paprikaschoten, den Piparras kombiniert.

Der Snack, der Dank Rosalía viral ging, darf in der Kölner Wermut-Bar natürlich nicht fehlen, Chips mit Topping und Salsa Aperitivo, einer säurebetonten Chilisauce. Die knusprigen, gesalzenen Kartoffelchips werden beispielsweise mit eingelegten Miesmuscheln oder hauchdünn geschnittenem Serrano-Schinken serviert. Darüber werden Oliven und Pipparas verteilt. Jeder Bissen schmeckt ein bisschen anders. Es geht um das Spiel mit den Texturen, Abwechslung und eine gewisse Neugierde gegenüber Geschmackskombinationen.

Der Plan von Linda und Tom, die spanische Aperitif-Kultur nach Köln zu bringen, geht auf. Der eingeplante Jahresvorrat war nach zwei Monaten bereits leergetrunken: „Die Kölner lieben Wermut.“ Übrigens: Wer am Nachmittag noch nicht die Hora del Vermut einläuten möchte, kann auch zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen greifen.

A Ver - Café & Vermut, Weyertal 15, 50937 Köln, Tel: 0221/39797878, Öffnungszeiten: Mi-Sa ab 14 Uhr, So 12-20 Uhr, www.a-ver.de

Der Außenbereich ist zu sehen mit Häuserfassaden

Wer am Nachmittag noch nicht in Wermut-Stimmung ist, kann auch zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen greifen.

Meine Auswahl:

Tres Vermuts // Probier-Dreierlei // 9 Euro

Gilda klassisch // Olive, Piparra, Anchovis // 3 Euro

Pan con Tomate // 5 Euro

Loaded Mejillones // Gesalzene Chips mit eingelegten Miesmuscheln, Oliven, Piparras und hausgemachter Salsa Aperitivo // 7 Euro

Turmeon Blanco // weißer Wermut aus Zaragoza // 8 Euro