Henns RestaurantkritikLandhausküche bei Gut Clarenhof – so schmeckt's im „Landbrenner“ in Frechen

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Martin Temme an der Theke seines Restaurants Landbrenner

Martin Temme an der Theke seines Restaurants Landbrenner

Gekocht wird mediterrane Landhausküche. Das Fleisch stammt aus tierfreundlicher Haltung.

Nur mit dem Tuch anfassen. Sonst tut es weh!“ Die Serviererin stellt den heißen Topf vor mich. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich muss nach so einem Satz immer kurz testen. Und ja, der Topf ist verdammt heiß. Das ist auch gut so, denn in ihm befindet sich der Tafelspitz, eine der Spezialitäten des „Landbrenner“ in Frechen. Serviert wird er in drei Gängen: zuerst die Bouillon, dann ein Markknochen, dessen Inhalt man sich auf Kartoffelbrot schmiert, und schließlich das zarte Rindfleisch mit Schnittlauchemulsion, Blattspinat und Meerrettich.

Carsten Henn

Carsten Henn

Carsten Henn, geboren 1973 in Köln, besitzt einen Weinberg an der Terrassen-Mosel, hält Hühner und Bienen und teilt sein Leben mit Katzen. Er arbeitete nach seinem Studium (unter anderem Weinbau) als ...

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Wer jetzt davon ausgeht, dass im Landbrenner österreichisch gekocht wird, der liegt falsch. Auf die Fahnen geschrieben haben sich Gastronom Martin Temme und sein Team vor allem eine „Mediterrane Landhausküche“, sowie Gerichte vom Grill. Sämtliches Fleisch stammt aus tierfreundlicher Haltung.

Gambas andalusischer Art

Von der Pasta bis zum Eis, so steht’s auf der Homepage, wird alles selbst hergestellt. Da die Lockdown-Zeit zum Renovieren genutzt wurde, speist man jetzt in modernen, offenen und akustisch angenehmen Räumlichkeiten mit klugem Lichtkonzept. Aber zurück zu dem, was auf den Tisch kommt. Gambas andalusischer Art werden in der Keramikschale serviert und weisen eine schöne Knoblauchnote und angenehme Festigkeit auf. Die Bouillabaisse ist zwar eher zurückhaltend in ihrer Aromatik, dafür mit viel Einlage und einer in der Schärfe charmant eingestellten Rouille-Chili-Crème.

„Caesars Liebling“ nennt sich eine Edel-Variante des Salat-Klassikers, mit Maispoulardenbrust Supreme Lable Rouge und Risoleekartoffeln. Genauso saftig wie das Geflügel gelingt das Rotbarschfilet mit knuspriger Panierung, sowie Kartoffel- und Gurkensalat. Beim kross angebratenen Schweinefilet wurde der Garpunkt dagegen knapp verfehlt und die Kräuterkruste ist nur eine Paste, die zu wenig Kräuteraromen aufweist. Dafür sind die Beilagen – Döppekuchen, Spitzkohl, Waldpilzrahm – sämtlich überzeugend. Die Küche schafft es gekonnt, all diese Klassiker ein wenig zu verfeinern, ohne ihnen dabei ihren rustikal-herzhaften Charme zu rauben. Die Produktqualität stimmt dabei durch die Bank.

Nur zwei wirkliche Desserts stehen auf der Karte. Der im heißen Topf servierte Rhabarber-Crumble bietet eine präzise Fruchtnote und schönen Knusper, die dazu servierte Pflaumensauce besitzt kecke Säure und das Eis ist nicht zu süß. Schokokuchen mit flüssigem Kern bekommt man mittlerweile an jeder Ecke, nicht aber ein so köstliches Mango-Passionsfrucht-Chutney dazu. Auf der kleinen Weinkarte finden sich einige richtig gute und fair kalkulierte Weine. Der Service ist sehr freundlich, eine Besonderheit ist, dass nicht mit Bargeld bezahlt werden kann.

Fazit: Mediterrane Landhausküche aus guten Produkten, schönes Ambiente. Guter Service und Wein. Bewertung 5 von 6 Sternen. 

Restaurant Landbrenner: Gut Clarenhof 6, 50226 Frechen, Tel.: 0 22 34/ 94 47 66; Geöffnet:  Di ab 17 Uhr, Mi-So ab 11.30 Uhr (letzte Order 20.45 Uhr) www.landbrenner.de

Probiertes

  • Bouillabaisse // 11 Euro
  • Tafelspitz // 36 Euro
  • Gambas andalusischer Art// 12 Euro
  • Caesar’s Liebling// 22 Euro
  • Schweinefilet mit Kräuterkruste // 31 Euro
  • Pflaumencrumble // 7 Euro
  • Schokokuchen mit flüssigem Kern // 7 Euro
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