WeinkolumneDer Stolz Württembergs

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Württemberg ist die viertgrößte Weinbauregion Deutschlands, und doch sind die Weine von dort nicht weit verbreitet. Das liegt auch daran, dass in und um ökonomisch starke Städte wie Stuttgart und Heilbronn der erzeugte Wein schon immer genügend lokalpatriotische Anhänger gefunden hat. „Wer früher Wein nach Frankfurt lieferte, hat schon von Export gesprochen“, erzählt Axel Gerst, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft in Cleebronn. Ein anderer Grund sind die hier weit verbreiteten und beliebten Rebsorten Trollinger und Schwarzriesling, die solide Zechweine für den traditionellen, württembergischen „Viertelesschlotzer“ liefern, doch nicht dazu geeignet sind, deutschlandweit ein Image als Qualitätsregion aufzubauen.
2011 Lemberger trocken „Herzog Christoph“Weingärtner Cleebronn-GüglingenWürttemberg9,10 Eurowww.cleebronner-winzer.de
Der Stolz Württembergs ist die Rotweinsorte Lemberger. In Österreich ist die Traube als blaufränkisch bekannt und respektiert. Mit kräftiger Statur und kräftigem Tanningerüst kann der Lemberger als deutscher Cabernet Sauvignon bezeichnet werden. Weil er besonders gut in den windgeschützten Lagen und auf den Kalkböden zwischen Schwarzwald und Neckar gedeiht, avancierte er zum regionalen Markenzeichen, vor allem außerhalb der württembergischen Landesgrenzen.
Altwürttembergische Landordnung
Dass hier der Großteil der Traubenernte von Genossenschaften verarbeitet wird, ist auf die altwürttembergische Landordnung aus dem Jahre 1552 zurückzuführen. Hier wurde geregelt, dass im Erbfall die vorhandenen Flächen gleichmäßig auf alle Kinder verteilt werden müssen. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte immer kleinere Betriebe, für die es oft nicht mehr rentabel war, die eigenen Weine auszubauen und zu vermarkten. Diese Kleinstbetriebe haben im 19. Jahrhundert von der Genossenschaftsidee profitiert. Dass Genossenschaften heute mit den besten privat geführten Weinbaubetrieben mithalten können, beweisen unter anderem die Weingärtner Cleebronn-Güglingen. Mit einem ausgeklügelten Qualitätssicherungssystem und dem pfiffigen Managementteam rund um Axel Gerst, das die Mitglieder motiviert und antreibt, gehört diese Genossenschaft jedes Jahr zu den am besten bewerteten des Landes.
Besonders gut ist auch hier der Lemberger „Herzog Christoph“ gelungen, der von ertragsreduzierten Rebanlagen stammt und im Holzfass ausgebaut wird. Die dunklpurpurne Farbe verrät schon die Kraft des Weines. In der Nase erkennt man typische Aromen von Waldbeeren, Wildkirschen, Wacholder und Zartbitterschokolade. Am Gaumen zeigt sich ein kräftiges, aber abgerundetes Tanningerüst, das mühelos von der saftigen Frucht getragen wird. Die milde Säure sorgt dafür, dass der Wein im Finish nicht zu schwer wirkt. Ein körperreicher Wein, der zu Wildgerichten passt und noch besser zum regionalen Klassiker Zwiebelrostbraten.
