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So reisen Sie nachhaltigTipps für die Urlaubsplanung über Siegel und Greenwashing

4 min
Eine Touristin steht in der Red Valley in Peru

Nachhaltiges Reisen beginnt mit bewusster Planung: Weniger, dafür längere Reisen helfen, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, selbst bei fernen Zielen.

Nachhaltig reisen ist mehr als CO2-Ausgleich. Worauf Urlauber bei der Planung und der Wahl der Unterkunft achten sollten.

Es ist allgemein bekannt, dass die Nutzung der Bahn klimafreundlicher ist als das Fliegen. Genauso wenig ist es ein Geheimnis, dass ein Flugausgleich mittels eines finanziellen Aufpreises die Freisetzung von klimaschädlichen Emissionen nicht unterbinden kann. „Je länger der Flug, umso mehr CO2 wird ausgestoßen. Das CO2 ist trotzdem da, auch wenn man in ein Baum- oder Klimaprojekt investiert“, äußert sich Sabine Blanke vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ).

Dennoch existieren Destinationen, die seit Langem auf der Wunschliste stehen und in großer Distanz liegen. Ein Ausgleich stellt in diesem Fall eine Möglichkeit dar, ist aber nicht die alleinige Maßnahme. Welche weiteren Aspekte können Urlauber berücksichtigen, die bei der Wahl von Reiseziel und Unterkunft auf Umweltverträglichkeit achten?

Nachhaltige Reiseplanung

„Wenn Fliegen sich nicht vermeiden lässt, sollte man lieber eine große, lange Reise planen – statt vieler kleiner Kurztrips“, empfiehlt Petra Thomas vom „Forum Anders Reisen“, einer Vereinigung von Veranstaltern, die sich auf nachhaltige Touren fokussieren. Bei umweltbewusstem Reisen gehe es um mehr als nur Klima, Umweltschutz, Tierwohl und soziale Normen. „Aber es geht auch darum, etwas mehr Ruhe hereinzubringen“, fügt Thomas hinzu.

Ihre Empfehlung lautet daher: „Je weiter man wegfliegt, umso länger sollte man vor Ort bleiben.“ Diese Vorgehensweise hat nicht nur einen günstigen Effekt auf die CO2-Bilanz. „Es kann auch gesundheitliche Vorteile haben, wenn der Körper mehr Zeit bekommt, sich ans Klima zu gewöhnen. Und man kann oft tiefer in die Kultur eintauchen und bekommt mehr Chancen auf echte Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung“, erläutert Thomas.

Nachhaltige Anbieter und Unterkünfte ausfindig machen

Die Wahl sollte vorzugsweise auf einen Reiseveranstalter fallen, der sich zu verbindlichen ökologischen und sozialen Normen bekennt, so die Empfehlung des Umweltbundesamtes. Bei der Recherche nach einer Bleibe kann man auf zertifizierte Betriebe und Gütezeichen achten. Das EVZ führt dazu einige Beispiele an:

Derartige Gütezeichen berücksichtigen häufig nicht ausschließlich ökologische Kriterien, sondern ebenso ökonomische und gesellschaftliche im Kontext einer zukunftsfähigen Tourismusbranche. Eine Übersicht über verschiedene Siegel und ihre jeweilige Schwerpunktsetzung ist beispielsweise auf der Webseite tourismus-labelguide.org zu finden. Beim Forum Anders Reisen lassen sich zudem umweltverträgliche Destinationen entdecken. Portale wie Ecobnb oder Naturhäuschen haben sich laut Angaben des EVZ auf zukunftsfähigen Tourismus fokussiert.

Gütesiegel als Orientierungshilfe

Die Anzahl der Siegel übersteigt inzwischen 140, wodurch man leicht den Überblick verlieren kann. „Wichtig ist, dass es sich um anerkannte Zertifikate handelt. Die Kriterien für die Vergabe sollten transparent sein und von einer unabhängigen Stelle geprüft werden“, äußert sich Petra Thomas. Eine kritische Prüfung ist trotzdem ratsam: „Man sollte aufpassen, ob solche Siegel fälschlich genutzt werden – wenn die Unterkunft etwa nur ein Foto auf ihre Internetseite kopiert, ohne die Kriterien zu erfüllen“, warnt die EVZ-Juristin Blanke.

Authentische Zertifikate sind oft klickbar und leiten auf die Webseite des ausstellenden Organs weiter. Im Gegensatz dazu sind gefälschte Siegel meist nur unbewegte Bilder, wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erläutert. Ab dem 27. September ist es Unternehmen zudem nur noch gestattet, mit Nachhaltigkeitskennzeichnungen zu werben, welche von unabhängigen Zertifizierungsstellen oder staatlichen Institutionen vergeben wurden. Blanke zufolge existieren jedoch insbesondere kleinere Herbergen, die äußerst umweltbewusst agieren, aber über kein Zertifikat verfügen. „Siegel sind ein guter, erster Anhaltspunkt, aber Verbraucher sollten sich darauf nicht allein verlassen.“

Nachhaltige Anbieter identifizieren: Eindeutige Merkmale

Wirbt eine Herberge oder ein Veranstalter mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“, ist es ratsam zu hinterfragen, was genau darunter verstanden wird. „Der Begriff Ökotourismus ist nicht geschützt. Da besteht die Gefahr des Greenwashings“, so Blanke. Urlauber könnten zum Beispiel nachhaken: Wie ist die Erreichbarkeit der Unterkunft mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Wird mit lokalen Partnern zusammengearbeitet? Verwendet der Betrieb Ökostrom? Finden Mülltrennung und Wassersparmaßnahmen statt?

Des Weiteren empfiehlt Petra Thomas, die Wirtschaft und die Menschen vor Ort zu fördern: „Reisende können nach Inhaber-betriebenen Unterkünften und Familienbetrieben suchen, statt auf große, internationale Hotelketten zu setzen. Da ist die Betreuung oft persönlicher.“ Eine private Bleibe kann ebenfalls umweltfreundlich sein – bei Optionen wie Couchsurfing oder einem Wohnungstausch nutzen Urlauber vorhandenen Wohnraum und treten idealerweise mit der lokalen Bevölkerung in Verbindung. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.