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Rettungsplan für WalTierschützer: Es gibt keine Auffangstation für Großwale

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Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee

Der Wal liegt in einer Ecke des Lastkahns.

Ein Buckelwal wird aus der Ostsee transportiert. Doch Experten zweifeln an der Rettungsaktion und dem Plan B.

Für den seit Wochen in der Ostsee festsitzenden Buckelwal wurde von der privaten Rettungsinitiative ein Alternativplan entwickelt. Falls das Tier für eine Freilassung nicht kräftig genug sein sollte, könnte es in einer speziellen Einrichtung gepflegt werden, äußerte die juristische Vertreterin der Initiative, Constanze von der Meden. Tierschutzexperten stellen die Umsetzbarkeit dieses Vorhabens jedoch stark infrage.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) führt aus, dass in Europa zwar diverse Einrichtungen für kleinere Walarten existieren. „Auffangstationen, die Kapazitäten für die Aufnahme eines Wals dieser Größe, geschweige denn Erfahrungen mit dem 'Aufpäppeln' von Buckelwalen hat, sind uns weder in Europa noch weltweit bekannt“, so die Organisation. Es sei unüblich, große Wale in menschlicher Pflege zu halten.

Zustand des Tieres nach wochenlangem Festsetzen

Der männliche Wal, dessen Alter auf vier bis sechs Jahre geschätzt wird, wurde am Dienstag bei der Ostsee-Insel Poel auf einen Lastkahn gehievt, den ein Schlepper nun in Richtung der Nordsee befördert. Das Tier war Anfang März erstmalig in der Ostsee bemerkt worden und hielt sich in den etwa 60 Tagen vor dem Transport ungefähr zwei Drittel der Zeit in seichten Gewässerbereichen auf. Der Meeresbiologe und Walexperte Fabian Ritter äußerte Bedenken, ob das Tier nach der ausgedehnten Ruhephase noch fähig zum normalen Schwimmen und Tauchen ist. Aufgrund von Netzresten, die in seinem Maul entdeckt wurden, sei zudem die Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme ungewiss.

WDC vertritt prinzipiell die Position, dass Wale und Delfine ein Anrecht auf ein Leben in Freiheit besitzen. Die Organisation stellt klar, dass sie keine Sanatorien für wildlebende Meeressäuger befürwortet, die ohne menschliche Hilfe in der Wildnis nicht überleben könnten. Die Erfahrung lehre, dass eine anschließende Wiedereingliederung in die Natur zumeist scheitere, wodurch die Tiere zu einem Dasein in Gefangenschaft gezwungen würden. „In Gefangenschaft leiden Wale und Delfine erwiesenermaßen psychisch wie physisch“, teilte WDC mit. Es wird angenommen, dass der entkräftete Buckelwal selbst in einer solchen Einrichtung keine dauerhafte Überlebensperspektive hätte.

Juristische Bedenken bezüglich des Transports

Darüber hinaus bereitet WDC die ungeklärte Zuständigkeit für den Wal jenseits deutscher Hoheitsgewässer erhebliche Bedenken. „Wer entscheidet nun, ob der Transport weiterhin zulässig ist?“, fragt die Organisation. Eines der maßgeblichen internationalen Organe sei die Internationale Walfangkommission (IWC), welche sich schon ablehnend zu dem Transport geäußert habe. Eine Ignorierung ihrer Empfehlungen könnte juristische und politische Schwierigkeiten nach sich ziehen.

Zusätzlich verweist WDC auf die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Spezies, die Unterzeichnerstaaten zur Risikominimierung verpflichte und auch für große Wale im europäischen Raum Anwendung finde. Schließlich sei auch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von Bedeutung. Diese untersagt bewusste Störungen, insbesondere von geschwächten Exemplaren, und versieht Meeressäuger mit einem strengen Schutzstatus. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.