Eine Folge der Umstellung von G8 auf G9 ist der Wegfall fast eines ganzen Jahrgangs an den Gymnasien. Was das bedeutet.
Nach den OsterferienSo wenig Abiturienten wie nie treten in Köln und NRW zu den Prüfungen an

In NRW machen in diesem Jahr vergleichsweise wenig junge Menschen Abitur.
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Für Abiturientinnen und Abiturienten in Nordrhein-Westfalen beginnt in der Woche nach den Osterferien die Klausurphase. An 725 Schulen werden die Prüfungen in diesem Jahr abgelegt. Am Donnerstag, 16. April, werden Klausuren in einigen Fremdsprachen geschrieben, einen Tag später geht es mit den Leistungskurs-Prüfungen in vielen Fächern wie Sozialwissenschaften, Geschichte, Kunst und Musik weiter. Bis Anfang Mai erstreckt sich wie in jedem Jahr die Prüfungsphase.
Die Zahl der Prüflinge unterscheidet sich in diesem Jahr jedoch deutlich von der früherer Jahre: Nur rund 30.000 Abiturientinnen und Abiturienten werden es 2026 sein, wie das Schulministerium mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es dagegen 78.000, 2024 mehr als 80.000.
Grund für die geringe Zahl an Abiturientinnen und Abiturienten in diesem Jahr ist die Rückkehr von der achtjährigen Gymnasialzeit (G8) zu neun Jahren (G9) an den meisten Gymnasien in NRW. Der letzte G8-Jahrgang hatte 2025 das Abitur abgelegt. Der nachfolgende Jahrgang ist bereits im G9-Modus und macht erst 2027 Abitur. Dann werde die Zahl der Abiturienten an allen Schulformen voraussichtlich wieder auf rund 70.500 steigen, so das Ministerium.
Nur wenige Abiturienten an NRW-Gymnasien
Der Großteil der 30.000 Abiturientinnen und Abiturienten 2026 kommt von Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs, Waldorfschulen und Berufskollegs. Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers beläuft sich die Zahl der Prüflinge an den Gymnasien landesweit auf nur rund 5.200, da diese Schulform von der Umstellung von G8 auf G9 betroffen ist. An Gesamtschulen beispielsweise gab es in den vergangenen Jahren durchgängig 13 Jahrgänge. Auch an anderen vereinzelten Gymnasien gab es G9.
Bei denjenigen, die an Gymnasien ihr Abitur ablegen, handelt es sich im Wesentlichen um Wiederholer oder Schülerinnen und Schüler, die die Schulform gewechselt haben, beispielsweise von einer Realschule. Sie wechselten in dem Jahr, in dem es keine Einführungsphase (EF, 11. Jahrgangsstufe) gab.
Abijahrgang 2026: So ist die Lage in Köln
Die wenigen Abiturientinnen und Abiturienten an den Gymnasien wurden an Schulen zusammengefasst, um den Aufwand zu minimieren. Von diesen sogenannten „Bündelungsgymnasien“ gibt es NRW-weit 95. In Köln fungieren fünf Schulen als Bündelungsgymnasien: das Georg-Büchner-Gymnasium, das Ursulinengymnasium, die Kaiserin-Augusta-Schule, die Kaiserin-Theophanu-Schule und das Ferdinand-Franz-Wallraf-Gymnasium.
Insgesamt sind in Köln laut Stadt in diesem Jahr rund 2000 Schülerinnen und Schüler zur Abiprüfung zugelassen, sonst sind es rund 5200. Sie verteilen sich auf verschiedene Schulformen: Den größten Anteil stellen die Gesamtschulen (1.019 Schüler), gefolgt von Berufskollegs (478), den fünf Gymnasien (367), Weiterbildungskollegs (118) und der LVR-Förderschule Anna-Freud-Schule (18).
Mit fünf Bündelungsgymnasien hat Köln landesweit die höchste Zahl, nur in Essen gibt es ebenfalls fünf dieser Schulen. In den meisten anderen Städten und Kommunen sind es weniger.
Raumnot an Kölner Gymnasien
Durch die in diesem Jahr weitgehend fehlenden Abgänger haben viele Gymnasien mit Raumnot zu kämpfen. Gerade in Köln, wo viele Schulen ohnehin schon am Limit sind, verschärft sich das Problem. Im Sommer starten die neuen Fünftklässler, während der erste Jahrgang der 13. Klassen ebenfalls noch untergebracht werden muss. Bis zu 120 Schülerinnen und Schüler mehr bedeutet das für Kölner Schulen teilweise.
Dafür müssen bis zum Sommer noch an einigen der 38 Kölner Gymnasien die Kapazitäten angepasst werden. Anfang Februar hatte die städtische Gebäudewirtschaft mitgeteilt, es müsse noch an sechs Schulen nachgebessert werden. Insgesamt werden in Köln etwa 3150 Schülerinnen und Schüler in der neuen Jahrgangsstufe 13 erwartet.
Die achtjährige Gymnasialzeit (G8) war in NRW 2005 eingeführt und nach anhaltender Kritik seit dem Schuljahr 2019/20 mit den Jahrgangsstufen 5 und 6 wieder rückabgewickelt worden. (mit dpa)
