Aktuell 34.000 BettenWie sich die Kölner Hotel-Landschaft verändern wird

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Hotels Motel One

Das Motel One an der Messe

  1. Ausgerechnet in der Pandemie-Zeit sind in Köln zahlreiche neue Hotels eröffnet worden.
  2. Sie mussten einige Durststrecken überwinden, doch jetzt lebt das Messegeschäft wieder auf. Den Anfang macht am kommenden Dienstag die weltweit größte Videospielmesse Gamescom.
  3. Wir haben nachgefragt, wie jetzt die Belegungszahlen aussehen – und ob es in Köln sogar Bedarf für noch mehr Hotels gibt.

Köln – Es schien zur Unzeit zu passieren. Ausgerechnet in den Pandemiejahren, in denen zeitweise weder Touristen noch Geschäftsleute in die Stadt kamen, eröffnete in Köln ein Hotel nach dem anderen: Zwei Moxy-Hotels am Flughafen und in Mülheim (insgesamt 470 Zimmer), das Ruby Ella am Ring (186 Zimmer), ein Motel One an der Messe mit 308 Zimmern, das Adina Apartment Hotel in Deutz, das Urban Loft am Eigelstein, zwei Koncept-Hotels am Blaubach und in Nippes und das deutschlandweit größte B&B in Ehrenfeld (220 Zimmer).

Die Planungen für diese Hotels starteten natürlich lange vor der Pandemie – weil es in Köln vor allem wegen der Messen einen großen Bedarf an Betten gibt. Die fanden wegen Corona nicht statt. Doch nun lebt das Messegeschäft wieder auf. Am Dienstag startet die weltweit größte Videospielschau Gamescom, nach zwei rein digitalen Jahren erstmals wieder in Präsenz.

Moxy öffnete rechtzeitig zur Gamescom

Und dafür hat das Moxy an der Schanzenstraße Anfang August gerade rechtzeitig eröffnet. „Die Nachfrage ist gut, wir sind zwar nicht voll ausgebucht, aber zu 80 Prozent. Und damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Sales-Manager Benedict Vandamme. Hatte das Hotel noch eine Eröffnungsrate von 79 Euro, kann nun der Messepreis von 370 Euro für ein Zimmer verlangt werden.

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Hotels Moxy

Die Lobby des frisch eröffneten Moxy im Schanzenviertel

Das Ruby Ella am Ring hat im Sommer 2021 aufgemacht. Seit April diesen Jahres sei man „sehr zufrieden“ mit den Zuwachsraten bei der Belegung, sagt die Pressesprecherin der in München beheimateten Ruby-Gruppe, Kristin Lingner. Zur Messe sei das Haus komplett ausgebucht – obwohl es nicht in Messenähe ist. Die Gäste schätzten die Innenstadtlage.

Hotels Ruby Bar

Die Bar im Ruby-Hotel am Ring

Die meisten der neuen Hotels sind im Drei- und Vier-Sterne- Bereich angesiedelt, obwohl sie selbst auf diese etwas überholte Einordnung verzichten. Sie sind fast alle – manchmal zum Verwechseln ähnlich – im Industrial Style eingerichtet. Sie sprechen vor allem jüngeres und digitalaffines Publikum an. Althergebrachte Einrichtungen wie Rezeption, eigenes Restaurant oder Festnetztelefone fallen wegen, dafür gibt es digitales Einchecken, viele Steckdosen und Buchsen im Zimmer großzügige Lobbys, in denen man am Computer arbeiten kann.

Designorientierte Hotels locken junge Gäste

Jürgen Amann, Geschäftsführer von Köln-Tourismus, begrüßt diese „neue Welle“ sehr: „In der Krise sind junge, designorientierte Hotelprodukte dazugekommen, die sich bewusst nicht in die gängige Klassifizierungssystematik einordnen lassen.“ Noch sei man bei den Besucherzahlen 20 Prozent hinter dem Vor-Corona-Spitzenwert von 2019. Aber man spüre langsam eine Normalisierung.

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Auch Messe-Chef Gerald Böse sieht die Entwicklung sehr positiv. „Die neuen Drei- bis Vier-Sterne-Hotels begrüßen wir sehr, sie sind zum Beispiel vor allem bei den Gamescom-Besuchern beliebt.“ Zwar liege man bei den erwarteten Besucherzahlen der Messen bei etwa 70 Prozent der Vor-Pandemie-Zeit. „Darüber sind wir aber sehr froh, denn wir kommen quasi von Null.“

Ruby Zimmer

Zimmer im Hotel Ruby am Ring

Die neuen Hotels sind die dritte große Gründungswelle in Köln. Der Markt war seit den 1960er Jahren lange von Privathotels beherrscht. Die erste Öffnungswelle gab es dann von 1988 bis 1990: Maritim, Hyatt, Crowne Plaza (heute Steigenberger), Renaissance (heute Lindner City Plaza) und Dorint Kongresshotel (heute Pullman) entstanden.

Köln hat 34.000 Hotelbetten

Die zweite Welle rollte von 2000 bis 2003: Unter anderem eröffneten das Dorint und das Radisson an der Messe, das Intercontinental (heute Dorint am Heumarkt), das Scandic (heute Hilton), das Novotel, das heutige NH-Hotel im Mediapark, das Lindner Hotel Dom Residence und das Art’otel.Von 2000 bis 2016 hat sich die Bettenzahl auf 33.000 fast verdoppelt. Die Besucherzahlen in Köln stiegen stetig an und erreichten 2019, also direkt vor der Pandemie, ihren Höhepunkt.

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Heute gibt es mehr als 34.000 Betten. Und es könnte, ginge es nach den Fachleuten, auch noch eine kleine vierte Welle geben – die der Fünf-Sterne-Hotels. Köln-Tourismus-Chef Jürgen Amann sagt: „Wir wünschen uns eine Abrundung des Hotelangebots nach oben.“ Und Messe-Chef Gerald Böse sagt: „Weiterhin besteht Bedarf an Fünf-Sterne-Häusern. Unser neues Confex Conference Center wird da noch einmal neue und kaufkräftige Zielgruppen nach Köln ziehen.“ Die Neueröffnung des Wasserturm-Hotels und die anstehende Wiedereröffnung des runderneuerten Dom-Hotels seien da erste Schritte. Aber es dürfe auch ruhig noch etwas mehr Luxus sein.

Köln hat bundesweit Spitzenplatz  

Köln habe an Anziehungskraft nichts verloren, so Amann. Auch außerhalb der Messen. „Unter den großen deutschen Städten hatte Köln im ersten Halbjahr 2022 mit den größten Zuwachs in der durchschnittlichen Auslastung. Generell war auch die Auslastung über die Sommermonate gut.“ Die reduzierte Zahl an Geschäftsreisenden konnte durch Freizeittouristen kompensiert werden. Köln hatte besonders jüngere Gäste mit Werbekampagnen gelockt, die dann die neuen Hotelangebote schätzten. Und auch die Kölner mögen die neuen Häuser. „Unsere Bar wird von den Kölnern sehr gut angenommen“, sagt die Ruby-Sprecherin.  

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