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Autofahrer parken in LadezonenPaketdienste verstopfen die Straßen in Köln

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Paketdienste verstopfen oftmals die Straßen in Köln

Köln – Eine kurzer Spaziergang über die Ehrenstraße genügt, um das Problem zu erkennen. Während die Ladezonen, die eigentlich für den Lieferverkehr frei bleiben sollten, von Autofahrern zugeparkt werden, kurven Express- und Kurierdienste durch das Viertel in der Innenstadt oder stellen sich mal kurz mitten auf die Straße, um ihre Waren auszuladen.

„Die Ladezone vor unserem Geschäft ist eigentlich immer zugeparkt“, sagt Stefanie Schneider, Filialleiterin des Schuhgeschäfts Kennel und Schmenger an der Ehrenstraße. „Unsere Zulieferer müssen daher meist weit entfernt parken.“

Viele Pkw parken unerlaubt in Haltezonen

Das ist auf der Ehrenstraße so, aber auch an vielen anderen Stellen in Köln, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) in der neuen Studie „Die Ladezone im Blickpunkt“ herausgefunden. „Unsere exemplarische Beobachtung von Ladezonen in Köln und Leverkusen ergab, dass über 80 Prozent der Haltevorgänge in zweiter Reihe stattfinden“, sagt Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Mehr als 60 Prozent der Haltezeiten seien durch falschparkende Pkw ausgelöst worden.

Dies führe zu Staus und Behinderungen im Straßenverkehr. Schlecht für die Kunden, schlecht für die Geschäftsleute, schlecht für die Umwelt. Besonders betroffen seien enge Straßen wie die Neusser Straße, die Venloer Straße, die Deutzer Freiheit oder die Körnerstraße. „Hier parken die Zulieferer oft mitten auf der Straße“, so Soénius.

130 000 Stopps pro Tag

Der Güterverkehr ist für die öffentlichen Straßen eine durchaus große Herausforderung. Insgesamt wurden 64,9 Millionen Tonnen Güter im Jahr 2010 – neuere Zahlen liegen nicht vor – nach Köln transportiert, davon 45,7 Millionen Tonnen auf der Straße. Sogenannte General-Cargo-Güter – vor allem Pakete und Paletten – machen 30,9 Millionen Tonnen aus, was mehr als 2,5 Millionen Lastwagen-Fahrten entspricht. Demnach fahren 8500 Lkw pro Tag auf Kölner Straßen, die 50 000-mal halten müssen, um ihre Waren auszuladen. Hinzu kommen zahlreiche Kurier- und Expressdienste, die 150 000 Pakete pro Tag zustellen und weitere 80 000 Stopps verursachen. Tendenz steigend. Denn Köln ist einerseits eine wachsende Stadt. Zudem wachsen die Zahl der Singlehaushalte und der besonders verkehrsintensive Online-Handel.

Verwirrende Beschilderung

Zu den größten Problemen gehört laut IHK die unterschiedliche Beschilderung der Be- und Entladezonen, was zur Verwirrung bei Autofahrern führe. Ohnehin sei den meisten Verkehrsteilnehmern nicht klar, was in einer Ladezone für den privaten Autofahrer erlaubt sei und was nicht. So dürfe man seine Einkäufe nach Hause tragen, den Platz aber nicht nutzen, um einzukaufen.

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Auch Handwerker können den Raum nur nutzen, um Material auszuladen, nicht aber während ihrer Arbeitszeit beim Kunden belegen. Der Verband plädiert daher für eine Informationskampagne in der Bevölkerung, damit das Bewusstsein dafür wächst, dass die Zonen für den Handel von enormer Bedeutung sind.

Die IHK fordert zudem, dass neue Zonen dort eingerichtet werden, wo Engpässen bestehen. An anderen Stellen sollen die Zeiten, an denen die Ladezonen genutzt werden können, überdacht werden. Etwa durch die Sperrung der Leverkusener Brücke kämen die Laster immer später zu den Geschäften. Weiterhin sollte die Stadt die Ladezonen deutlich öfter kontrollieren – und Falschparker bestrafen. Und bei der Planung von Neubaugebieten – etwa dem Deutzer Hafen, Mülheim-Süd oder Kreuzfeld – müsse die logistische Infrastruktur stets mitbedacht werden.

Lastenräder als Alternative

Auch der Blick in andere Städte im In- und Ausland könne sich lohne, sagte Soénius. Besonders vielversprechend sei das Mikro-Depot-Konzept, bei dem die letzte Meile – also die letzten fünfhundert bis tausend Meter zum Kunden – des Gütertransports von zentralen Depots aus per Lastenfahrrad oder zu Fuß bedient wird. Gute Erfahrungen haben damit Städte wie Paris oder Nürnberg gemacht.

www.ihk-koeln.de

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