Cornelie Wittsack-JungeEin Eklat zum Abschied

Cornelie Wittsack-Junge
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Chorweiler – Kopfschütteln – aber auch Verständnis: Wenige Tage nach der Bekanntgabe, dass Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge von den Grünen ihre kommunalpolitische Karriere beendet, sind die Reaktionen der Bezirksvertreter von Chorweiler gemischt. In einem Schreiben hatte die Lokalpolitikerin verkündet, bei der im Mai anstehenden Kommunalwahl nicht mehr anzutreten. Als Grund nannte sie, dass eine stärkere Orientierung der Kommunalpolitik auf die Außenbezirke bislang nicht gewollt und eine Beteiligung des Stadtbezirks Chorweiler an der Ratsfraktion in der kommenden Periode seitens ihrer Partei nicht gewünscht sei. Daher sehe sie keine „weiterführende politische Perspektive“ und ziehe alle Kandidaturen zurück.
„Wir haben versucht, sie umzustimmen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Wolfgang Kleinjans. „Für uns ist es ein herber Verlust, sie ist nahezu unersetzbar.“ Einen potenziellen Nachfolger gibt es derzeit nicht. Gerade mal 30 Mitglieder zählen die Grünen laut Kleinjans im Ortsverband Chorweiler. „Die Grünen werden eher in der Innenstadt, Nippes und Ehrenfeld gewählt“, ergänzt er.
Mehrere Legislaturperioden saß Wittsack-Junge für die Grünen in der Bezirksvertretung. 2009 wurde sie mit Hilfe der CDU zur Bezirksbürgermeisterin gewählt. Damals schlossen sich die Grünen – für viele überraschend – mit der Union zusammen, wodurch der bisherige Bezirksbürgermeister Jürgen Kircher (SPD) nicht zum Zug kam und Wittsack-Junge den Posten errang. Nun wollte die hauptberufliche Lehrerin einen Schritt weiter gehen und in den Rat einziehen, um sich so verstärkt für die Belange ihres Stadtbezirks einsetzen zu können. „Es ist notwendig, dass Chorweiler in der Ratsfraktion vertreten ist“, sagt sie.
Sitzung verlassen
Bei der Mitgliederversammlung der Grünen im Dezember bewarb sie sich für zwei vordere Listenplätze und scheiterte – was sie wohl überraschte. Wie aus Parteikreisen zu hören ist, habe sie anscheinend fest damit gerechnet, einen Platz zu bekommen. Als erkennbar wurde, dass sie keine Chance hatte, verließ sie die Sitzung. Zudem soll sie im Vorfeld angedeutet haben, bei einem Scheitern ihre politische Karriere zu beenden. Wittsack-Junge: „Ich akzeptiere die Entscheidung der Mitgliederversammlung. Aber ich kann doch beanspruchen, dass die Außenbezirke berücksichtigt werden.“ Ob sie einen Parteiaustritt erwägt, ließ sie offen.
Auch die CDU bedauert die Entscheidung der Bezirksbürgermeisterin. „ Es ist schade, dass sie aufhört“, sagt der Fraktionsvorsitzende Rainer Zöllner. „Die Zusammenarbeit war gut. Es wäre sicher möglich gewesen – aus unserer Sicht aber auch aus Wittsack-Junges Sicht –, weiter zusammen zu arbeiten.“ Zöllner ließ offen, ob seine Partei Wittsack-Junge bei einer erneuten Kandidatur zur Bezirksbürgermeisterin unterstützt hätte. Wovon die Grüne allerdings nicht ausgeht: „Das war 2009 eine einmalige Situation“. Auch das sei ein Grund gewesen, in die Ratsfraktion wechseln zu wollen.
Schlechte Zusammenarbeit
Michael Birkholz von der FDP kann die Entscheidung der Bezirksbürgermeisterin nachvollziehen. „Der Rat ignoriert Chorweiler“, klagt der Einzelmandatsträger. Die Zusammenarbeit zwischen Rat und Stadtteilparlament nennt er „äußerst mies“. „Ich kann verstehen, dass sie sauer ist.“
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Kircher hingegen kritisiert die Art, wie Wittsack-Junge ihre Entscheidung verkündet hat: „Ich hätte so ein Schreiben nie verfasst, sie hat damit alle Türen zugeschlagen.“ Ihren Abgang sieht er als „Chance für die Bezirksvertretung und die Grünen, frischen Wind reinzubekommen“. Und er legt nach: Sie hat es nicht in den Rat geschafft. So ist halt Politik.“ Dieter Wernig von den Linken bezeichnet Wittsack-Junges Verhalten als „Trotzreaktion“. Er schätze sie und ihre Arbeit, sie habe sich sehr energisch für den Bezirk eingesetzt, betont Wernig. „Aber dass sie jetzt völlig das Handtuch wirft, habe ich nicht verstanden.“
