Kommentar zu neuem Stadtteil KreuzfeldBürger fühlen sich von Politik und Verwaltung kaum noch ernst genommen

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Auf der Visualisierung ist ein Markplatz im neuen Stadtteil zu sehen.

So könnte der neue Stadtteil einmal aussehen: Ansichten aus dem Siegerentwurf „The Woodhood“.

Die Chorweiler Bezirkspolitiker warfen der Stadt vor, die Bürger nicht genug in die Planung einzubeziehen. Diese wehrt sich gegen die Kritik.

Man möchte der Stadt Köln nicht pauschal vorwerfen, dass sie nicht versuchen würde, der Bürgerbeteiligung mehr Stellenwert einzuräumen und in ihre Prozesse einzubinden: 2018 hatte der Stadtrat den Prozess zur Entwicklung von Leitlinien der Öffentlichkeitsbeteiligung beschlossen, seit 2019 wurden diese Leitlinien in der Praxis erprobt, zuerst im Bezirk Nippes, seit 2020 auch in Lindenthal und Kalk. Mit dem April dieses Jahres sollen die Leitlinien nun für alle neun Bezirke gelten.

Bürgerinnen und Bürger vermissen gegenseitigen Austausch zum neuen Vedel Kreuzfeld

Das Projekt Kreuzfeld wurde bislang von einem durchaus aufwendigen Prozess begleitet, in dessen Rahmen die Verantwortlichen mit den „Safaris“ auch innovative Formate erprobten und mit Veranstaltungen etwa auf dem Liverpooler Platz aktiv die Nähe der Bürger suchten. Nur: All der Aufwand nutzt wenig, wenn er von den Angesprochenen letztlich als Fassade wahrgenommen wird.

Das Gefühl, beteiligt zu sein, entsteht vor allem aus der Erfahrung, Einfluss nehmen zu können – oder zumindest so ernst genommen zu werden, dass nachvollziehbar dargestellt wird, warum dieser und jener Vorschlag eben keinen Eingang gefunden hat. Wenn bei den Veranstaltungen den Bürgern auf ihre Fragen und Anregungen hin immer wieder versichert wird „Wir nehmen das mit“, dann aber schlicht nichts zurückkommt, klingen diese Beteuerungen irgendwann schal.

Der Eindruck, mit ihren Sorgen und Problemen von Politik und Verwaltung eben nicht wahrgenommen zu werden, hat sich bei den Menschen in Kölns nördlichstem Bezirk ohnehin bereits verfestigt. Die Verwaltung wäre daher gut beraten, die Kritik der Bezirksvertretung Chorweiler ernst zu nehmen. Die Übernahme der Leitlinien für Öffentlichkeitsbeteiligung bietet eine Chance dafür.

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