NaturschutzJäger geraten ins Visier

Auf der Pirsch im Kölner Norden: In der gesamten Stadt gibt es rund 2000 aktive Jäger.
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Merkenich – Wenn sich zwei Parteien ein Revier teilen, sind Interessenkonflikte oft programmiert. Im Kölner Norden gibt es seit einiger Zeit Ärger zwischen Erholungssuchenden und Jägern. Das Jagd-Areal "Merkenich", das sich von Niehl bis Fühlingen erstreckt, umfasst das Naturschutzgebiet Rheinaue Langel-Merkenich; hier sind auch viele Spaziergänger unterwegs. Eine Gruppe beschwerte sich jetzt mit einer Mail bei Alfred Becker, der als SPD-Fraktionsvorsitzender in der Chorweiler Bezirksvertretung sitzt. Beim Spazierengehen mit Kindern und Hunden seien sie in eine Treibjagd hineingeraten. Kein Warnschild habe auf die Gefahr hingewiesen. Außerdem seien die Jäger mit drei Fahrzeugen über die Rheinwiesen gefahren - obwohl die zum Naturschutzgebiet gehören.
Alfred Becker stellte eine Anfrage bei der Stadt. "Ich bin selbst mal in eine Treibjagd hineingeraten, war mit meinem Hund spazieren. Plötzlich wurde geschossen." Er wundert sich, warum dort keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien. Und darüber, dass Jäger mit ihren Autos im Naturschutzgebiet fahren dürfen.
Auch hier sei die Pirsch durchaus erlaubt, antwortete jetzt die Verwaltung. Eine Pflicht zur Beschilderung bestehe nicht, allerdings müsse der Jäger dafür sorgen, dass Menschen nicht zu Schaden kommen könnten.
Warnschilder nicht vorgeschrieben
Der Pächter des Reviers "Merkenich", Thorsten Scheer, kann die Aufregung der Spaziergänger nicht verstehen. "Das war damals keine große Treibjagd; sondern eine Jagd mit einer kleineren Gruppe. Ich bin nicht dazu verpflichtet, Warnschilder aufzustellen. Es gibt kein Gesetz, in dem das vorgeschrieben ist." An Treibjagden, die er zwei bis drei Mal im Jahr veranstaltet, nähmen rund 25 Personen mit Hunden teil - dann stellt er sogar Schilder auf. "Das tun wir freiwillig", betont Scheer. Menschen seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.
"Jagen ist ein umstrittenes Thema", bestätigt Thomas Pelzer, Leiter der Unteren Jagdbehörde, und ergänzt: "Das gilt für das ganze Stadtgebiet. Aber im Kölner Norden kommt es besonders häufig zu Problemen. Im Naturschutzgebiet Rheinaue gibt es viele Erholungssuchende, die der Jagd kritisch gegenüber stehen und sie am liebsten verbieten würden. Jäger haben es dort schwer." Zur Vermeidung von Konflikten sei es durchaus sinnvoll, in dem Areal ein Auto zu benutzen - oft reagierten Spaziergänger heftig, wenn sie zu sehen bekämen, wie Jäger ein erlegtes Tier und die Waffe sichtbar mit sich herumtrügen. Ein weiteres Problem: Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner unerlaubt ableinen und umherstreunen ließen. Das scheuche das Wild auf, so Pelzer.
Seit mehr als 40 Jahren pachtet die Familie Scheer das Revier im Kölner Norden. Zum Jagdgut gehören Wildkaninchen, Wildtauben, Füchse und Fasane. Spaziergänger reagieren auf sein Hobby unterschiedlich, so Thorsten Scheer. "Es gibt Leute, die sich freuen , wenn sie uns sehen." Doch wurde er schon mal als Tiermörder beschimpft. Nicht gut auf Jäger zu sprechen war wohl auch der Unbekannte, der vor einigen Monaten einen Hochsitz zerstörte.
Für Thorsten Scheers Vater Günter ist die Diskussion um das Thema Jagd von Missverständnissen geprägt. "Jäger müssen in erster Linie Heger sein, das wird oft verkannt. Wir ballern nicht einfach alles ab." So sorge man dafür, dass es keine Überpopulation bestimmter Tierarten gebe, die dann Schäden an Bäumen und Pflanzen anrichten könnten. Oftmals bäten Bauern um Hilfe, die Wildschäden an ihrer Ernte entdecken. "Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir Jäger sind", sagt Thorsten Scheer.
