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Filmfestival in KölnDas bieten die Kölner Kino Nächte 2026

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Sandra Hüller im Film „Ingeborg Bachmann - Jemand der einmal ich war“

Sandra Hüller im Film „Ingeborg Bachmann - Jemand der einmal ich war“

Vom 28. bis 31. Mai, finden die 18. Kölner Kino Nächte statt und zeigen in ganz Köln Filmkunst aus aller Welt. Wir haben uns eine Auswahl des Programms vorab angesehen.

Sandra Hüller ist Ingeborg Bachmann: „Jemand, der einmal ich war“

Der quasi-dokumentarische Film von Regina Schilling ist eine Collage aus Interviews, Gedichten und Texten der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die 2026 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Auch Weggefährten Bachmanns wie Max Frisch und Paul Celan kommen zu Wort.

Zusätzlich schlüpft Sandra Hüller in die Rolle der 1973 gestorbenen Dichterin und nähert sich Bachmann an, wie sie am Ende ihres Lebens war – allerdings anachronistisch, mit Meditations-App auf dem Smartphone und auf dem E-Scooter durch Rom fahrend. Hüllers Schauspiel ist wie immer hochklassig, ihre Szenen gehen jedoch in der Menge des Archivmaterials manchmal unter. (Do., 28. Mai, 19.30 Uhr, Weisshaus Kino)

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Japanische Komödie zum Tränen lachen: „Let’s Go Karaoke“

Wer Tränen lachen will, dem sei diese japanische Komödie wärmstens ans Herz gelegt. In „Let’s Go Karaoke“ wird der Schulchor-Star Satomi von Kyoji Narita, einem Gang-Mitglied, rekrutiert, damit Satomi ihm das Singen beibringt. Denn Kyoji muss bei einem vom Gangsterboss veranstalteten Karaoke-Wettbewerb antreten, den er auf keinen Fall verlieren darf.

Szene aus dem Film „Let’s Go Karaoke“

In „Let’s Go Karaoke“ muss ein Schüler plötzlich einem Mafioso Gesangsunterricht erteilen.

Mit der Zeit wird Kyoji jedoch genauso zu einem Mentor für den pubertierenden Satomi (dass dieser auch mal abgetrennte Finger in Kyojis Handschuhfach findet, tut der Freundschaft keinen Abbruch). „Let’s Go Karaoke“ ist schräg, bissig und macht einfach nur Spaß beim Zuschauen. (Do., 28. Mai, 18.30 Uhr, Japanisches Kulturinstitut)

Hinter den Kulissen eines Orchesters: „Ensemble Modern: Why We Play“

Kinobesucher, die immer schon mal hinter die Kulissen eines großen Orchesters schauen wollten, sind mit „Ensemble Modern: Why We Play“ gut bedient. Hier kommen vor allem Musikfans auf ihre Kosten, für alle anderen kann die Dokumentation von Thomas Schütte stellenweise ein wenig langatmig geraten.

Der Film begleitet die Musikerinnen und Musiker des Ensemble Modern, eines der weltweit führenden Ensembles für zeitgenössische Musik, zu ihren Proben, schaut ihnen bei Diskussionen mit Dirigenten und Komponistinnen über die Schulter – manchmal muss ein einzelner Ton mühsam verhandelt werden. Die Künstlerinnen und Künstler geben in Interviews Einblicke in ihre Rollen als Musiker und Gesellschafter des Ensemble Modern. (Freitag, 29. Mai, 19.30 Uhr, Odeon)

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Für Kunstliebhaber: „L’Inconnu de la Grande Arche“

1982 startet der französische Premierminister François Mitterand einen Wettbewerb für ein Monument in Paris anlässlich des 200. Jahrestages der Französischen Revolution. Sieger wird ein Nobody: Der dänische Architekt Johann Otto von Spreckelsen, der den Triumphbogen Grande Arche erschafft.

Schauspieler Claes Bang, der für die Rolle Französisch gelernt hat, verkörpert von Spreckelsen – der bis dato nur sein eigenes Zuhause und vier Kirchen entworfen hat – so charmant, dass er dafür eine César-Nominierung als Bester Hauptdarsteller einheimste. Mit „L’Inconnu de la Grande Arche“, einer Komödie, die mit einer dramatischen Note endet, dürften nicht nur Kunstliebhaber gut unterhalten sein. (Sonntag, 31. Mai, 15 Uhr, Filmhaus Kino)

Berührendes Porträt einer iranischen Hebamme: „Cutting through Rocks“

Der oscarnominierte Dokumentarfilm „Cutting through Rocks“ von Sara Khaki und Mohammadreza Eyni begleitet die Hebamme Sara Shahverdi auf ihrem Weg zur ersten gewählten Gemeinderätin ihres iranischen Dorfes. „Tante Sara“ ist eine Naturgewalt, kämpft lautstark und kompromisslos gegen Kinderehen und für die Errichtung einer Pipeline im Dorf, kümmert sich um sämtliche Probleme ihrer Wählerschaft und bringt jungen Mädchen heimlich Motorradfahren bei.

Szene aus dem Dokumentarfilm „Cutting through Rocks“

Die Dokumentation „Cutting through Rocks“ über die Iranerin Sara Shahverdi war für einen Oscar nominiert.

Doch sie kann, und auch das zeigt der Film schonungslos, nicht das gesamte patriarchale System des Iran im Alleingang umwälzen. Sara muss lernen, dass auch kleine Schritte sie weiterbringen. (So., 31. Mai, 17 Uhr, Filmpalette)