Synthetische Drogen gelten als besonders gesundheitsschädlich. In dem bisher größten Schlag gegen die Hersteller wurden auch Labore in NRW ausgehoben.
Drei Drogenküchen in NRW„Einmaliger Schlag“ – Europäischer Drogenhändlerring zerschlagen

Im Rahmen internationaler Ermittlungen sind auch in Deutschland mehrere Drogenlabore entdeckt worden.
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Drei maskierte Zollfahnder in Kampfmontur haben sich vor einem Tisch aufgebaut. Dort ausgebreitet liegen 19 Kilogramm Amphetamine in groben weißen Klumpen. Doch diese 19 Kilogramm sind nur ein Bruchteil dessen, was Ermittler in einem internationalen Ermittlungskomplex sichergestellt haben.
Im nach Angaben von Zoll und Polizei bislang größten Schlag gegen Hersteller synthetischer Drogen haben die Ermittler in Deutschland sechs Drogenlabore ausgehoben und 45 Verdächtige festgenommen. Europaweit wurden 24 Labore entdeckt und 85 Menschen festgenommen.
Bisher einmaliger Schlag
„Dieser Schlag europäischer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen synthetische Drogen ist in dieser Dimension bislang einmalig“, sagte Friedo de Vries, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück. Eine Osnabrücker Ermittlungsgruppe habe bei der „Operation Nexus“ eine zentrale Rolle gespielt.
Die deutschen Labore befanden sich laut Polizei und Zoll in Kerpen, Hagen und Neunkirchen-Seelscheid in Nordrhein-Westfalen, in Wolfenbüttel in Niedersachsen, in Nauen in Brandenburg sowie in Quickborn/Kummerfeld in Schleswig-Holstein. Bundesweit stellten die Ermittler mehr als 800 Kilogramm synthetische Drogen sowie rund 160.000 Liter hochgiftiger Chemikalienabfälle sicher.
„Dieser Fund wirft auch die Frage auf, warum es offenbar gesellschaftlich immer akzeptierter ist, high zu sein.“
Bei zwei abschließenden Durchsuchungen an einem „Action Day“ am vergangenen Freitag wurden in Papenburg in Niedersachsen unter anderem 15.000 Liter Chemikalienabfälle sichergestellt. In Papenburg kam es zu einer weiteren Festnahme. Die europaweiten Fahndungsmaßnahmen wurden von Europol koordiniert.
Der Leiter des Zollkriminalamtes, Tino Igelmann, sagte bei der Pressekonferenz in Köln, Ausgangspunkt der Ermittlungen sei ein Unternehmen in Polen gewesen, das Chemikalien für die Herstellung synthetischer Drogen verkauft habe. Von dort seien sie entweder in Zwischenlager oder direkt in die Drogenlabore gelangt.
Die verschiedenen Labore hätten miteinander in Kontakt gestanden, erklärte Igelmann. „Es ist aber nicht so, dass quasi eine Bande oder eine Organisation das gesamte Verfahren von der Produktion über den Vertrieb der Chemikalien bis zur Herstellung der synthetischen Drogen betreibt.“ Vielmehr werde der Markt unter verschiedenen Akteuren aufgeteilt.
Neben den gravierenden gesundheitlichen Folgen wies Igelmann auf die massiven Umweltprobleme durch die Drogenproduktion hin: „Durch die Produktion dieser synthetischen Drogen hat man sehr viele Chemikalienabfälle, das geht auch wirklich in den Bereich von mehreren 1.000 Litern.“ Diese würden häufig illegal im Wald entsorgt. „Das ist für die Umwelt extrem schädlich.“
Zwar seien die Handelsstrukturen zwischen Polen und Westeuropa vorerst zerschlagen. „Doch so lange der Bedarf da ist, wird es auch Kriminelle geben, die sich organisieren, um diesen Bedarf zu decken“, sagte de Vries.
Der Bedarf sei hoch, betonte der Osnabrücker Polizeipräsident: „Dieser Fund wirft auch die Frage auf, warum es offenbar gesellschaftlich immer akzeptierter ist, high zu sein.“ Kinder und Jugendliche müssten vor dem Konsum synthetischer Drogen geschützt werden, so de Vries weiter: „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ (mit dpa)

