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EhrenfeldEine Managerin für die Zuwanderer

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Veedelsmanagerin Lale Konuk

Ehrenfeld – Wenn es um Armutszuwanderung geht, könnte Lale Konuk (48) viel erzählen. Von ihrem Vater, der in den 1960er Jahren aus Mittelanatolien zu Bayer nach Leverkusen kam.

„Mein Vater war ein ganz armer Bauernjunge, der mit 13 Jahren seine Familie verlassen hat und nach Istanbul ging. Für ein besseres Leben.“ Eine Gastarbeiter-Geschichte wie aus dem Lehrbuch: Mit 16 geheiratet, nach Deutschland gegangen, fünf Mädchen großgezogen, in den ersten Jahren immer von der Rückkehr in die Heimat geträumt und bei Bayer „die ganze Drecksarbeit gemacht“. 40 Jahre später: Die Kinder der Familie Konuk haben alle studiert, sich bis auf eine Tochter, die in der Türkei lebt, für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. „Mein Vater kam zwar aus einfachsten Verhältnissen, aber er hat immer viel Wert auf unsere Bildung gelegt.“

Viel mehr muss Ehrenfelds neue Veedelsmanagerin, die sich in den kommenden zwei Jahren um die Armutszuwanderer aus Bulgarien und Rumänien kümmern wird, gar nicht sagen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, was die Vorstellungskraft der meisten Kölner angesichts des Anblicks der Tagelöhner, die auf dem Arbeiterstrich an der Venloer Straße auf einen Gelegenheitsjob warten, wohl übersteigt. „Wir müssen diese Menschen so gut es geht qualifizieren und in den ersten Arbeitsmarkt bringen. Und wir müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder zur Schule gehen und eine möglichst gute Bildung erhalten. Es gibt zu diesem Weg keine Alternative.“

Ihren zunächst auf zwei Jahre befristeten Job hat Lale Konuk mit viel Energie und Einsatz und der Unterstützung des Bezirksbürgermeisters Josef Wirges im Grunde selbst geschaffen. Sie kennt Ehrenfeld aus dem Effeff, hat 25 Jahre lang als Kulturmanagerin gearbeitet und viele Jahre das Arkadas-Theater geleitet. Während sich in Berlin ein Ausschuss von Staatssekretären am gestrigen Mittwoch darum bemüht hat, die Debatte um die möglichen Folgen der Freizügigkeit für Bulgaren und Rumänen zu entschärfen, ist man in Ehrenfeld längst einen Schritt weiter.

Arbeit noch ganz am Anfang

Lale Konuk arbeitet für den Verein Veedelsmanagement Ehrenfeld, bezahlt wird sie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Geld genau für diese Zwecke bereitstellt. Aus den gleichen Töpfen wird der Verein noch einen Sozialarbeiter und einen Dolmetscher bezahlen. Gemeinsam wollen sie Gas geben: Ansprache, Qualifikation, rein in die Familien, trotz aller Probleme auf dem Wohnungsmarkt etwas gegen die extrem schlechten Wohnverhältnisse in den sogenannten Boardinghäusern im Veedel unternehmen. „Wir gehen davon aus, dass wir es mit bis zu 150 Menschen zu tun haben, die derzeit in Ehrenfeld unter diesen Bedingungen leben und für ihren Unterhalt sorgen müssen“, sagt die neue Veedelsmanagerin. Noch stehe sie ganz am Anfang, erste Gespräche mit den Gewerkschaften und der Arbeiterwohlfahrt habe es schon gegeben. „Meine Aufgabe wird es vor allem sein, die Hilfen zu koordinieren und Netzwerke aufzubauen. Dabei werde ich davon profitieren, dass ich schon seit zehn Jahren in Ehrenfeld lebe und sehr viele Institutionen kenne.“

Mit Sozialromantik habe ihr Engagement nichts zu tun. Lale Kokut weiß sehr genau, dass die Armutszuwanderer die schlechtesten Startbedingungen haben, die man sich nur vorstellen kann. Einige von ihnen können weder lesen noch schreiben, von deutschen Sprachkenntnissen einmal ganz zu schweigen. „Ich habe Anfang der Woche eine Roma-Familie besucht“, sagt sie. „Sie lebt in ganz ärmlichen Verhältnissen. Aber der Wille und die Motivation, hier in Deutschland etwas zu erreichen, ist ungemein groß.“ Das habe sie an ihre Eltern und die eigene Kindheit erinnert. Es gehe vor allem darum, erst einmal ins Gespräch zu kommen. „Aus meiner langen Erfahrung im Kulturmanagement weiß ich, wie wichtig die Kommunikation ist.“ Sobald ein Dolmetscher gefunden ist, der die bulgarische Sprache beherrscht, wird sie auf die Menschen zugehen. Türkisch ist kein Problem. Das spricht sie selbst.