Der auf dem Gelände der zerstörten Förderschule Lindweiler Hof geplante Schulbau erscheint den Anwohnern überdimensioniert. Es ist an der Zeit für einen Kompromiss.
Schulbau in BickendorfDie Stadt sollte ihre Pläne noch einmal überdenken


An der Rochusstraße 80 soll ein Gebäude-Ensemble für 1000 Schüler entstehen
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Bürger haben kein Recht darauf, dass sich in ihrer Nachbarschaft niemals etwas verändert. Sie müssen es hinnehmen, wenn nebenan Bauten entstehen, die ihnen nicht gefallen. Zumal wenn die Stadt eine vermeintlich dringend benötigte Schule baut. Doch was sie verlangen können ist, über die Planungen rechtzeitig informiert zu werden. Erst recht, wenn die Schule mitten in ihrem Ortskern gebaut wird. Sie sollten nicht nur die Gelegenheit haben, ihre Ideen einzubringen sondern auch ernstgenommen zu werden. Seit vier Jahren tun engagierte Bickendorfer genau das. Sie entwerfen Pläne für eine ortsbildverträgliche Schule samt Hochwasserschutz, die die Verantwortlichen allenfalls höflich zur Kenntnis genommen haben.
Die Stadt verfährt wie sie bei neuen Schulen seit einigen Jahren verfährt: Sie beauftragt einen Totalunternehmer, dessen Pläne allerdings erst jüngst publik wurden. Eine teils fünfgeschossige Schule mit integrierter Kita soll zwischen Rochus-, Felten- und Subbelrather Straße dauerhaft über die Interimszeit für das Monte hinweg 1000 Schülern Platz bieten. Die Förderschule Lindweiler Hof, die 2021 durch das Juli-Hochwasser zerstört wurde, hatte 150 Schüler.
Dass sich die Bickendorfer jetzt mit einer Petition gegen den aus ihrer Sicht überdimensionierten Bau wenden, ist nur recht und billig. Im Sinne gelebter Demokratie ist zu wünschen, dass die Stadt ihre Planungen noch einmal überdenkt. Zum Beispiel ob eine weiterführende Schule wirklich der richtige Ort ist, um auch eine Kita unterzubringen, wenn 200 Meter weiter ein Kita-Gebäude leersteht. Nachbesserungen wären kein Zeichen von Gesichtsverlust, sondern von Respekt im Umgang mit mündigen Bürgern .

