Gefängnisneubau in OssendorfDienstwohnungen am Kölner Klingelpütz werden abgerissen

Das Gelände der JVA in Ossendorf
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Ossendorf – Der angekündigte Neubau des Gefängnisses in Ossendorf stößt nicht bei allen Bediensteten auf Begeisterung. Noch sind die konkreten Architektenpläne zwar unter Verschluss, aber wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, soll die neue Anstalt dichter an die Rochusstraße gebaut werden. Dafür müssen die Häuser mit Dienstwohnungen, die in den 1960er Jahren zwischen der Außenmauer der JVA und der Rochusstraße errichtet wurden, abgebrochen werden.
Ein Neubau an anderer Stelle ist nicht geplant. Etwa 15 JVA-Beamte aus dem gehobenen und dem mittleren Dienst müssen mit ihren Familien umziehen.
Abbruch in zwei bis drei Jahren
„Wir tun alles, um eine Möglichkeit zu finden, sie woanders unterzubringen“, sagte der stellvertretende Anstaltsleiter Wolfgang Schriever auf Anfrage. Eine Möglichkeit wären frei werdende Wohnungen in jenen Häusern für Bedienstete, die auf der Rückseite der JVA an der Butzweiler Straße liegen. Die sind zur Zeit aber alle belegt. Mit dem Abbruch soll in den nächsten zwei, drei Jahren begonnen werden. Auf dem Gelände zwischen der jetzigen Außenmauer und der Rochusstraße soll dann auch eine neue Verbindungsstraße zum Klingelpütz entstehen.
Die Gesamtkosten für den Neubau dürften bei mehr als 200 Millionen Euro liegen. Das Gefängnis hätte künftig 50 Plätze weniger als bisher und wäre eine der modernsten Haftanstalten Deutschlands. Dass der Abriss überfällig ist, zeigte zuletzt wieder ein Beispiel aus einem der 13 Hafthäuser: Tagelang waren hier die Duschen gesperrt, Schimmel hatte sich an den Wänden und der Decke ausgebreitet. Die Gefangenen mussten zum Duschen in andere Hafthäuser ausweichen. „Das ist natürlich auch immer eine zusätzliche Belastung für das Personal“, sagt Schriever.
Wie ein Beamter berichtet, sieht es in anderen Duschräumen allerdings nicht viel besser aus: Grundsätzlich seien alle Waschbereiche im Klingelpütz von Schimmel befallen. Regelmäßig rücke eine Fachfirma an und beseitige die giftigen Pilze notdürftig. Wegen der mangelhaften Belüftungsmöglichkeiten sei das Problem dauerhaft wohl nicht anders zu lösen.
Schimmel auch in der Zelle
Thomas Kutschaty, Justizminister von Nordrhein-Westfalen, wird am heutigen Mittwoch in der Aula der Grundschule Wilhelm-Schreiber-Straße 56 über die Zukunft der JVA Ossendorf informieren.
Gabriele Hammelrath, Ehrenfelder Landtagsabgeordnete, hat die Bürger zur Informationsveranstaltung eingeladen. Sie beginnt um 18 Uhr. „Das Projekt begleitet das Leben im Stadtteil über Jahre. Mir ist es daher wichtig, dass das Veedel die Abläufe kennt“, so die Politikerin, die die Diskussion mit dem Minister moderieren wird. (Rös)
Im Hafthaus 11 habe vor einigen Monaten sogar ein Gefangener aus Sorge um seine Gesundheit verlegt werden müssen. „Der hatte einen Tisch von der Wand weggerückt, und da war alles grün, der Schimmel war durch die Mauer bis in seine Zelle gezogen“, erzählt der Beamte.
„Versifft“ sehe es auch im Männer-Umkleidebereich für die Bediensteten aus. Hier seien zwar vor einer Weile die sanitären Anlagen erneuert worden, dafür starrten die jahrzehntealten Metallspinde vor Staub und Dreck. Manche seien „seit Urzeiten“ mit Vorhängeschlössern versperrt. „Niemand weiß, was da drin ist.“
Die elektrische Sprechanlage, über die die Beamten in den Wachkanzeln der einzelnen Hafthäuser mal miteinander kommunizieren konnten, sei schon lange defekt und außer Betrieb. Man behilft sich längst mit Telefon und Funkgeräten. Auch die ursprünglich in allen Zellen fest in die Wand eingebauten Radios – beim Bau der Justizvollzugsanstalt 1968 eine bundesweite Attraktion – sind dem Vandalismus der Insassen zum Opfer gefallen und wurden irgendwann einfach nicht mehr repariert. Heute haben die meisten Gefangenen ohnehin Fernseher und DVD-Spieler in der Zelle.
